Stadtmagazin Witten: Dies und Das

Kein Advent ohne Hexenhaus!

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Ein wichtiges Stück Familiengeschichte

Wenn die Tage draußen kürzer werden ist es Zeit für liebgewonnene Traditionen. Zeit für Adventsmärkte, Zeit fürs Plätzchenbacken, Zeit für Chaos: Im Wohnzimmer herrscht an diesem Vormittag ein quirliges Durcheinander. Raschelnd werden Tüten geöffnet und der Inhalt auf einem großen Teller verteilt. Auf dem großen Tisch stehen Schälchen mit frisch geschlagenem Eischnee bereit. Es ist Zeit für ein Ritual, das seit zwei Jahrzehnten zur Vorweihnachtszeit gehört: das gemeinsame Hexenhaus-Basteln.

Was 2005 mit zwei kleinen Kindern begann, ist längst zu einem festen Familientermin geworden, der Jahr für Jahr eingefordert wird – und zwar von allen. Das Patenkind, inzwischen 25 Jahre alt, zählt ebenso zu den Stammgästen wie die jüngeren Nichten und Neffen. »Ohne unser Hexenhaus ist es kein richtiger Advent«, heißt es schon beim Eintreffen. »Schön, dass wir uns alle wiedersehen.«

Den Anfang macht Julian. Mit seinen elf Jahren ist er heute der Jüngste, doch er nimmt die Rolle routiniert ein. Gemeinsam mit Tom und dessen Freundin Nele wartet er auf die übrigen … Kinder? Kurz darauf stehen Isabella und ihre beste Freundin Stella in der Tür. Die Gruppe für heute ist komplett – ausnahmsweise. Denn sechs (!) Häuslebauer fehlen tatsächlich.

Damit die Hexenhaus-Runde ohne Verzögerung starten kann, sind die Lebkuchenwände bereits vorbereitet – zusammengeklebt mit einem honig-karamellisierten ›Zuckermörtel‹, der die Konstruktion zuverlässig zusammenhält. Denn erfahrungsgemäß muss das Hexenhaus einiges aushalten.
Dann geht es los: Bunte Gummibärchen, Lebkuchenherzen, Schokokränze, Zuckerstangen und Schokolinsen – eine breite Auswahl, die die Kinderaugen glänzen lässt – kann verarbeitet werden. »Der Zaun aus Reiswaffeln gehört jedes Jahr dazu«, sagt Julian, während er die ersten Stücke platziert. Isabella greift zielstrebig zu den Schokokränzen: »Ohne die bunten Dachziegel geht gar nichts.«

Nach und nach nimmt das Hexenhäuschen Gestalt an. Stella legt sorgfältig einen Weg aus Schokolinsen für die kleinen Zuckerfiguren. Denn fehlen dürfen beim stilechten Hexenhäuschen selbstverständlich nicht die wichtigsten Personen: die Hexe, Hänsel und Gretel. Tom bastelt aus Mäusespeck einen Schornstein. Nele widmet sich mit ruhiger Hand ihrem Vorgarten aus Reiswaffeln. Und Julian verteilt – je nach Lust und Laune – nahezu jede verfügbare Süßigkeit irgendwo am Haus. Sein Vorgarten wirkt am Ende eher wie ein üppiges Schlaraffenland.

Während alle vertieft in ihrer ›süßen‹ Architektur sind, wird genascht. Viel. »Heute dürft ihr ausnahmsweise den ganzen Vormittag naschen«, heißt es mit einem Augenzwinkern. Ein Freifahrtschein, der gerne eingelöst wird: Eins aufs Dach, ein in den Mund …
»Ich bin gleich fertig«, tönt es aus allen Ecken. Tatsächlich zeigt ein Blick auf das Häuschen, dass trotz aller Begeisterung hier und da noch Lücken bleiben – ideale Stellen für weitere Leckereien.

Am Ende steht ein Hexenhaus, das mehr ist als ein Bastelprojekt. Es ist ein Stück Familiengeschichte, die mit jedem Jahr weitergeschrieben wird – bunt, chaotisch, zuckersüß und voller Geschichten, die mit jedem Häuschen ein bisschen lebendiger wird.

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