Stadtmagazin Witten: In der Stadt

Erinnerungen an die erste Schwalbe

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Durch die Linse von Davide Bentivoglio

Im Sommer ist die Schwalbe II auf der Ruhr und dem Kemnader See ein vertrauter Anblick. Das beliebte Ausflugsschiff blickt auf eine lange Geschichte zurück. Ihre Vorgängerin, die ›Schwalbe I‹, wurde bereits 1923 in Königswinter gebaut. In den 60er-Jahren erwarb der Wittener Paul Schultz, Inhaber der Schiffskapitän-Lizenz, das 16 Meter lange Motorboot und restaurierte es auf einem Hinterhof an der Annenstraße.

»Ich war damals von Anfang an dabei, von der Planung bis zur Jungfernfahrt«, erinnert sich Fotograf Davide Bentivoglio, der die Einweihung des ersten Wittener Fahrgastschiffes mit der Kamera begleitet hat. »Mit meinem guten Freund Paul Schultz habe ich manche Stunde und viele Flaschen Bier lang im Hinterhof verbracht, wo er die altehrwürdige Schwalbe fit machte. Zuvor hatte der damalige Leiter vom Presseamt, Günther Theiß, dem Amtsschimmel ordentlich die Sporen gegeben, damit die Genehmigung zur Schifffahrt auf der Ruhr wiederbelebt werden konnte. Dazu gehörte auch der Wiederaufbau der Schleuse.«

Am 3. August 1967 ließ der stolze Eigner die Schwalbe mit einem Tieflader der Firma Rosenkranz zu ihrem neuen Einsatzort transportieren. Dabei gab es ein Problem: Zwischen der Annenstraße und der Ruhr verliefen zwei Eisenbahnlinien, nämlich die Strecke Langendreer–Löttringhausen (heute: Radweg ›Rheinischer Esel‹) und die Bahnlinie Witten Hbf–Hagen. Für die Unterführungen an Pferdebachstraße und Dortmunder Straße war der Schwertransport aber schlicht zu hoch. »Es musste also eine alternative Fahrroute gefunden werden«, berichtet Davide Bentivoglio. Diese führte von Witten-Annen über den unbeschrankten Bahnübergang am Rheinischen Esel in Rüdinghausen, weiter über den Marktweg, die Herdecker Straße, Ardey- und Husemannstraße, durch die hohe Unterführung an der Bergerstraße und bis zum Ruhrdeich.

»Hier, am nördlichen Ruhrufer an der kleinen Bucht oberhalb der heutigen Nachtigallbrücke, wurde die Schwalbe mit einem Kran von Rosenkranz ins Wasser gehievt. Schon am Samstag danach, am 5. August 1967, folgte die offizielle Jungfernfahrt unter größter Anteilnahme der Bevölkerung. Ehrengast war eine Kindergruppe aus der damals sogenannten Waisenheimat Witten. Zuvor hatte Paul Schultz von einem Boot aus mit einer langen Stange eine Fahrrinne in der Ruhr ausgelotet und mit Bojen markiert. Sie wird heute noch befahren.«

Zwei Jahrzehnte drehte das Ausflugsschiff seine Runden zwischen Bommern und der alten Schleuse in Heven. Bis zu 48 Personen fanden an Bord Platz. Unzählige Familien nutzten an den Wochenenden die Gelegenheit, um wie bei einer Kreuzfahrt das Schaukeln der Wellen zu genießen und die wunderschöne grüne Landschaft entlang des Flusses neu zu entdecken. 1977 war das Ausflugsschiff von Paul Schulz an die Stadtwerke verkauft worden, was dem Betrieb keinen Abbruch tat.

1987 wurde die kleinere ›Schwalbe I‹ durch die 25 Meter lange ›Schwalbe II‹ ersetzt. »Das alte Schiff stand danach noch einige Jahre als Spielgerät auf einem Kinderspielplatz am Kemnader See, bevor es endgültig verschrottet werden musste«, weiß Davide Bentivoglio. »Bug und Schraube blieben jedoch erhalten und wurden zur Erinnerung an einer Mauer in Heven befestigt.«

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