Stadtmagazin Witten: Kunst und Kultur

Promi-Interview: Frank Goosen

Foto(s) zum Vergrößern anklicken

Quellenangabe in den Vergrößerungen

Am 19. November ist Frank Goosen mit seinem Programm ›Acht Tage die Woche – Die Beatles und ich‹ zu Gast in der Wittener WERK°STADT. Für uns der perfekte Anlass, dem humorvollen Sprachgiganten einige Promi-Interview-Fragen zu stellen ...

Auf was dürfen wir uns am 19. November bei Ihrem aktuellen Programm freuen?

Ich lese und erzähle über meine Liebe zu den Beatles. Also zum Beispiel wie ich überhaupt Fan werden konnte, wo ich doch gerade mal vier Jahre alt war, als sie sich getrennt haben. Das hatte nicht zuletzt mit Schwarzarbeit zu tun. Mein Vater war Elektriker und hat in einem Bochumer Plattenladen 1979 mal unter der Hand ein paar Steckdosen angeschlossen und sich dafür in Beatles-Platten für mich entlohnen lassen: das Rote und das Blaue Album und dazu Abbey Road als Picture Disc! Bis dahin hatte ich nur eine Kassette von Sergeant Peppers gehabt, die ich rauf und runter hörte. Das ging meinem Vater wahrscheinlich auf den Wecker, und er dachte, der Junge braucht mal ein bisschen Abwechslung. Um solche Geschichten und Anekdoten geht es an diesem Abend.

Es sind ja nun insbesondere für freischaffende Künstler keine leichten Zeiten. Was hat Sie in den letzten ›Corona-Monaten‹ am stärksten belastet, vielleicht aber auch bewegt?

Zum Glück konnte ich in den letzten Wochen einiges an Open Air Auftritten machen, man ist ja nach fast dreißig Jahren ein Live-Tier. Und ein paar Rubel sind auch gerollt. Es belastet oder besser: Es nervt mich, dass man kaum vorausplanen kann. Man weiß nicht, wie der Herbst wird, also ob Lesungen stattfinden und ob die Leute überhaupt Karten kaufen für Vorstellungen, die in Innenräumen stattfinden. Die Veranstalter tun jedenfalls ihr Möglichstes, damit alle sich sicher fühlen können. Am meisten bewegt hat mich sicherlich die Wiedervereinigung von Tresenlesen. Vor allem die zum Teil sehr emotionalen Reaktionen unserer Fans haben Jochen Malmsheimer und mich ziemlich umgehauen.

Wie wirken sich Quarantäne, Kontakteinschränkungen und Auftrittsausfälle auf Kreativität und Schaffensdrang aus?

Bei mir hat der Lockdown jedenfalls nicht dazu geführt, dass ich in aller Ruhe an meinem nächsten Roman, den ich im Januar angefangen habe, gearbeitet hätte. Dafür war ich zu unruhig. Ich habe dann zum Beispiel im Keller ein kleines Studio eingerichtet, in dem ich vor einem alten Bühnenhintergrund (dem von ›Radio Heimat‹) Videos produziert habe, meine ›Basement Tapes‹. Die kann man sich auf meiner Facebookseite ansehen und auf dem Youtube-Kanal ›Frank Goosen Basement Tapes‹. Ich habe auch Videos für den WDR gemacht oder etwa für die Elektrizitätswerke Schönau, die Aufträge an KabarettistInnen in ganz Deutschland vergeben und dafür auch bezahlt haben. Außerdem konnte ich den einen oder anderen Zeitungsartikel, etwa über die Trennung der Beatles, unterbringen. Auch meine Kolumne im ›Kicker‹ läuft weiter. Kürzere Sachen zu schreiben hat also funktioniert, nur eben nicht die Arbeit am nächsten Roman.

Wie geht es Ihrer Meinung nach weiter, werden wir überhaupt zu einem früheren ›normalen‹ (Arbeits-)Alltag zurückfinden?

Das wird sicher in den einzelnen Bereichen sehr unterschiedlich sein. An vielen Stellen scheint die Krise ja zu einem Innovationsschub zu führen, zum Beispiel was die Digitalisierung der Arbeitswelt angeht. Die Fluggesellschaften gehen davon aus, dass Geschäftsleute auch nach Corona weniger fliegen und mehr in Digitalkonferenzen sitzen werden. Das ist ja erstmal nicht schlecht. Das Bedürfnis nach echten Begegnungen, vor allem im privaten und im Freizeit- und Kulturbereich, wird aber sehr groß bleiben, denke ich. Ich fürchte nur, es wird dauern, bis die alte Sicherheit zurück ist. Und in der Zwischenzeit müssen wir darüber nachdenken, wie wir sicherstellen, dass die kleinen Theater, die Kneipen und Restaurants, die freien SchauspielerInnen, MusikerInnen und AutorInnen nicht komplett unter die Räder kommen. Das gilt natürlich auch für andere Bereiche. Die Frage, was man etwa im Kulturbereich digital machen könnte, wäre eine eigene Abhandlung wert.

Welche Frage haben wir nicht gestellt, die Sie trotzdem gerne beantworten möchten?

Herr Goosen, worauf dürfen wir uns denn als nächstes bei Ihnen freuen? – Vielen Dank für die Frage. Ich habe ja gesagt, dass es mit einem Roman noch etwas dauern wird. Aber ich habe mich dann doch entschlossen, zu meinem fürs nächste Jahr geplanten Bühnenprogramm ein Buch zu machen. Programm und Buch heißen ›Sweet Dreams – Rücksturz in die Achtziger‹. Die Achtziger lassen mich einfach nicht los, und es hat einen Riesenspaß gemacht, sich damit noch mal ausführlich zu beschäftigen.

Drei Wünsche haben Sie frei:

1.) Dass der Virus ›magically disappears‹ (Trump), ohne dass wir uns Domestos spritzen müssen.
2.) Dass es danach noch Theater und Restaurants und Kneipen gibt.
3.) Zur Sicherheit noch mal 1.) und 2.)

Frank Goosen: ›Acht Tage die Woche – Die Beatles und ich‹
19.11. · 20 Uhr · WERK°STADT

Facebook Logo  diese Seite auf Facebook teilen0