Stadtmagazin Witten: Dies und Das

Die Herrin der Bienen

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Im Gespräch mit einer Imkerin

Zu Besuch im LehrBienenZentrum auf dem Hohenstein: Noch wirkt das Grundstück wie verzaubert. Doch im Inneren der Bienenstöcke hat die Arbeit längst begonnen. Schon bald werden die ersten Sommerbienen schlüpfen und auf der Suche nach Pollen und Nektar über die Wiesen schwärmen.

Summen im Ohr

»Das Wintervolk umfasst bis zu 10.000 Individuen, die ihre Königin füttern und warmhalten«, erklärt die ›Herrin der Bienen‹, Hela Mikkin. »Im Sommer leben dann sogar bis zu 50.000 Bienen in einem Stock.« Seit 20 Jahren engagiert sich die Hobbyimkerin als Vorsitzende im Kreisimkereiverein Ruhrgebiet Witten e.V.: Mit anderen Ehrenamtlichen hält sie das LehrBienenZentrum auf dem Hohenstein in Schuss, organisiert Kurse, Vorträge, Sprechstunden und Feste, begleitet Besuche von Kita-Gruppen oder Schulklassen und pflegt den Kontakt zu benachbarten Vereinen wie der Wittener Jägerschaft. Die 86-Jährige ist mit einem Summen im Ohr aufgewachsen: »Schon mein Großvater war Imker, ebenso der Großvater meines Lebensgefährten, wie es damals unter Landwirten üblich war«, erinnert sie sich.« Im Winter 1992 absolvierte sie gemeinsam mit ihrem Mann die Imkerausbildung. Und schon im Frühling 1993 zogen die ersten Honigbienen im Garten der Familie in Herdecke ein.

Honigbienen könnten allein nicht ­überleben

Wer heute von der Imkerei leben will, braucht bis zu 1.000 Völker. Der Beruf ist anspruchsvoll und zeitintensiv – und wird durch die Ausbreitung von Krankheiten bzw. invasiven Arten wie der Varroamilbe oder der asiatischen Hornisse zusätzlich erschwert. In Deutschland gibt es daher nur noch wenige, die diese Profession kommerziell ausüben. Dagegen betreuen Hobbyimkerinnen wie Hela Mikkin jeweils nur eine kleine Zahl von Bienenstöcken. Zusammen sind sie für das ökologische Gleichgewicht dennoch unersetzlich. Denn Tatsache ist: Honigbienen könnten aufgrund der verschlechterten Umweltbedingungen allein – das heißt ohne menschliche Hilfe – nicht überleben. Zugleich sind aber auch wir Menschen auf die kleinen Nützlinge angewiesen. Bei der Bestäubungsleistung übertreffen Honigbienen sogar ihre wilden Artgenossen – sie befruchten 80 Prozent aller Pflanzen! »Damit stehen sie auf der Rangliste der wichtigsten Nutztiere auf Platz drei – gleich hinter Rindern und Schweinen.«

Auf Tuchfühlung

Solche und andere spannende Fakten lernen Kinder, Eltern und Lehrpersonen bei den Führungen und Veranstaltungen, die auf dem Gelände des LehrBienenZentrums stattfinden. Die Schautafeln an der Fassade sind zwar schon etwas in die Jahre gekommen, doch sie leisten bei der Veranschaulichung des Themas immer noch gute Dienste. »Nach der Führung gehen wir zu den Bienenstöcken«, berichtet Hela Mikkin. »Die Kids können reingucken, die Waben anfassen und sogar ihre Hände auf die Bienen legen und die Wärme der Tiere spüren.« Doch halt, stopp – ist das nicht gefährlich? »Wer Angst hat, kriegt einen Schleier, aber das ist eigentlich gar nicht nötig«, erklärt die Imkerin mit einem Lächeln. »Unsere Bienen sind ganz friedlich. Sie zu berühren, ist für die meisten Kinder eine einzigartige Erfahrung. Sie sind dann immer ganz still – nicht nur, weil wir sie bitten, den Mund zur Sicherheit geschlossen zu halten. Es ist sehr entspannend, dem Volk zuzusehen und es summen zu hören. Am Ende gibt es eine Honig-Kostprobe für alle!«

Wenn es regnet, haben Bienen keine Chance

Die zwanzig ›Versuchsvölker‹ auf dem Hohenstein gehören den Bienenwissenschaftlern Dr. Pia Aumeier und Dr. Gerhard Liebig, die als wahre Ikonen ihres Fachs gelten. »Wir vom Verein schauen ab und an nach dem Rechten und dürfen auch den Honig ernten«, so Hela Mikkin. In der Regel bringt das Jahr zwei bis maximal drei Ernten hervor: zuerst im Mai und dann noch mal im Juli oder August. Die Ausbeute variiert je nach Wetter und Blütezeiten. In einer guten Saison können schon mal 30 Kilo pro Volk und Durchgang geschleudert werden. »Die Zeiten, in denen wir bis zu achtzig Kilo Honig auf einmal gewonnen haben, sind aber leider vorbei«, bedauert Hela Mikkin. Neben der Zunahme von Krankheiten und Fressfeinden wirken sich auch die durch den Klimawandel begünstigen Regenphasen negativ auf die Erträge aus. »Wenn es regnet, haben Bienen auf der Suche nach Nektar und Pollen keine Chance – ein Tropfen genügt, um sie abstürzen zu lassen.« Hinzu kommt die schrumpfende Biodiversität.

»Solange es uns Imker gibt, gibt es auch Honigbienen!«

Die gute Nachricht: Wer die ›Majas‹ und andere Insekten vor seiner Haustür retten will, kann noch heute damit anfangen. Heimische Wildblumen und Kräuter stellen sicher, dass der Tisch für die Tierchen stets reich gedeckt ist. Der Garten des LehrBienenZentrums auf dem Hohenstein zeigt, wie eine bunte Vielfalt das Leben anlockt. Schon bald werden die Bienen hier wieder emsig von Blüte zu Blüte schwirren – ein Bild, das nicht nur kleine Gäste staunen lässt. Denn vieles, was für unsere Großeltern selbstverständlich war, gerät heute zunehmend in Vergessenheit. Hela Mikkin will nicht nur Honig ernten, sie will die Menschen informieren – selbst wenn das bedeutet, dass sie noch im hohen Alter ihren eigenen Honig schleudert, Gruppen über das Grundstück führt und um Nachwuchs wirbt. »Solange es uns Imker gibt, gibt es auch Honigbienen! Und Bienen sind faszinierende Geschöpfe, nicht nur, weil sie die Pflanzen bestäuben und Honig produzieren: Ihr Zusammenleben im Bienenstock ist perfekt geregelt. Von dieser sozialen Komponente können wir Menschen viel lernen!«

Termintipp

Frühlingserwachen am LehrBienenZentrum
Familienfest mit Hüpfburg, Kinderschminken, Tombola, Blick ins Bienenvolk u.v.m.
03.05. von 10–16 Uhr

Weitere Infos und Veranstaltungen:
www.kiv-ruhrgebiet.de/lehrbienenzentrum
Das LehrBienenZentrum ist sonn- und feiertags von 10–16 Uhr für Besucher geöffnet.

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