Stadtmagazin Witten: Kunst und Kultur

Kunstquartier und Kunstlichter

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Annen zeigt seine Schönheit

Schon von außen sieht das Atelier von Birgit Wewers an der Bebelstraße bunt aus. Zwei lustige Vogel-Strauß-Figuren stehen im Schaufenster. Was zuerst irgendwie nach einer Metallskulptur aussieht, ist früher ein Bettlaken gewesen. Powertex heißt die Modulationstechnik, mit der die Künstlerin unter anderem arbeitet. Gerade ist einer ihrer Kurse zu Ende, in denen die Teilnehmenden alles ausprobieren können. Ob Acryl, Tinte, Kreide, Aquarell oder Bitumen … – »Ich arbeite mit allem, was ich irgendwo sehe«, erzählt Birgit Wewers voller Begeisterung für die Kunst.

Sie möchte in ihren Seminaren die Freiheit und die Ruhe vermitteln, die das Malen und Schaffen mit verschiedenen Materialien ihr selbst bedeutet. Zwar hatte sie schon als Kind viel Freude am Zeichnen, aber das hörte irgendwann auf. Sie studierte Maschinenbau und promovierte sogar. »Ich dachte früher, nur was schwer und anstrengend ist, kann richtig sein. Erst später habe ich gemerkt, dass es auch ganz leicht geht und sich gut anfühlt.«

So sattelte sie um auf Kunst – aber auch hier sind halbe Sachen keinesfalls ihr Ding. Nicht ohne Stolz erzählt sie, als eine von dreizehn ›SchülerInnen‹ aufgenommen zu sein in die Meisterklasse von Markus Lüpertz, einem der bekanntesten Maler, Grafiker und Bildhauer der Gegenwart.

Birgit Wewers führt durch ihr Atelier, das sie mit anderen teilt. Die Auflagen zum Schutz der Tische sind schon kleine Kunstwerke mit all den Farbresten, die alle eine andere Geschichte erzählen von den Übungen, die darauf zu Bildern wurden. Das, was woanders eine Teeküche sein würde, beherbergt Gläser mit hunderten Pinseln im Regal. Und die Spüle zeugt von vielen Reinigungsgängen, bei denen Farbe an ihr kleben geblieben ist. So wirkt selbst das Werkzeug als solches wie eine Installation.

Von hier öffnet sie eine schwere Metalltür, und es öffnet sich so etwas wie ein ›Secret Garden‹, ein überdachter Hinterhof, der Werkstatt und Ausstellung zugleich ist. Nur an diesem Ort verarbeitet sie wegen der Ausdünstungen Bitumen zu filigranen Konturen. Was sonst ein Straßenbelag ist, glitzert hier wie schwarzes Gold auf einem bunten Bild. Überall stehen Regale mit schon fertigen Kunstwerken, die Hauswände sind von außen voller Bilder und Installationen. Mitten drin Tische und Bänke und eine unvermutete Ruhe und Geborgenheit. »Als ich mit meinem Atelier hierher gezogen bin, waren alle entsetzt und meinten, Annen sei doch so gefährlich. Davon habe ich noch nichts gemerkt«, beteuert die Künstlerin. »Am Anfang sind wir vielleicht etwas skeptisch beäugt worden, so mit der Frage: Was machen die denn da? Aber mittlerweile haben alle gemerkt, welche Bereicherung die Kunst für sie ist.« Der türkische Gemüsehändler fragte ganz schüchtern, ob er auch kommen dürfe und beteuerte dann, dass er auch ganz bestimmt dabei sei.

Was er meint, sind die dritten Annener Kunstlichter am 29. November. Neben Birgit Wewers machen in der Bebelstraße mindestens elf weitere Geschäftsleute mit, vom Fotostudio über den Antikladen bis zur Physiotherapeutischen Praxis. Alle werden bei Einbruch der Dunkelheit die Bebelstraße festlich beleuchten und ihre Türen öffnen. In allen Läden wird Kunst zu betrachten sein und Gelegenheit, auch etwas auszuprobieren.
Das Kunstquartier Annen will alle Nachbarn, Annener und natürlich auch Menschen von überall her mit Kunst in Berührung bringen. Birgit Wewers ist fest davon überzeugt, dass so zudem eine Verbindung zwischen den Menschen entsteht, die den Umgang miteinander achtsamer macht. Nicht ohne Grund ist das Kunstquartier auch Kooperationspartner des neu entstehenden Bildungsquartiers Annen. Dort wird es dann Workshops, Kurse und Events nicht nur für die Kinder und Jugendlichen, sondern auch für ihre Eltern und die ganze Familie geben.

»Ich finde Annen schön«, schwärmt Birgit Wewers und kommt mit heraus auf die Bebelstraße. Sie zeigt auf die alten Sandsteinfassaden und die Gründerzeithäuser. In jedem April blühen die Bäume hier in voller Pracht, und vielleicht gibt es dann nach den Kunstlichtern im Winter im kommenden Jahr ein Kirschblütenfest im Frühling.

Die 3. ›Kunstlichter‹ Annen finden am 29. November 2019 ab 18 Uhr in der Bebelstraße in Witten-Annen statt.

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