Stadtmagazin Witten: Kunst und Kultur

Comics & Songs

Foto(s) zum Vergrößern anklicken

Quellenangabe in den Vergrößerungen

›Gamma Rats‹ entführen in eine dunkle Zukunft

Sie schreibt Endzeitromane und Short Stories, steht als Rocksängerin und Gitarristin auf der Bühne und im Studio, konzipiert ihre eigenen Musikvideos, malt, zeichnet und betreibt ein Dark-Electro-Projekt: Irgendwie gibt es fast nichts, das Jaana Redflower aus Witten nicht macht. Im Corona-Jahr 2020 hat die Allroundkünstlerin ihr neuestes Werk veröffentlicht: ›Gamma Rats‹ verbindet elektronische Beats mit dystopischen Bildergeschichten.

»Wir hatten ja Zeit, da kam die Kreativität wie von selbst«

»Nach ›Soulfood‹ ist ›Gamma Rats‹ nun schon das zweite Album des gleichnamigen Dark-Electro-Projekts ›Gamma Rats‹«, erzählt die 38-Jährige. »Durch die Lockdowns wurde es schneller fertig als geplant: Ich brauchte einfach was zum Abreagieren, habe zu Hause viel getanzt, dabei getextet und komponiert. Innerhalb von einem halben Jahr waren die Tracks ausgearbeitet. Wir hatten ja Zeit, da kam die Kreativität wie von selbst.« Für die Bass-Parts sorgte Adrian Klawitter, der mit Jaana Redflower seit vielen Jahren privat wie künstlerisch verbandelt ist. Mix und Mastering übernahm der Tontechniker ›Lion on Bass‹. Entstanden sind 13 Songs, die mit ihrem treibenden Techno-Sound und teils sphärischen, teils orientalischen Elementen Einflüsse von 90er-Jahre-Ikonen wie Massive Attack oder The Prodigy sowie dem Dark ­Wave der 80er erkennen lassen. Erhältlich ist das Album zum Download bei Bandcamp. Zwei Videos findet man darüber hinaus bei Youtube.

»Langfristig wollen wir eine komplette Welt zu ›Gamma Rats‹ entwerfen«

In ›Cyberpunk Invasion‹ marschieren gruselige Schafe in eine futuristisch anmutende Stadt ein. ›Black Rain‹, eine Metapher für radioaktiv verseuchten Regen, erzählt vom Überlebenskampf nach der atomaren Apokalypse. »Bei Musikvideos muss man stark ab­strahieren, um die Bilder an die Lieder anzupassen«, so die Künstlerin. »Ich habe mich daher entschlossen, die Geschichten auch in Form von Comics zu erzählen. Langfristig wollen wir eine komplette Welt zu ›Gamma Rats‹ entwerfen, mit elektronischen Backing-Tracks, zu denen ich singe und live am Keyboard improvisiere, kleiner Lichtshow und Live-Malerei. Das Ganze im Rahmen virtueller Auftritte und, wenn möglich, am liebsten auch auf einer echten Bühne.« Denjenigen, die Jaana Redflower von früheren Konzerten kennen, dürfte das neue Outfit der Musikerin ins Auge springen: Statt der charakteristischen roten Blume trägt sie Perücken in leuchtenden Farben von Neonpink bis Metallicblau. »Weil es mir Spaß macht, es zum Cyberpunk-Thema passt und um die ›Gamma Rats‹ auch optisch von unserem Hauptprojekt – akustischer Rock und Blues im Stil der 60er- und 70er-Jahre – abzugrenzen«, verrät sie. »Es gibt zwar eine gewisse Schnittmenge bei den Fans, aber wir wollen mit den härteren, tanzbaren Beats sowie der Kunst drumherum natürlich auch ein neues Publikum ansprechen.«

Ausblick: Gehirne im Glas

Jaana Redflower wäre nicht Jaana Redflower, wenn sie nicht schon die nächsten Ideen in der Pipeline hätte. »Aktuell schreibe ich an einem weiteren Roman, einer Dystopie mit gesellschaftskritischen Ansätzen. Die Geschichte spielt in einer Zukunft, in der die Menschen nicht mehr sterben wollen und insbesondere die Reichen ihre Gehirne konservieren lassen – das ganze Parlament ist daher schon voll mit Politikern, die nur noch in dieser Form existieren. Dazu plane ich eine Kunstausstellung, deren Titel ›Gehirn im Glas‹ sein wird. Außerdem arbeite ich an weiteren neuen ›Gamma Rats‹-Songs. Wir würden uns freuen, diese bald aus dem virtuellen Studio auf die reale Bühne zu bringen.«

Facebook Logo  diese Seite auf Facebook teilen0