Stadtmagazin Witten: Junge Familie

Einfach unfassbar!

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Kaliforniens schnellste Meisterdiebin Lucy Longfinger kommt aus Witten

Lucy Longfinger ist kein normales Mädchen. Nach der Schule geht die schnellste Diebin Kaliforniens auf Beutezug. Als wäre das nicht unfassbar und aufregend genug, werden ihre Eltern auch noch von verfeindeten Gangstern gekidnappt, und es bleibt nicht viel Zeit für einen Rettungsplan …

Von fiesen Verbrechern und Fluchttunneln

Mit der ›Lucy Longfinger‹-Trilogie hat die Wittener Newcomer-Autorin Anja Habschick ein wunderbar buntes und vielschichtiges Universum für junge Leseratten ab zehn Jahren geschaffen. Hier gibt es wahrlich alles, was das Herz höherschlagen lässt, von einer geheimnisvollen alten Villa über sprechende Krähen und fiese Verbrecher bis hin zu Fluchttunneln unter der Stadt. 2021 erschien der erste von insgesamt drei Bänden über das taffe Gaunermädchen mit dem großen Herzen im Fischer KJB Verlag. Jetzt hat Band zwei der Geschichte den ›Goldenen Bücherpiraten‹ gewonnen. Das Besondere an diesem Kinderbuchpreis ist, dass er von denen vergeben wird, die es am besten beurteilen können: den jungen Leserinnen und Lesern.

Sympathisches Duo: Lucy und Toni

»Als Mutter zweier Töchter habe ich ein Faible für starke Mädchen: Lucy ist eine Meisterdiebin, unheimlich mutig, schlau und sportlich – da sie Parcours macht, kann sie zur Not immer schnell verschwinden. Obwohl sie in eine Gangsterfamilie hineingeboren wurde, hat sie das Herz am rechten Fleck, sie ist beispielsweise sehr tierlieb und leidet innerlich darunter, dass sie aufgrund des alten Familienkodex keine Freunde haben darf.« Anja Habschick sprudelt förmlich über, wenn sie von ihrer jungen Heldin erzählt. Diese bekommt schon nach wenigen Seiten einen sympathischen Sidekick zur Seite gestellt: Toni Morelli, Sohn des Eisverkäufers, eine Quasselstrippe und ein Sonnenschein, der wie Lucy Mango-Chili-Eis liebt und sich in den Kopf gesetzt hat, mit ihr befreundet zu sein. »Toni schafft es, die coole Lucy aus der Reserve zu locken, und natürlich wird er im Verlauf des Abenteuers noch wichtig, wenn sich die Ereignisse zuspitzen, weil der Gangsterboss King Ratto damit droht, Lucys entführte Eltern an Piranhas zu verfüttern.«

»Ich leihe mir regelmäßig Bücher von meinen Töchtern aus«

Die zwei liebevoll gestalteten Hauptfiguren, ein comic-hafter Superbösewicht, das sommerliche Setting von Mable Beach, Kalifornien und rasante Wendungen verbinden sich in den drei Romanen zu einem atemberaubenden Lesevergnügen nicht nur für junge Leute. Eigentlich ist es kaum zu glauben, dass eine Autorin mit so viel Fantasie ihre schriftstellerische Karriere nicht schon viel eher begonnen hat. Bis vor kurzem war Anja Habschick, 51, noch hauptberuflich Architektin. »Aber ich habe mich immer für Bücher begeistert und schon als Kind eher gelesen als ferngesehen«, verrät sie. »Ich verschlang alles, was ich zwischen die Finger bekam, von Erich Kästner und Astrid Lindgren über ›Die drei ???‹ bis hin zu den Romanen, die ich aus dem Regal meiner Eltern stibitzte.« Sie schmunzelt. »Heute leihe ich mir dagegen regelmäßig Bücher von meinen Töchtern aus. Ich liebe Kinder- und Jugendliteratur, zum Beispiel ›Tintenherz‹ von Cornelia Funke oder ›Alea Aquarius‹ von Tanya Stewner.«

Erste Romanidee: ein Kinder-Western

Doch Moment – ist es von der Liebe zur Literatur bis zum Vertrag mit dem Fischer KJB-Verlag nicht immer noch ein ziemlich weiter Weg? Wie kam es eigentlich dazu? »Ehrlich gesagt hatte ich schon einige Textentwürfe in der Schublade«, so Anja Habschick. »Als meine Töchter in der Schule waren, dachte ich: Vielleicht solltest du doch mal versuchen, ein Buch zu veröffentlichen.« Also meldete sich die Wittenerin zu einem Schreibseminar an. Die erste Romanidee: eine Western-Geschichte für Kinder. »Der Seminarleiter rief mich schon auf dem Heimweg an und sagte: ›Schreib das zu Ende! Ich habe Kontakte!‹ Also habe ich richtig Gas gegeben und innerhalb eines halben Jahres ein fertiges Manuskript eingereicht. Alle fanden es toll – aber keiner hat sich getraut, es zu drucken. ›Ein Western für Kinder? Das ist zu verrückt, das kauft doch keiner.‹ Doch immerhin hatte ich nun einen Türöffner. Also habe ich mich hingesetzt und mir eine neue Geschichte überlegt.«

Goldener Bücherpirat

So entstand Lucy Longfinger – zur Freude der Kinder, die den zweiten Teil der Reihe, ›Explosive Entdeckung‹, mit dem ›Goldenen Bücherpiraten‹ 2021 ausgezeichnet haben. »Die Preisverleihung im Kinderliteraturhaus in Lübeck war so toll, davon zehre ich immer noch«, berichtet die glückliche Gewinnerin. »Die Kinder hatten sogar ein Theaterstück über Lucy vorbereitet.« Zudem gab es das Bücherpiraten-Fernrohr und eine Urkunde aus Marzipan. »Ich kam aus dem Staunen nicht mehr raus! Ein Literaturhaus, in dem junge Menschen kreativ sein und mitbestimmen können, ist einzigartig in Deutschland. Ich habe daher auch mein Preisgeld von 1.000 Euro an den Bücherpiraten-Verein gespendet.« Damit soll ein ›Lucy-Longfinger‹-Schreibworkshop finanziert werden. Auch im Deutschunterricht des AMG in Witten wurde die gewitzte junge Meisterdiebin bereits zum Thema gemacht.

»Ich liebe Architektur – aber das Schreiben liebe ich noch mehr!«

Dürfen wir uns auf weitere Bücher aus der Feder von Anja Habschick freuen? Davon ist auszugehen, wenngleich die ›Lucy Longfinger‹-Story mit dem dritten Band auserzählt ist. Die Autorin hat jedoch noch einige andere Ideen in der Hinterhand. Und wer weiß – vielleicht wird es ja doch noch mal was mit dem Kinder-Western. »Ich liebe Architektur«, sagt Anja Habschick. »Aber das Schreiben liebe ich noch mehr!«

Termintipp

Am 22. November liest Anja Habschick von 11–12 Uhr in der Stadtbibliothek aus ihrem aktuellen Kinderkrimi. Im Anschluss können mitgebrachte Bücher signiert werden, und die Autorin steht für Fragen zur Verfügung. Für alle ab 8 Jahren.

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