Der Sound der Apokalypse
Gamma Rats bringen neues Album raus
So klingt das Ende der Welt: Die Gamma Rats aus Witten verknüpfen 8-Bit-Effekte und andere, von alten Videospielen inspirierte Retrosounds mit tanzbaren Melodien, treibenden Rhythmen und markantem Rockgesang. Es entsteht eine außergewöhnliche Mischung: der Cyberrock. Das neue, vierte Album ›Deep Moods‹ kommt zwar ein wenig härter und experimenteller daher als seine Vorgänger. Und doch bleibt das Dark Electro Duo seinem Erfolgsgeheimnis auch hier treu: 15 Tracks erschaffen eine düstere Atmosphäre und beschwören eine futuristische, oft apokalyptische Welt. Seit dem 1. März 2026 ist das Album auf allen üblichen Plattformen wie Bandcamp, iTunes oder Spotify verfügbar. Wir trafen die Projektgründerin und Sängerin Jaana Redflower zum Interview.
Viele kennen dich als Jaana Redflower: die Rockröhre mit der Gitarre und der roten Blume am Hut. Die Gamma Rats gehen musikalisch und ästhetisch in eine ganz andere Richtung. Wie bist du 2019 auf die Idee zu dem Projekt gekommen?
Tatsächlich sind die ersten Songs der Gamma Rats schon 2013 parallel zum ersten Album von Jaana Redflower entstanden. Die Wurzeln reichen sogar noch weiter zurück, bis ins Jahr 2002, als ich jedoch noch nicht die technischen Möglichkeiten für die Umsetzung elektronischer Musik hatte. Der dystopische Komplex hatte seinen Ursprung in meinen künstlerischen Projekten ›Gedankenkontrolle‹ und ›Gehirn im Glas‹. Die Kunst läuft hier, ebenso wie meine Literatur, immer im Hintergrund mit. Alle Projekte sind miteinander verwoben.
Beim Stichwort ›Electro‹ denkt man zuerst an synthetische Musik mit Computern und Samplern. Du spielst aber mehrere ›echte‹ Instrumente, dein Partner Adrian Klawitter ebenso. Welche Instrumente kommen bei den Gamma Rats zum Einsatz?
Gesang, E-Gitarre, Querflöte und E-Drums.
Du bist parallel als Autorin tätig. Euer drittes Album ›Digital Dots‹ (2024) wurde von einem Roman begleitet, in dem es um eine fiktive Droge geht … Gibt es auch zum neuen Album ›Deep Moods‹ eine Geschichte?
Das Album ist nicht ganz so eng an einer Geschichte orientiert, aber auch hier gibt es ein Konzept: Die Menschheit hat die Erde zerstört und soll ins All hinaus. Daher die kryptischen Titel ›M 42‹, ›Cygnus X-1‹ und ›Sagittarius A*‹, die Objekte im All benennen: den Orionnebel, das Schwarze Loch im Sternbild Schwan und das Schwarze Loch im Sternbild Schütze, welches das Zentrum unserer Galaxis ist. Dazu kommt die Anti-Hymne auf die Menschheit, ›Miranda, call for Help!‹, bei der die letzten Menschen in Rettungskapseln geflüchtet sind. Das Signal bricht ab, Miranda bekommt keinen Kontakt mehr zu den anderen und fürchtet nun, der letzte Mensch in der Geschichte der Zeit zu sein.
Wer oder was in dem von dir erdachten Universum sind die Gamma Rats?
Es handelt sich um zwei Pixelratten, die auch auf dem zweiten Album-Cover ›Gamma Rats - Gamma Rats‹ abgebildet sind (dem einzigen in physischer Form erschienenen Album). Pixel und Voxel, so ihre Namen, haben auch Cameo-Auftritte in dem Roman zu ›Digital Dots‹.
Wenn man sich in der realen Welt umschaut, könnte man meinen, dass dystopische Fantasien immer häufiger Wirklichkeit werden. Wie geht es dir damit?
Tatsächlich muss ich jetzt mal zwischendurch an einem etwas fantastischeren Roman arbeiten, um ein bisschen Abstand zu bekommen.
Und wie ordnest du deine Kunst vor diesem Hintergrund ein? Ist deine Musik eher zum Abtauchen gedacht, oder transportieren die Songs auch eine politische Botschaft?
Die Songs sind auch gesellschaftskritisch. Unsere zweite Single ›F*** the System‹, die im Mai erschienen ist, enthält z.B. im Abspann Fotos vom Bochumer Graffito ›Nie wieder Faschismus‹. Ich habe es aber auch gerne, wenn die Menschen sich in Trance tanzen und so wieder zu ihrer inneren Mitte finden.
Wann und wo kann man euch live sehen?
Voraussichtlich bei der Metropolcon/Eurocon in Berlin, die vom 2. bis 5. Juli im Silentgreen Kulturquartier stattfindet. Der genaue Termin steht noch nicht fest.
diese Seite auf Facebook teilen0
