Stadtmagazin Witten: In der Stadt

Stadtarchiv Witten

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Wo die Vergangenheit in die Zukunft gerettet wird

Jahrhundertealte Schriftrollen in von Staub bedeckten Regalen, von Spinnenweben verhangene Gewölbe, magisch durchdrungen von schummrig-flackerndem Kerzenlicht ... So oder so ähnlich stellen sich viele das Innere eines Stadtarchivs vor, ein eigenes kleines Hogwarts, in dem die Geheimnisse der Stadt nur darauf warten, von mutigen Entdeckern enthüllt zu werden. Zugegeben: ein nicht mehr ganz so zeitgemäßes Bild. Denn ein Blick in die ›heiligen Hallen‹ des Wittener Stadtarchivs beweist: Hier geht es sauber, geordnet und funktionell zu. Mit nach vorn gewandtem Blick rettet das ›zentrale Gedächtnis der Stadt‹ die Vergangenheit in die Zukunft.

›Brückenbauer in die Zukunft‹
»Doch wir sind dafür nicht allein verantwortlich«, betont Institutsleiterin Dr. Martina Kliner-Fruck. »Auch die lokalen Museen, die Archive der Heimat- und Geschichtsvereine sowie die Wittener selbst leisten als ›Brückenbauer in die Zukunft‹ einen wichtigen Beitrag. Sie haben maßgeblich Anteil an der Wahrung der historisch-kulturellen Identität der Stadt, indem sie bei der Erschließung und Erhaltung der stetig wachsenden Bestände helfen.«

Nutzung der Archive ausdrücklich erwünscht!
Und die sind wahrlich gewaltig: unzählige Urkunden, Akten und Verwaltungsprotokolle – so viele, dass ein einzelnes Menschenleben nicht ausreicht, sie zu lesen –, dazu Bücher, Druckschriften und Karten sowie Fotos, Bild- und Tonträger. Sie alle müssen nach und nach erschlossen und in ein dauerhaftes – digitales – Format überführt werden, das auch in zehn Jahren noch ohne Probleme gelesen werden kann. 70 Prozent der Archivbestände sind digital erfasst – eine echte Erleichterung beim Auffinden einer Archivalie! Vorausgesetzt, sie geht in den Weiten der Magazine nicht verloren. Sorgfalt – auch aufseiten der Nutzer – ist daher geboten. »Die bei uns gelagerten Unterlagen sind Unikate und als solche unersetzbar«, verdeutlicht Frau Kliner-Fruck. »Wir weisen die Nutzer deshalb darauf hin, die Dokumente in ihrer Anordnung nicht zu verändern, sie weder mit Anmerkungen zu versehen noch sie als Schreibunterlage zu verwenden. Bei der Benutzung besonders wertvoller Objekte müssen aus konservatorischen Gründen Handschuhe getragen werden.« Grundsätzlich ist die Nutzung durch Archivbesucher jedoch ausdrücklich erwünscht – sie ist Sinn und Zweck jeder Archivarbeit!

Was ist archivwürdig?
Was als archivwürdig eingestuft wird, hängt nicht von der Perspektive des jeweiligen Nutzers ab. »Auch wenn sein Blick auf ein Dokument es zu etwas Besonderem macht«, so die Institutsleiterin. »Eine Fotografie, die eine Wittener Kohlenhauer-Familie um 1900 zeigt, kann deshalb von Bedeutung sein, weil sie das Alltagsleben der damaligen Bergbauzeit dokumentiert. Jedes Dokument kann individuell wichtig und archivwürdig werden, wenn der Nutzer es als solches erachtet. Aber über Archivwürdigkeit selbst entscheidet das Archiv auf Grundlage der relevanten Gesetze des vorhandenen Bestandes und des Zukunftsbestands.« Und das gilt auch für Tageszeitungen: Archiviert wird nämlich nicht nur ihr Informationsgehalt – auch der Informationsträger selbst wird in die Zukunft gerettet. »Durch die mediale Digitalisierung wird es das Medium ›Zeitung‹ möglicherweise nicht mehr lange geben«, so die Prognose der Wittener Archivarin. »Daher ist es wichtig, einzelne Exemplare in Papierform zu bewahren. So wissen wir auch in 20 Jahren noch, wie sich echtes Zeitungspapier einst angefühlt und wie es ausgesehen hat.«

Ein Großteil der im Stadtarchiv Witten gelagerten Unterlagen – bis zu 90 Prozent des Gesamtbestandes – kommt von den städtischen Verwaltungsorganen, beginnend seit dem 17. Jahrhundert. Historisch besonders reizvoll sind dabei die Meldeunterlagen sowie die sogenannten zivilen Personenstandsregister und Namensverzeichnisse, die seit 1874 bei den Standesämtern geführt wurden. Sie geben Aufschluss über das Leben und Sterben in Witten. Persönliche Eckdaten wie Name, Geburt, Heirat, Beruf und Tod sind in ihnen verzeichnet – mitunter dokumentieren sie auch echte Schicksale! Es sind die Schicksale der Bewohner Wittens!

»Das Original fasziniert!«
Häufig in Anspruch genommen wird das Stadtarchiv von lokalen Bildungs- und Kultureinrichtungen, von der Verwaltung und Wissenschaft sowie von Bürgern und Schulen. »Gerade die jüngeren Leute sind sehr interessiert«, bestätigt Martina Kliner-Fruck. »Sie kommen zu uns und stellen jede Menge Fragen: ›Wer hat früher hier gewohnt?‹, ›Woher stammt der Name der Straße, in der ich wohne?‹, ›Wie sah das Stadtbild zur Zeit des Zweiten Weltkrieges aus?‹ Sie mögen das originäre Forschen außerhalb des Schulbetriebs – stets getrieben von der stillen Hoffnung, etwas Spektakuläres zu finden, geheimes Wissen oder verschlüsselte Codes. Das Original fasziniert über Generationen hinweg. Es ist auch ›retro‹, es ist auch ›Kult‹. Es wird einfach immer gefragt sein.«

Das Stadtarchiv Witten hat einen langen Weg hinter sich. Einst hatte es seinen Platz im Turm des städtischen Rathauses. Von dort aus zog es 1974/75 in den Saalbau, dann in Teilen in die Ruhrstraße 70 und schließlich in die Herbeder Straße, um wenig später – zum Jahreswechsel 2005/06 –, getragen vom Kulturforum Witten, in die Villa Berger umzuziehen. Auch hier verweilte das Stadtarchiv nicht lange. Seit Oktober 2012 ist es wieder im Wittener Saalbau unterbracht, mitsamt seinem Zentralmagazin und Sondermagazinen. Ein Außenmagazin befindet sich in Witten-Annen.

Stadtarchiv Witten
Bergerstr. 25 · 58452 Witten
Tel. 0 23 02 / 5 81 24 15
www.kulturforum-witten.de/stadtarchiv

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