Stadtmagazin Witten: Kunst und Kultur

Ausstellung ›Sehenswert – Skulpturen in Witten‹

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Skulptur an der Ruhr

Über den Stadtraum von Witten verteilt findet man Skulpturen von unterschiedlichem künstlerischem Wert. Es gibt Darstellungen von Menschen und Tieren, aber auch eine Reihe von interessanten nicht gegenständlichen Skulpturen. Eine Ausstellung, verbunden mit einem speziellen Begleitprogramm greift nun das Thema Kunst im öffentlichen Raum Witten auf. Veranstalter sind das Kulturbüro, der Wittener Kunstverein sowie die Kunstinitiative. An drei verschiedenen Orten, Märkisches Museum, Stadtwerke und Saalbau, werden Skulpturen von Wittener Bildhauern oder Künstlern, die in Witten geboren sind, mit Werken aus dem Museumsbestand präsentiert. In einer Poster-Präsentation wird der Bezug zu den Außenplastiken in der Stadt hergestellt. Stadtführungen und Diskussionen zu den Kunstwerken im öffentlichen Raum runden das Ereignis ab.

Da über Plastiken und Skulpturen im Wittener Stadtgebiet einerseits in dem Buch ›Skulpturen Brunnen und Male‹ sowie in diversen Artikeln im Stadtmagazin  berichtet wurde, soll hier auf die aktuellen Werke der in Witten lebenden und/oder geborenen  Bildhauer an den jeweiligen Ausstellungsorten eingegangen werden.  
Im Märkischen Museum sind Werke von Harald Kahl und Christiane Schliecker-Erdmann zu sehen. Grund- und Ausgangsform bei Kahl ist der Kubus, eine Form, die für ihn Ruhe und Meditation ausstrahlt. Wichtig sind ihm die Symmetrie, die Ausgewogenheit aller Teile sowie die Stimmigkeit der Verhältnisse von Kanten zu Flächen. Die Form ist auf das Wesentliche reduziert. Reduktion und Konzentration auf die Grundelemente der plastischen Gestaltung. Konkrete Kunst, nichts Symbolisches, keine formalen Fantasien, eher Ergebnisse von Experimenten zur Formfindung. Während frühere Arbeiten aus Ruhrsandstein oder Stahl glatte anonymisierte Oberflächen aufweisen, findet man jetzt auch eher grob gelassene Stücke (gespaltener Granit) oder geformte Betonelemente, die eingefärbt sind. Ein Versuch des Bildhauers, den Plastiken das Eigene und Unverwechselbare zu geben.
Das künstlerische Medium von Christiane Schliecker-Erdmann ist Papier, das sie nicht nur als Fläche zum Bemalen verarbeitet, sondern auch zerknüllt, zerknautscht, zerreißt, kocht und wässert und die so zerstörten Strukturen wieder zusammenklebt, bündelt und verkettet und zu neuen Formen komponiert. Das Material Papier erhält dadurch eine neue Wertigkeit. Inhaltliche Grundlage ihrer Arbeiten ist »die Natur mit ihrem Verwandlungsprozess, als deren Teil ich mich erlebe«. Die neuen Arbeiten aus Transparentpapier bilden ausgehend von der Fläche instabile ›vorläufige‹ nicht festgeplante, aber auch nicht dem Zufall überlassene Bodenskulpturen. Das geformte Papier fügt sich in den Raum ein und betont diesen. Dabei nehmen der Umraum und der die Papierskulptur umgebende ›Luftraum‹ auch einen wichtigen Platz ein.
In der lichtdurchfluteten  Eingangshalle des Gebäudes der Stadtwerke präsentieren drei weitere Künstler ihre Arbeiten. Der menschliche Körper, die Figur ist das Hauptthema von Bettina Thierig. Wichtig ist ihr dabei eine Gleichzeitigkeit von Schwere und Leichtigkeit. Ihre Figuren sind voluminös, lasten aber niemals schwer. Über die Erkennbarkeit der Figur hinaus, legt die Künstlerin Wert auf eine stringente Abfolge von Formen, die von allen Ansichtsseiten abwechslungsreich sind und die eine eigene Schlüssigkeit haben. Bettina Thierig verwendet unterschiedlichste Materialien. Die kleineren Skulpturen sind vorwiegend in Stein oder auch in Bronze gearbeitet. In den letzten Jahren entstanden darüber hinaus überlebensgroße Figuren aus Holz, mit der Motorsäge gesägt. Ihre Figuren sind zurückhaltend im Gestus und fordern eher durch ihre starke Präsenz zu einem Dialog mit der eigenen Körperlichkeit auf. Ornamentale Strukturen oder farbige Akzente bei den Steinskulpturen konkurrieren mit der Form und machen auf die Gleichzeitigkeit von Wesenhaftigkeit und Dinghaftigkeit der Figur aufmerksam.
Auf eine ganz andere Weise beschäftigt sich auch der Künstler Wolfgang Schmidt mit dem menschlichen Körper. Ein Kopf, ein reduzierter, armloser Körper, der Rest Beine, so imponieren die abstrahierten, schmalen, langgestreckten menschlichen Figuren. Sie hängen einzeln oder in Gruppen an der Wand oder ›bevölkern‹ den Raum. Minimalistisch und auf den ersten Blick uniform. Dennoch, keine Figur gleicht der anderen, sie sind nicht nach einer Schablone geschnitten und so tritt jede einzelne aus der Anonymität einer Masse heraus. Ein Kernthema des Künstlers, das Verhältnis von Individuum und Masse. Übrigens sind zu dem Thema ›Ruhr-Figur‹ 100 Edelstahl-Figuren (2,50m hoch) quer durch das  Ruhrgebiet über die Ost-West-Achse so verteilt, dass sie, aus sehr großer Höhe betrachtet (z.B. mit Google Earth), die Konturen der Grundfigur ergeben und so eine Verbindung über die Stadtgrenzen hinaus bilden.  
Geradezu kontrapunktisch zu diesen beiden Künstlern installiert Klaus Schröder seine Bodenskulptur aus Pappelholz im Raum. Waren frühere Arbeiten eher reliefartige Tafelobjekte, angesiedelt im Grenzbereich von Fläche und Raum, sind neuere Arbeiten wesentlich größer dimensioniert und aus-schließlich mit der Kettensäge gearbeitet. Die neue Bodenskulptur, besteht aus 35 Quadern, angeordnet auf einer Gesamtfläche von ca. 10 qm zu 5x7. Ausgehend von Blöcken 40x40 cm in der ersten Reihe steigen die nachfolgenden geringfügig in der Höhe an, so dass ein Bewegungsablauf, bezogen auf den Raum der unmittelbaren Umgebung, entsteht. Die Skulptur weist stärkere Bearbeitungsspuren und eine ›grobe‹ Oberfläche auf. Das Holz aber behält weitgehend seinen natürlichen Charakter. Hier wird nicht gehobelt und geglättet. Das Ergebnis ist eine Skulptur, die ein ausgewogenes Verhältnis von Ruhe und Bewegung ausstrahlt. Groß, massiv und wuchtig, aber nicht plump steht sie im Raum, markiert diesen und beherrscht so den Standort.

Termine zur Ausstellung ›Sehenswert – Skulpturen in Witten‹
19.06. Eröffnung, 16:00 Stadtwerke Witten, 17:00 Märkisches Museum Witten
25.06. Wittener Kunstgespräch zum Thema: ›Kunst im öffentlichen Raum Witten‹
03./04.07. Atelier Wasserwerk an der Ruhrbrücke
09.07. Stadtführung  zu den Skulpturen in Witten
16.07. Fahrradtour zu den Skulpturen in Witten
25.07. Finissage der Ausstellung

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