Stadtmagazin Witten: Sport und Freizeit

Interview auf der Ruhr

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In einem Boot mit dem Ruder-Club Witten e. V.

Goldene Sonnenstrahlen flirren über die Wasseroberfläche. Steuerbord voraus lässt sich eine Schwanenfamilie wie in Zeitlupe von der Strömung treiben. Das Plätschern der Wellen ist das einzige Geräusch weit und breit. Mitten auf der Ruhr zwischen grünen Hügeln und tiefem Blau scheint die Welt für einen kurzen Augenblick den Atem anzuhalten. Dann nähert sich aus der Ferne ein Ruderboot …

»Am schnellsten ist man in diesem einen Moment«

In einem kraftvollen Rhythmus tauchen die Ruderblätter ins Wasser ein. Und schon schießt der Achter an uns vorbei. Die Besatzung ist ganz auf die synchrone Ausführung ihrer Bewegungen fokussiert. Niemand kümmert sich um unser ›Presseboot‹, das mit angehaltenem Motor in den Wellen dümpelt, oder um die Schwäne, die sich unauffällig aus dem Staub machen. »Bei diesem Sport geht es eben nicht nur um stumpfes Vorwärtskommen«, erklärt Marcel van Delden, Vorsitzender des Ruder-Clubs Witten e. V., der unseren Ortstermin auf der Ruhr als Experte begleitet. »Die erforderliche Technik wird oft unterschätzt. Man muss das schmale Rennboot gut ausbalancieren. Zwischen den Zügen dürfen die Blätter das Wasser nicht berühren. Am schnellsten ist man in diesem einen Moment: wenn die Ruder frei in der Luft schweben. Dann kann ein Achter im Sprint 25 bis 30 km/h erreichen.«

Bis zu vierzehn Trainingseinheiten pro Woche

Der 36-Jährige spricht aus Erfahrung: 2010 startete er bei der U23-WM in Weißrussland für die niederländische Nationalmannschaft. Von 2011 bis 2023 ruderte er in der deutschen Bundesliga, davon sechs Jahre als Teamkapitän. Der Wittener ist nur einer von vielen Top-Athleten, die der Club seit seiner Gründung 1892 hervorgebracht hat. Entsprechend lang ist die Liste der Medaillen, die bis hin zu Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen reicht. Das Geheimnis hinter dem Erfolg: Teamgeist und ein hartes Trainingsprogramm. Leistungsruderinnen und -ruderer absolvieren in den Hochphasen bis zu vierzehn Trainingseinheiten pro Woche. Zu Wasser und an Land, im vereinseigenen Kraftraum, bereiten sich die jungen Männer und Frauen auf ihre Wettkämpfe vor. »Unsere Spitzensportler kommen auf rund 5.000 gefahrene Kilometer im Jahr«, verrät Marcel van Delden.

»Wir wurden sogar von der Schule freigestellt«

Aber auch Freizeitsportler, die das Rudern in der freien Natur lieben, kommen beim RCW auf ihre Kosten. Zu ihnen gehört der stellvertretende Vorsitzende Bernd Andree, der bei unserer heutigen Recherchetour das Steuer übernimmt und unser Bötchen souverän in den Sonnenuntergang lenkt. Wie wir erfahren, hat er den Wassersport bereits vor über 50 Jahren als 12-Jähriger für sich entdeckt. »Schon damals gab es am Ruhrgymnasium Witten eine Ruder-AG«, erzählt er. »Wir wurden sogar von der Schule freigestellt, um für Rennen zu trainieren.« Eine Regelung, die sich auszahlte: Mit seiner Mannschaft errang Bernd Andree als Jugendlicher den deutschen Vizemeistertitel. Inzwischen rudert er lieber gemütlich zum Zeitvertreib – wenn er nicht gerade neugierige Reporterinnen in Motorbooten spazieren fährt.

Zwischen Eisvögeln und Silberreihern

Für entspannte Ausfahrten nach Feierabend bietet das Vereinsgelände des RCW am sogenannten ›Mühlengraben‹, einem toten Arm der Ruhr unterhalb des Hohensteins, den idealen Ausgangspunkt. Der naturnahe Abschnitt wird nicht von Schiffen durchquert. Umso größer ist die Vielfalt an Wasservögeln, die man hier mit etwas Glück sichten kann: Uferschwalben, Haubentaucher und Blesshühner sind in der Gegend ebenso zu Hause wie elegante Silberreiher, die in Ufernähe nach Fröschen Ausschau halten, oder Eisvögel, die wie der Blitz durch die Lüfte jagen. Hoch oben auf dem Hang des Hohensteins thront das Bergerdenkmal – ein Bild mit Postkartenqualität.

»Man muss es erleben«

Der Mühlengraben mündet hinter dem Wasserkraftwerk Hohenstein in die Ruhr, die im Westen vom alten Eisenbahn-Viadukt überspannt wird. Von hier kann man auf einer malerischen Flussroute bis zum Harkortsee in Wetter gelangen. Motoren müssen jedoch ausbleiben, da es sich um ein Naturschutzgebiet handelt. »Beim Rudern beobachten wir manchmal sogar Kühe, die am Ufer ihren Durst stillen«, berichtet Marcel van Delden. »Es ist wirklich idyllisch.« Die komplette Etappe – einmal zum See und wieder zurück – beträgt insgesamt rund fünfzehn Kilometer. Laut Bernd Andree die perfekte Distanz für eine etwa 1,5-stündige Trainingsfahrt. »Am schönsten ist es früh morgens oder nach Feierabend«, schwärmt er. »Wenn das Ruderboot ruhig durch die Wellen gleitet und du nur das Wasser gegen die Bootswand schwappen hörst – das hat was! Das kann man kaum beschreiben, man muss es erleben.«

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