Stadtmagazin Witten: Soziales

Das DRK-Autismus-Therapie-Zentrum

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Hilfe für Menschen, die anders sind

In Film und Fernsehen liegen Figuren mit autistischen Zügen derzeit voll im Trend. Wo man hinschaut, sorgen schräge Vögel à la Sherlock oder Sheldon Cooper für Erheiterung. Die Realität ist dagegen oft gar nicht so lustig – jedenfalls nicht für die Betroffenen, für die ihre Diagnose häufig eine große Belastung darstellt. Im DRK-Autismus-Therapie-Zentrum an der Ardeystraße erhalten sie das Rüstzeug, um sich besser in der Gesellschaft zurechtzufinden.

»Ich wusste immer, dass etwas mit mir nicht stimmt. Jetzt habe ich endlich einen Namen dafür!«

»Menschen, die ›anders‹ sind, gab es schon immer – sie wurden früher nur nicht unbedingt als Autisten erkannt«, sagt die stellvertretende Einrichtungsleiterin Catrin Schmock-Ocken. »Dagegen können wir heutzutage dank verbesserter diagnostischer Kriterien viel mehr Patienten erfassen. Gleichzeitig wird das Wissen über Autismus sowie Therapiemöglichkeiten und Anlaufstellen durch die sozialen Medien mehr an die Öffentlichkeit getragen. Ich habe gerade erst mit einem jungen Mann gesprochen, der mir sagte: Ich wusste immer, dass etwas mit mir nicht stimmt. Jetzt habe ich endlich einen Namen dafür!«

»Es fällt ihnen schwer, andere zu verstehen – und sie leiden darunter, dass sie selbst nicht verstanden werden«

Wobei sich autistische Menschen nur schwer in eine Schublade stecken lassen. Neben dem bekannten Asperger-Syndrom oder dem frühkindlichen Autismus, der oft mit einer geistigen Beeinträchtigung einhergeht, existieren viele unterschiedliche Ausprägungen. Und die Übergänge sind fließend. Experten sprechen daher von einem ›Spektrum‹. »Inselbegabungen, wie man sie aus dem Fernsehen kennt, sind eine absolute Seltenheit«, betont Catrin Schmock-Ocken. »Was wir hingegen häufiger feststellen ist ein ausgeprägtes Spezialinteresse: dass sich Menschen in einem Fachgebiet wie Astrophysik oder IT verbeißen, darüber stundenlange Monologe halten können und nicht mitbekommen, wenn sich ihr Gegenüber langweilt. Viele unserer Klienten haben Schwierigkeiten, kommunikative Signale zu deuten. Sie tun sich schwer mit sozialer Interaktion, vermeiden Blick- oder Körperkontakt oder fühlen sich unwohl in Menschenmassen. Es fällt ihnen schwer, andere zu verstehen – und sie leiden auch darunter, dass sie selbst nicht verstanden werden.«

Mit Unterstützung zu Normalität und Selbstständigkeit

Aber: Längst nicht alle Betroffenen benötigen fachlichen Rat. »Ich kenne Personen mit starken autistischen Zügen, die so gefestigt sind, dass sie hervorragend alleine klarkommen. Andere wiederum werden durch zusätzliche Schicksalsschläge so belastet, dass sie mit ihrem Leben überfordert sind, aus Angst nicht mehr aus dem Haus gehen, vielleicht sogar mit Burnout oder Depression in der Klink landen. Auch an sie richtet sich unsere Eingliederungshilfe.« Heilen lässt sich die Autismus-Spektrum-Störung nicht. Mit der entsprechenden Unterstützung ist es jedoch möglich, Betroffene in den Alltag zu integrieren und ihnen zu einem ›normalen‹ und selbstständigen Leben zu verhelfen. Aktuell betreut das multiprofessionelle Team des ATZ rund 145 Klienten vom Kleinkind bis zum Erwachsenen im Rahmen von Einzelsitzungen und in Kleingruppen. Auf Wunsch werden auch Bezugspersonen zu Hause, in der Schule oder am Arbeitsplatz einbezogen. Die Leistung wird je nach Altersklasse über die Sozial- und Jugendämter oder den Landschaftsverband abgerechnet. »Für die Diagnose ist der Facharzt zuständig. Wenn Sie unsicher sind, können Sie sich aber trotzdem an uns wenden. Wir beraten Sie gerne in einem kostenlosen unverbindlichen Erstgespräch, führen Vor-Screenings durch und unterstützen bei den Anträgen.«

Blick nach vorn

Das Angebot wächst stetig weiter. In den letzten Jahren hat sich das Autismus-Therapie-Zentrum auch dank der vielen verschiedenen Fördermöglichkeiten durch Aktion Mensch weiterentwickelt. Nicht nur die Hauptstelle in Witten wird größer und kann mehr Klienten einbinden. Auch eine Zweigstelle in Kooperation mit dem DRK Bochum befindet sich derzeit im Aufbau.

DRK-Autismus-Therapie-Zentrum

Ardeystraße 27 · 58455 Witten
Tel. 0 23 02 / 91 01 63 21
www.drk-witten.de

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