Industrie und Handwerk in ganz neuer Sicht
Ausstellung ›IndustrieART-EN‹ bietet Einblicke in regionale Unternehmen
Lässt sich Kunst mit der industriellen Gegenwart verbinden? Wie kann es gelingen, Unternehmen mit ihrer Technologie und ihren Mitarbeitenden durch die kreative Handschrift von Künstlern emotional sichtbar zu machen? Diese Fragen haben sich Fotokünstler Philip Ian Pearce, Bildhauer Vasilij Plotnikov und Fotograf und Webdesigner Achim Brodde gestellt. Mit ihrer Ausstellung ›IndustrieART-EN‹ liefert das Trio außergewöhnliche Antworten, die ab dem 30. Mai im LWL Museum Zeche Nachtigall zu sehen sind.
Stolze Relikte der Industrialisierung
»Industriekunst im Ruhrgebiet und damit auch im Ennepe-Ruhr-Kreis ist für viele eine Kunstausprägung, die stillgelegte Anlagen einer vergangenen Epoche in den Fokus nimmt. In Fotografien, gemalten Bildern, Skulpturen oder Installationen finden sich stolze Relikte der Industrialisierung wieder«, so Landrat Jan-Christoph Schaberick in seiner Rolle als Schirmherr der Ausstellung. »Philip Ian Pearce, Vasilij Plotnikov und Achim Brodde haben diesen Ansatz aktualisiert, hinter die Tore von aktiven Unternehmen in Witten, Breckerfeld, Hattingen und Schwelm geschaut und interpretieren damit Industrie, Tradition, Innovation und Handwerkskunst auf eine ganz neue Weise.«
Rückblicke, Einblicke, Ausblicke
Die Künstler waren zum einen bei Traditionsunternehmen, die mit ihren Mitarbeitenden den Strukturwandel erfolgreich gemeistert haben. Zum anderen waren sie bei Firmen, die erst später ihren Platz in der Industriewelt eingenommen haben. Im Einzelnen waren dies die J.D. Neuhaus Group, Lohmann Stahl, Düchting Pumpen und Feller Yachting aus Witten, sowie HaFu Werkzeuge aus Breckerfeld, FCMD Maschinenbau aus Hattingen und die Schwelmer Anlagentechnik. »Wir sind den sieben Unternehmen sehr dankbar dafür, dass sie uns ihre Tore geöffnet haben. Zwei Jahre lang war es uns möglich, Menschen bei der Arbeit oder auch technische Perspektiven festzuhalten. Die daraus entstandenen Kunstwerke und Skulpturen liefern eine Vielzahl von besonderen Blicken auf unsere industrielle Gegenwart und Zukunft. Dies ist genau die Ergänzung zu den bisher häufig gemachten Rückblicken und Einblicken auf stillgelegte Industrieanlagen der Region, die wir uns vorgestellt haben«, macht Philip Ian Pearce stellvertretend für das Künstlertrio deutlich.
Grandiose Resonanz
Alle Beteiligten hoffen, mit ihrem ungewöhnlichen Angebot hinter die Tore einiger Unternehmen schauen lassen zu können, aber auch auf interessierte Resonanzen zu stoßen. Insbesondere natürlich bei den Menschen aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis, in deren Lebensumfeld und Nachbarschaft die Firmen zu Hause sind und produzieren. Wobei die Resonanz bereits grandios war, denn die Ausstellung war schon von Oktober bis Januar im Museum Haus Kemnade in Hattingen zu sehen und wurde begeistert angenommen. Noch bis Mitte Mai ist sie auch im Stadtmuseum Schwelm Haus Martfeld zugänglich. Ab dem 30. Mai dürfen wir uns jetzt auch in Witten auf die außergewöhnlichen Einblicke in die Arbeitswelt in unserer Region freuen.
Tipp: Die Vernissage im LWL Museum der Zeche Nachtigall findet am Samstag, 30. Mai, um 14 Uhr statt und steht allen Interessierten offen. Ab Sonntag, dem 31. Mai, kann die Ausstellung zu den Öffnungszeiten des Museums besucht werden. Schauen Sie mit den Augen eines Künstlers hinter die Tore von Unternehmen aus dem Revier und erleben Sie eine ungewöhnliche Interpretation von Industrie, Tradition, Innovation und Handwerkskunst!
Blick auf die Künstler
Der in England geborene und in Witten lebende Fotograf Philip Ian Pearce beschäftigt sich seit den 80er-Jahren mit der Fotografie. Seine künstlerischen Arbeiten, beeinflusst durch Pop-Art und abstrakten Expressionismus, skizzieren seine Auseinandersetzung mit gesellschaftlichem Strukturwandel durch seinen einzigartigen Stil des analytischen Expressionismus. Seine emotive Interpretation von Industrie, Technik und Arbeit lädt den Betrachter ein, über offensichtliche Themen hinaus zu sehen und neue emotionale Bedeutungen in seiner zukunftsorientierten Kunst zu entdecken – im Rahmen der Ausstellung in mehr als 60 teils großformatigen Fotokunstwerken.
Der gebürtig aus Sotchi stammende Bildhauer Vasilij Plotnikov hat seit Anfang der 90er-Jahre seinen Lebens- und Schaffensmittelpunkt in der Oberpfalz. Seine künstlerische Ausbildung zum Bildhauer absolvierte er an der Fachschule für Technik und Gestaltung in Flensburg (vorm. Werkkunstschule Flensburg) und ist seit 2004 als freischaffender Bildhauer regional und überregional erfolgreich tätig. Vasilij Plotnikov arbeitet insbesondere mit naturnahen Werkstoffen wie Holz, Bronze und Stahl – aber auch aus keramischen Werkstoffen gestaltet er Skulpturen und Installationen.
Achim Brodde lebt in Witten. Er studierte zunächst Experimentalphysik, wobei die Fotografie seit seiner Jugend eine ständige Begleiterin in seinem Leben war. Heute zählen die Fotografie-Genres Portrait und Bodypainting zu seinen Schwerpunkten. Seit einigen Jahren nehmen die Digitalisierung und das Webdesign einen immer breiteren Raum in seinem künstlerischen Schaffen ein. Achim Brodde nutzt die leichte Zugänglichkeit des Internets, um Kunst im virtuellen Raum erlebbar zu machen. Als Dritter im Bunde des Trios hat er die Online-Präsentation des Kunstprojektes ›IndustrieART-EN‹ umgesetzt. Für alle Interessierten eine gute Gelegenheit, vor dem Besuch der Ausstellung Eindrücke zu gewinnen.
Ausstellung ›IndustrieART-EN‹
30. Mai bis 13. September
LWL-Museum Zeche Nachtigall
Jederzeit zu besuchen ist das Projekt online unter industrieart-en.de
Hier finden Sie alle Informationen zu dem Kunstprojekt und seinen Ausstellungsorten.
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