Wittener Künstlerin malte das Gitarren-Männchen
Vor 50 Jahren entwarf Irmgard Kolsch-Krüger das Logo vom Folk Club
Vor einem halben Jahrhundert war Witten ein Eldorado der internationalen Folkmusik. Der 1974 gegründete Folk Club hatte in der Engelsburg und später in der ›Alten Zeit‹ großen Zuspruch bekommen, sowohl von Zuhörern als auch von Musikern. Teilweise machten diese hier ihre ersten musikalischen Gehversuche – um nur Stefan Stoppok und Herbert Grönemeyer zu nennen.
Nach den publikumsintensiven Festivals von 1975 bis 1978 auf dem Kahlen Plack und auf dem Hohenstein, die als ›Klein Woodstock‹ in die Annalen der Ruhrstadt eingingen, suchten die Verantwortlichen Hildegard Doebner und ihr Schwiegersohn Ulli Pütz nun nach einem visuellen Erkennungszeichen – also nach einem Club-Logo. Der Musiker Rüdiger Gies aus Gevelsberg erinnert sich: »Ich glaube, das Logo hatte damals die Künstlerin Frau Kolsch gemalt. Auf einer Geburtstagsfeier von ihr hatten einige Musiker ihr ein Ständchen gebracht. Da hatte sie es mir erzählt.« Gies war Mitglied im ›Ardey Quartett‹ mit Ulli Pütz. Die Combo war quasi die Hausband des Folkclubs. Auf Nachfrage der Redaktion bei ihrer Tochter Eva Ehlers-Kolsch bestätigte diese aus München: »Ja, unsere Mutter Irmgard hat das fröhliche Gitarren-Männchen entworfen. Es stand auf Plakaten und Handzetteln und es gab es auch als Autoaufkleber. Meine Schwester Ute spielte seinerzeit Geige in dem Trio ›Mixed Pickles‹ und hatte den Kontakt zum Folk Club geknüpft.«
In den 60er- und 70er-Jahren waren Strichmännchen als einprägsames Firmenzeichen beliebt: So gab es zum Beispiel das Esso-Männchen und das BP-Männchen. Auch die Biegefiguren der Firma Schleich wurden grafisch beworben. Vielleicht war die runde, rote Figur der ›M und M’s‹-Dragees eine kleine Inspiration für Irmgard Kolsch-Krüger gewesen. Immerhin ist der Kobold ein freundlicher Typ, der sich seine Gitarre unter den Arm geklemmt hat und losläuft. Der runde Kreis könnte zusätzlich ein Hinweis auf eine Schallplatte sein – eine weitere Anspielung auf volksnahe Musik.
Irmgard Kolsch-Krüger (1926–2009) hat in ihrem Leben eigentlich alles Erdenkliche erschaffen: Zeichnungen, Malereien, Skulpturen und vor allem Holzschnitte. Besonders bekannt wurde sie in Witten durch ihre Arbeiten in der St.-Vinzenz-Kirche an der Rüdinghauser Straße. 1965 wurde dort ein 12-teiliger Kreuzweg von ihr installiert, zehn Jahre später entstand die Orgelwand mit neun Holz-Druckstöcken. »Meine Mutter Irmgard war ein Arbeitstier, sie war ständig erfinderisch und extrem kreativ«, erzählt Eva Ehlers-Kolsch. »Irmi hatte kein Atelier, sie schnitt Bilder in Lindenholz und zog die Drucke selbst ab. Der Mensch mit all seinen Befindlichkeiten war ihr großes Thema.« Musikalisch war sie aber auch. In der Vinzenz-Kirche spielte sie oft stundenlang Orgel, während ihre jüngste Tochter Beate die Partituren umblättern durfte. Zu Hause ertönte allerdings die Quetschkommode als Tasteninstrument.
Die Ex-Wittenerin Eva Ehlers-Kolsch hat (natürlich) die künstlerische Ader von ihrer Mutter geerbt. Sie ist ebenso kreativ-aktiv, wohnt in München und hat ihr Atelier in Herrsching am schönen Ammersee. Zurzeit arbeitet sie den riesigen Nachlass ihrer Mutter auf. Insgesamt 20 Zeichnungen, Grafiken und Holzschnitte ihrer Mutter überreichte sie bereits im September 2022 an den Leiter des Märkischen Museums Christoph Kohl. Dieser freute sich riesig über die Schenkung, erweitern die Werke doch die Sammlung von Künstlerinnen aus der Ruhrstadt. Außerdem bemerkenswert: Das Museum befindet sich in der Husemannstraße in direkter Nachbarschaft zum alten Wohnsitz der Familie Kolsch-Krüger, in dem viele dieser Bilder entstanden sind.
Zurück zu Rüdiger ›Rudi‹ Gies. Jahrelang war der talentierte Saitenzauberer mit klassischer Laute oder knackelndem Banjo und den Gruppen ›Halden 5‹ bzw. ›DreckPäck‹ in Deutschland unterwegs und hat sich nun mehr auf das Schreiben verlegt: ›Vom Verschwinden und Bleiben‹ heißt sein Buch, das dieses Jahr im Verlag BoD erschienen ist. Für ihn ist klar: »Ohne den Folk Club Witten wäre mein Leben bestimmt anders verlaufen.«
Möglicherweise wäre das Leben des Folk Clubs ohne sein einprägsames Logo auch anders verlaufen. Wer weiß?!
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