Mütze mit Pudel
Bei wem bommelt es wann und warum?
Winter oje, frieren tut weh … Aus gutem Grund schützen wir Schädel, Stirn und Ohren vor Schnee und eisigem Wind. Ob auf dem Weihnachtsmarkt, beim Spaziergang durchs Muttental oder an der Bushaltestelle … Überall treffen wir auf bemützte Menschen. Vor allem ein Kopfkleidungsstück fällt uns seit gefühlten Ewigkeiten im Winter Tag für Tag ins Auge: die Pudelmütze – der absolute Winterklassiker. Moment einmal: Pudel? Wir sind doch keine Vierbeiner. Aber warum trägt die von Menschen getragene Mütze diesen tierischen Namen? Das macht uns doch spontan neugierig.
Bommel & Plümmel
In der Tat: Der Name der Kopfbedeckung geht ursprünglich auf das knuffige Hündchen zurück und bezeichnet die Ähnlichkeit des selbst gestrickten Kopfschutzes mit dem krausen Haar eines Pudels, erfahren wir bei unseren Recherchen. Bereits seit dem 18. Jahrhundert findet sich der Begriff in zahlreichen Texten, Geschichten und Dokumenten. Es gibt aber auch so einige andere Bezeichnungen wie Bommel- oder Plümmelmütze, welche die kugelförmige Verzierung der Mütze zum Namensgeber machen.
Wichtiger Part der Militäruniform
Aber warum haben Mützen eigentlich einen runden Zipfel auf dem Dach? Schon stellt sich uns die nächste Frage mit ebenfalls äußerst interessanten Antworten. So soll das aus Wolle oder Seide gefertigte kugel- oder eiförmige Büschel weit wichtigere Eigenschaften haben als rein dekorative. Sie dienten vor rund 200 Jahren Soldaten aus unterschiedlichsten Ländern und Kompanien als sichtlich markantes Erkennungsmerkmal. Wie die Farbe der Uniformaufschläge an Ärmel oder Kragen zeigten auch Farbe und Form des Pompons (so der französische Name des Kügelchen), wer zu welchem Regiment oder welcher Kompanie gehörte.
Plüschiger Stoßdämpfer
Und auch in der Schifffahrt und Fischerei leisteten die Mützenaccessoires bedeutsame Hilfestellung: Weil die Deckenhöhe auf Schiffen in früheren Zeiten oft sehr knapp bemessen war, diente der Bommel ursprünglich als Stoßdämpfer, da sich die Seeleute unter Deck – insbesondere bei starkem Wellengang und stürmischem Wetter – oftmals den Kopf angestoßen haben. Obwohl die Räumlichkeiten auf Schiffen heute längst nicht mehr so niedrig und klein ausgerichtet sind, hat sich die Tradition bis heute erhalten. Die Bommelmütze gehört nach wie vor zur Erstausrüstung der Schiffsjungen in Seemannschulen und ist ein oft eingesetzter Ausrüstungsgegenstand bei Seeleuten und Fischern.
Glücksgarant mit Küsschenstrafe
Zurück zum Ursprungsland des Wortes Pompon: In Frankreich gab es interessanterweise einen charmanten Pudelmützen-Brauch. So sollte all denjenigen, denen es gelang, den Plümmel an der Mütze eines Matrosen zu berühren, ohne dass dieser es bemerkte, ein ganzer Tag lang Glück garantiert sein. Wurden sie allerdings bei dem Versuch ertappt, drohte insbesondere weiblichen Täterinnen eine massive Strafe: Sie mussten dem Seemann ein Küsschen gewähren! Nun, ob es an der glücksversprechenden Belohnung oder gruseligen Bestrafung liegt – dieser Brauch wird von so einigen Menschen nach wie vor mit Leidenschaft zelebriert.
Von weiß zu rot
Aller guten Dinge sind drei: Es gibt noch einen weiteren französischen Wissensfund. So erzählt eine Legende, dass Eugénie de Montijo – die Frau von Napoleon dem Dritten und letzte Kaiserin Frankreichs – Mitte des 19. Jahrhunderts während der Schiffführung anlässlich einer Brückeneinweihung einen furchteinflößenden Vorfall erlebte. Ein Matrose salutierte vor ihr und stieß sich dabei so heftig den Kopf an der Diele, dass er zu bluten begann. Aus Mitgefühl legte die Kaiserin ihm ihr weißes Taschentuch auf den Kopf, das sich gleich vom zarten Weiß in ein kräftiges Rot wandelte. Vielleicht war dies ja der Beginn der Erfindung des farbenfrohen Plümmels? Ganz genau wissen wir es leider nicht.
Wird Pudel zu Rentier?
Mittlerweile hat sich die Pudelmütze als Bekleidungsstück weit verbreitet – längst nicht nur bei Soldaten und Matrosen. Das kuschelige ›Head-Cover‹ gilt seit einiger Zeit in kühlen Zeiten als ausgesprochen cooles Modeaccessoire in unterschiedlichsten Farben und Mustern. Wobei uns zurzeit besonders häufig die weiße Variante ins Auge fällt: beim Weihnachtsmann mit seiner roten Mütze mit weißem Zipfel. Jetzt stellt sich uns aber zum Schluss doch noch eine Frage: Wieso trägt er eine Pudelmütze? Wäre er nicht besser mit einem Rentierhäubchen ausgestattet? Oder hält er vielleicht seine Schlittenpferde für oder als Hunde?
Wie dem auch sei …
… Tatsache ist, dass uns der Weihnachtsmann mit seinem Häubchen traumhaft festliche und fröhliche Stimmung schenkt. Und interessanterweise verspürt auch die Redakteurin jedes Mal, wenn sie sich ihr asbach-uraltes Pudelmützchen aufsetzt, mit Blick auf alte muntere Wintermomente in Kombination mit den skurrilen neuen Wissenserkenntnissen zu diesem Thema jede Menge Freude. ☺
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