Stadtmagazin Witten: In der Stadt

»Das ist ein großes Ding!«

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Uni Witten/Herdecke eröffnet Bibliothek der Zukunft

Helle Farben, hohe Fenster und vor allem: viel Holz. Die neue Bibliothek der Universität Witten/Herdecke ist ein Hingucker – und ein Ort zum Wohlfühlen. Am 1. Oktober wurde der ökologische Holzbau nach zweijähriger Bauphase offiziell eröffnet. »Das ist ein großes Ding!«, freuen sich Ulrich Heinemann, Klaus Völkel, Britta Koch und Martina Knop vom Vorstand der Wittener Universitätsgesellschaft (WUG), die das u. a. über Fundraising finanzierte Projekt mit einer Spende von 50.000 Euro, verteilt über drei Jahre, unterstützt. »In einer Gegend, die durch Stahl und Kohle geprägt ist, ein ressourcenschonendes Bauwerk zu errichten, das ist so typisch Uni Witten/Herdecke! Klar fördern wir das!«

Auf Wachstumskurs

Das auf maximal 1.000 Studierende ausgerichtete alte Campusgebäude an der Alfred-Herrhausen-Straße platzte schon länger aus allen Nähten. Aus der Not heraus wurden zusätzliche Räumlichkeiten im gesamten Wittener Stadtgebiet angemietet. Die drei coronabedingten digitalen Semester verschafften den Verantwortlichen zwar etwas Luft. Doch die Studierendenzahlen stiegen selbst in Zeiten der Pandemie immer weiter an. Über 3.000 junge Menschen haben sich inzwischen für ein Studium an der renommierten Privatuniversität eingeschrieben. So erfolgte die Fertigstellung des lange geplanten Neubaus gerade rechtzeitig. »Die Uni ist wirtschaftlich stabil und auf Wachstumskurs«, so WUG-Vorstand Ulrich Heinemann bei einer ersten Begehung. »Im wichtigsten Zeichen für den Erfolgskurs stehen wir jetzt gerade.«

Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft

Mit über 4.000 Quadratmetern auf drei Etagen zählt der Neubau mit der neuen Bibliothek zu den größten universitären Holzbauten der Bundesrepublik. Der verwendete Rohstoff stammt aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Realisiert wurde das Projekt durch das Berliner Architekturbüro Kaden+Lager, das im Bereich Holzbau führend ist. »Die Architekten haben sich sogar vorab in die Seminare gesetzt«, erzählt Ulrich Heinemann. »Auf diesem Wege wollten sie mehr über die praktischen Anforderungen vor Ort erfahren und herausfinden: Was für ein Geist weht hier auf dem Campus eigentlich?« Ja, was für ein Geist weht hier eigentlich? Der Vorsitzende lächelt: »Ich denke, dass an der UW/H ein ganz besonderer, wertschätzender Umgang herrscht. Die Rolle der Studierenden ist hier eine andere.«
»Wie kann ich mich als motivierter junger Mensch für die Zukunft aufstellen?«
Das kann Bachelor-Student Dorian Werz voll bestätigen. »Einer der Hauptgründe, weshalb ich aus Österreich ins Ruhrgebiet gekommen bin, ist, wie hier gesellschaftliche Fragen mit der Wissenschaft verbunden werden«, erzählt der 26-Jährige. »Die Bereiche Nachhaltigkeit und Ökologie, die stärker in den Fokus gestellt und sicherlich stetig weiter ausgebaut werden, zeigen dies beispielhaft.« Er führt aus: »Wie kann ich mich als motivierter junger Mensch für die Zukunft aufstellen? Dies beschäftigt uns nicht nur im Studiengang ›Philosophie, Politik und Ökonomik‹, es zieht sich durch alle Fächer. Man hat nie das Gefühl, in einer ›Wissenschaftsblase‹ festzustecken. Wer an der UW/H studiert, erhält das Werkzeug an die Hand, um sich proaktiv einzubringen. Es gibt ungewöhnlich viele Initiativen auf Hochschulebene, und zwar zu ganz verschiedenen Themen, die in die Stadt und darüber hinaus wirken. Genau dieses Zukunftsbewusstsein spiegelt sich auch in der neuen Bibliothek wider. Es war toll, die Planung und Umsetzung mitzuerleben. Jetzt hoffen wir alle auf baldige Präsenzveranstaltungen!«

Vom Anatomiebuch zur VR-Brille

Moment mal: Veranstaltungen? Tatsächlich ist die neue ›Bib‹ viel mehr als ein Ort der stillen Lektüre. Neben Bücherregalen und Leselounges finden Computerarbeitsplätze mit Multimediaausstattung, Druck- und Scan-Terminals, Gruppenräume sowie ein Eltern-Kind-Zimmer auf den drei Stockwerken Platz. »Die jungen Leute kommen nicht nur zum Recherchieren und Lesen her, sondern auch für ihre Prüfungsvorbereitungen, wenn es ihnen zu Hause oder in der WG zu unruhig ist«, erklärt Klaus Völkel. »Unsere Zukunftsbibliothek ermöglicht ihnen ein konzentriertes, medienübergreifendes Lernen ohne Vereinzelung, im Dialog, in Gruppenarbeit, in Diskussionsrunden.« Und das rund um die Uhr, an sieben Tagen in der Woche – sowohl ›Eulen‹ als auch ›Lerchen‹ werden gut aufgehoben sein. Bürger*innen sind jederzeit als Gäste willkommen. Für Besucher*innen, die sich absolute Ruhe wünschen, gibt es Ohrstöpsel am Automaten. Der Buchbestand ist vielleicht nicht ganz so umfangreich wie in anderen Einrichtungen – 25.000 wissenschaftliche Werke wurden vor dem Umzug Anfang September zum Weiterverschenken an die Stadtgalerie übergeben – dafür nimmt die Bedeutung der digitalen Medien immer mehr zu. »Früher haben die Studierenden ihr Anatomiebuch aufgeschlagen«, weiß Martina Knop, »heute setzen sie die VR-Brille auf!«


 

Hello again!

WUG lädt zur Hohensteiner Tafelrunde

Die neue Bibliothek ist vielleicht das größte, aber natürlich nicht das einzige Vorhaben, das aktuell von der WUG gesponsert wird. Neben dem Leuchtturm-Projekt werden eine ganze Reihe studentischer Initiativen unterstützt: die Oikos Summer- und Winter-School, das Fahrradkino vor der Werkstadt, das kostenlose Leih-Lastenrad ›Pottkutsche‹, das Sozialunternehmen ›Nouranour‹ mit Ladenlokal in der Ruhrstraße, ›Witten bolzt‹ (Ruhr Clean up Witten) sowie Vortragsreihen im Café Leye und Aktionen im Rahmen des Kultursommers. Als wichtigste WUG-Veranstaltung, die dieses breite Engagement überhaupt erst möglich macht, gilt traditionell die Hohensteiner Tafelrunde.
Prof. Dr. Uwe Schneidewind spricht über ›Zukunftslabore‹


© Foto: Johannes Buldmann

Zweimal musste das beliebte Festdinner bereits ausfallen: 2019 hatte Gastredner Gregor Gysi kurzfristig abgesagt, dann kam Corona den Vorbereitungen in die Quere. Am 18. November ist es nun wieder soweit. Prof. Dr. Uwe Schneidewind heißt der diesjährige Referent, der zum Thema ›Zukunftslabore: Städte als Suchräume für neue Zukünfte‹ sprechen wird. »Das Event wird dieses Jahr in der großen Halle des alten Campusbaus stattfinden«, berichtet Organisator Klaus Völkel. »Wir sind sehr froh, dass es endlich weitergeht und hoffen, den Saal unter den gültigen Corona-Bedingungen füllen zu können.«

Zwischen Wissenschaft und Politik

Der besondere Reiz des Vortrags liegt darin, dass sich Prof. Uwe Schneidewind in seiner Zeit als Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie zunächst aus wissenschaftlicher Perspektive mit Klima, Nachhaltigkeit und gesellschaftlichem Wandel auseinandergesetzt hat – so entstand z. B. das Buch ›Die Große Transformation‹. Im September 2020 wurde er dann Oberbürgermeister der Stadt Wuppertal. »Er hat also die Seiten gewechselt und muss das, was er als Wissenschaftler vertreten hat, nun politisch umsetzen«, erklärt Klaus Völkel. »Über seine Erfahrungen spricht er bei der Tafelrunde.« Darüber hinaus wird sich der Grünen-Politiker den Fragen von Nachwuchsmoderator Dorian Werz stellen. »Vor 150 bis 250 Teilnehmern zu reden, das ist für mich eine neue Größenordnung«, verrät der Student und schmunzelt. »Aber irgendwann muss man ja anfangen.«

Brücke zur Stadt und den Menschen

Der traditionelle Promotionspreis wird dieses Jahr nicht vergeben. Dafür wollen die Organisatoren einen Preis für Nachhaltigkeit und zivilgesellschaftliches Engagement vorstellen, der ab 2022 verliehen werden soll. Außerdem wird Dorian Werz beim Dinner eine weitere WUG-geförderte Initiative präsentieren: Am 19. Oktober startet die von Studierenden entwickelte Vortragsreihe ›Crisis and Transformation‹, bei der internationale Expert*innen in Präsenz und per Zoom zu Wort kommen. »Wir hoffen, dass auch Bürger*innen teilnehmen und die Diskussionen mit ihren Perspektiven bereichern werden«, so Dorian Werz. Die Annäherung zwischen Universität und Bürgerschaft liegt allen Beteiligten am Herzen. »Solche öffentlichen Veranstaltungen wie auch die Vortragsreihe im Café Leye oder die gemeinsamen Aktionen mit dem Kulturforum schlagen eine Brücke zur Stadt und den Menschen«, fasst es Britta Koch zusammen. »Durch sie wird die Uni noch sichtbarer!« Dafür braucht die WUG weitere engagierte Mitglieder. Interessierte können sich gerne bei Martina Knop oder Klaus Völkel informieren.

›Crisis and Transformation‹

Vortragsreihe · ab 19.10.
uni-wh.de/crisis

Hohensteiner Tafelrunde
Festdinner & Vortrag · 18.11.
Martina Knop · wug [at] uni-wh.de
Klaus Völkel · klaus.voelkel [at] uni-wh.de

Weitere Infos:
www.wug.ruhr
www.uni-wh.de

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