Stadtmagazin Witten: Kunst und Kultur

Kunstobjekt ›Stolpersteine‹ auch für Witten?

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Artikel: Dr. Cornelia Mattern

Als der in Berlin gebürtige und heute in Köln lebende Bildhauer Gunter Demnig 1992 anlässlich des 50. Jahrestages von Himmlers Befehl zur Deportation von Sinti und Roma seinen ersten Stolperstein vor dem Kölner Rathaus verlegte, ging es ihm vor allem um ein Gegenkonzept zu den üblichen zentralen Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus.

Inzwischen sind es bereits über 38.000 in Bürgersteige eingelassene und mit persönlichen Angaben zu den Verfolgten versehene Messingplatten, die in über 750 zumeist deutschen, aber auch ausländischen Städten als ein dezentrales, netzwerkartiges Mahnmal an die Schicksale von Menschen erinnern sollen, die von den Nazis vertrieben, deportiert und ermordet wurden. Mit seinen Stolpersteinen will der Künstler Aufmerksamkeit in unseren Alltag bringen, will da erinnern, wo diese Menschen tatsächlich gelebt, gearbeitet und gewirkt haben, wo sie Teil der Nachbarschaft und des gesellschaftlichen Lebens waren, will gegen das Vergessen und die Verdrängung Zeichen setzen, die unser Nachdenken einfordern. Stolpern ist dabei nur sinnbildlich gemeint: Im Vorübergehen sollen wir innehalten, uns bücken und der Inschriften gewahr und nachdenklich werden, Fragen zulassen und so Geschichte lebendig halten und vor allem auch die jungen Generationen wach werden lassen und zu Diskussionen anregen.

Heute ist das Kunstprojekt ein Selbstläufer. Anfragen beim Künstler, der die von Hand gefertigten 10 x 10 cm großen Messingplatten in der Regel auch eigenhändig vor den Wohnhäusern der Opfer in den Gehweg einlässt, kommen meist von Bürgergruppen, die sich für die Verlegung von Stolpersteinen auch in ihrer Stadt einsetzen und engagieren. Überwiegend stehen die Stadtverantwortlichen dem Projekt aufgeschlossen, befürwortend und unterstützend gegenüber. In einigen wenigen Städten wurde die Genehmigung zur Verlegung von Stolpersteinen jedoch auch schon verweigert und musste erst durch ein Bürgerbegehren erstritten werden. Trotz des insgesamt großen und überwiegend positiven Zuspruchs gibt es auch kritische Stimmen, die die Opfer der nationalsozialistischen Gewalttaten ›mit den Füßen getreten‹ und damit ein weiteres Mal entwürdigt sehen. Für Gunter Demnig ist das Niederbücken, um die Gravuren auf den Messingplatten lesen zu können, ganz im Gegenteil eine ›symbolische Verbeugung‹ vor den Opfern. Und die vielen den Stolperstein blank polierenden Passantenfüße lassen die Messingplatten erst richtig golden erstrahlen und so zum Blickfang  werden. Für sein Stolpersteinprojekt hat Demnig im In- und Ausland sehr viel Anerkennung erfahren und zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten, zuletzt 2012 den Erich-Kästner-Preis sowie den Marion-Dönhoff-Förderpreis für internationale Verständigung und Versöhnung.

Witten hat noch keine Stolpersteine.
Der Lionsclub Witten Rebecca Hanf würde sich dieses Projekts für unsere Stadt gerne annehmen.


Portrait
Dr. Cornelia Mattern
geb. 1951 in Berlin
Studium Bildungsökonomie, Pädagogik und Soziologie
Bildungswissenschaftlerin an der FernUniversität Hagen und Vizepräsidentin des Lionsclub Witten Rebecca Hanf


Portrait
Gunter Demnig
geb. 1947 in Berlin
Studium Kunstpädagogik
Denkmalsanierung
ab 1985 eigenes Atelier in Köln
diverse Auszeichnungen

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