Stadtmagazin Witten: Historisch

Geschichte mit Schall und Rauch

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In diesem Jahr besteht der ›Heimat- und Geschichtsverein Bommern e. V.‹ nunmehr vier Jahrzehnte und ist damit bereits selbst ein Teil der Lokalhistorie rund um die Stadtteile Bommern und Bommerholz geworden. Doch nicht nur damit beschäftigen sich seine zahlreichen Mitglieder, denn hier ist vieles in Bewegung. Wir trafen uns mit den Vorstandsmitgliedern Sabine Laschat und Klaus Wiegand zum Gespräch, in dem es auch darum ging, was ihre Institution mit Gesang und Tabak verbindet.

Früher wurde hier ›abgeräumt‹

Die Hausnummer 47 am Bodenborn beherbergt nicht nur die Filiale einer Bank und eine Senioren-WG, sondern auch das ›Domizil‹ eines besonderen Vereins. Wer die im Untergeschoss angesiedelten Räumlichkeiten nicht kennt, wundert sich zunächst darüber, dass der Raum relativ schmal und lang ist, sowie über eine Bedienkonsole an der Wand, die über neun rautenförmig angeordnete Knöpfe verfügt. »Das ist die Kegelbahn der ehemaligen Gaststätte ›Zur Krone‹«, erklärt der 1. Vorsitzende. Diese wurde im Jahr 2011 bezogen und für den Verein umgebaut. »Bis vor zwei Jahren haben wir uns den Raum mit der Arbeiterwohlfahrt geteilt«, ergänzt er. »Wir sind der Siedlungsgesellschaft Witten Mitte für diese Möglichkeit sehr dankbar.« Die Geschichte um einen eher kurzfristig umgesetzten Umzug in die Räumlichkeiten muss nicht neu erzählt werden, denn unser Gesprächspartner hat sie bereits vor zehn Jahren aufgeschrieben und in einer der vereinseigenen Schriften für die Ewigkeit festgehalten.

Tabakanbau in Bommern

Die ›Bommeraner Blätter‹ erscheinen einmal jährlich, zuletzt in Form von Monatskalendern, in denen historische Ansichten aus der Umgebung mit fundierten, informativen Texten aus der Feder des 1. Vorsitzenden versehen sind. Dabei fördert die Arbeit auch Unerwartetes zutage. Bei der Recherche für einen Kalender der vergangenen Jahre entdeckte Klaus Wiegand, dass vor über 100 Jahren am Bodenborn Tabak angebaut wurde. »Beim Besuch einer Villa stieß ich auf ein Foto aus dem Jahr 1901, das vor dem Haus einen Bediensteten und eine große Tabakpflanze zeigt, die er dort angepflanzt und gepflegt hatte.«

Publikationen und große Gemeinschaft

Während des Gespräches kommen immer wieder Mitglieder des Vereins herein, um ›ihren‹ Kalender abzuholen. »Jedes Mitglied erhält kostenlos eine Ausgabe. Viele holen sie hier direkt ab. Dabei kommt es zu schönen Gesprächen und Begegnungen«, meint Sabine Laschat. Einige der etwa 250 Mitglieder können leider nicht mehr selbst vorbeischauen – der Altersdurchschnitt liege zwischen 70 und 80 Jahren. »Wir bringen die Kalender zu den Menschen nach Hause – Hausbesuche, sozusagen«, erklärt Wiegand. Die Begegnungen und »in Gesellschaft« zu sein, mache einen Großteil der Vereinsarbeit aus.

Singen, Fahren, Wandern

Bereits seit vielen Jahren finden monatliche Veranstaltungen statt, die darauf ausgerichtet sind, ein Gemeinschaftsgefühl aufrechtzuerhalten. Neben einem Singekreis, der monatlich im gegenüberliegenden evangelischen Gemeindehaus stattfindet, organisiert der Verein zahlreiche Wanderungen sowie Studienfahrten in einem Umkreis von bis zu 200 Kilometern. So sind für das laufende Jahr zehn dieser Fahrten geplant, bei denen es beispielsweise nach Oberhausen, Bad Driburg, Kevelaer, Fritzlar, Höxter und auch in die Niederlande gehen soll. »Der Reisebus ist mit 54 Plätzen immer voll besetzt, und wir haben sogar eine Warteliste«, erläutert die 1. Schriftführerin. »Die Anmeldung erfolgt ausschließlich telefonisch. Das ist für unsere Zielgruppe – 60+ – am einfachsten. Überwiegend nehmen Frauen an den Fahrten teil, und Gäste sind immer willkommen.« Die Kosten, die bei den Fahrten entstehen, werden auf die Teilnehmenden umgelegt und gestalten sich somit meist preisgünstig.

Beginn auf Nachtigall

Was einst vor Jahrzehnten mit einer Gründungsversammlung auf der Zeche Nachtigall begann und sich über viele Jahre zu einer versteckten Größe in der Seniorenarbeit entwickelt hat, soll in diesem Jahr mit einer Jubiläumsfeier und einer eigens herausgegebenen Festschrift zelebriert werden. Zusammen mit Klaus Wiegand gibt es noch sechs Gründungsmitglieder im Verein, die den Ehrentag gebührend feiern wollen. Wir gratulieren!

Kontakt:

Heimat- und Geschichtsverein Bommern e. V.
Vorsitzender: Klaus Wiegand
Tel. 02 30 2 / 3 24 56
E-Mail: k_wiegand [at] web.de
www.hgv-bommern.de

Das ›Domizil‹ des Vereins, bestehend aus Archiv und Besucherraum, befindet sich am Bodenborn 47, zugänglich über die Straße Kreuzstück, und ist jeden Donnerstag von 10–12 Uhr geöffnet, außer an Feiertagen.

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