Stadtmagazin Witten: Dies und Das

Raus aus dem Alltag – rein ins THW!

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Respekt. Kameradschaft. Verantwortung. Beinahe schon altmodisch wirken diese Werte im Zeitalter der sozialen Medien, des schnellen Konsums und der spitzen Ellenbogen. Ob die Jugend von heute noch etwas damit anfangen kann? Beim THW Ortsverband Witten an der Goethestraße ganz bestimmt! Denn hier engagieren sich rund 30 Kinder und Jugendliche von 10 bis 18 Jahren im Zivil- und Katastrophenschutz. Ihre Motivation? Respekt zollen und bekommen. Kameradschaft leben. Und Verantwortung übernehmen. So wie die 15-jährige Nina und der elfjährige Tom, die mit Leidenschaft dabei sind.

Schwere Lasten

Zunächst einmal geht es beim Ausbildungsabend der THW-Jugend aber gar nicht um abstrakte Prinzipien, sondern – ganz handfest – um das Bewegen schwerer Lasten. Effektiv muss diese Aufgabe vonstattengehen und natürlich auch sicher. Dafür sorgt unter anderem die Schutzkleidung mit dunkelblauem Anzug, gelbem Helm, schwarzen Stiefeln und dicken Handschuhen. Auch ein besonnenes und diszipliniertes Verhalten ist Bedingung. Wer mit schwerem Gerät hantiert, darf sich eben keine Nachlässigkeit erlauben und nichts falsch machen. Kein Wunder, dass die jungen Leute Truppführer und Jugendbetreuer Andreas Voigt aufs Wort hören und jedem Kommando sofort Folge leisten. Fast wie von selbst lernen sie dabei jede Menge anspruchsvollen Stoff: Komplexe Kenntnisse in Technik und Naturwissenschaften werden scheinbar mühelos angeeignet. So manch erwachsener Besucher hat da doch tatsächlich Schwierigkeiten zu folgen …  

Katastrophenschutz

»Gegründet wurde das THW in den 50er-Jahren, um im Krisenfall der zivilen Gesellschaft beizustehen«, erklärt Ortsjugendbeauftragte Katharina Schmidt. »Wir arbeiten eng mit der Feuerwehr zusammen und werden zu Katastrophen wie dem Zugunglück in Eschede, dem Moorbrand in Meppen oder bei Hochwasser gerufen. Erste Hilfe, Krankentransporte sowie das Abstützen einsturzgefährdeter Gebäude gehören zu unseren Aufgaben«. Katharina Schmidt wurde über ihren damaligen Freund und heutigen Ehemann und Vater ihrer Tochter angeworben und ist mittlerweile nicht nur ehrenamtlich, wie die meisten THWler, sondern auch hauptamtlich für die Organisation tätig. Als Jugendbeauftragte kümmert sie sich um den Nachwuchs.

Kameradschaft

Schon mit zehn Jahren kam die 15-jährige Nina zum THW. Ihr älterer Bruder Marco hatte mit spannenden Erzählungen ihr Interesse geweckt und sie dann einfach mal mitgenommen. »Ich lerne hier einiges im technischen Bereich und habe sehr viel Spaß dabei. Besonders mag ich die gute Kameradschaft – von Drill kann gar keine Rede sein«, berichtet das junge Mädchen, das bereits erstaunlich reif wirkt: Sozialkompetenz ist eine Fähigkeit, die hier definitiv gefördert wird. Unterstützung erfahren Nina und Marco von ihren Eltern.

Hobby für die ganze Familie

Auch für Jugendbetreuer Andreas Voigt ist das Engagement hier ein Gemeinschaftshobby. Er hat sich von der Begeisterung seines heute 15-jährigen Sohnes und seiner inzwischen zwölfjährigen Tochter anstecken lassen. Die ganze Familie ist bereits ehrenamtlich in der Kirchengemeinde tätig. Das technische Engagement ist für Andreas Voigt zudem eine gute Möglichkeit, Abstand von seiner ›Kopfarbeit‹ als Internist zu gewinnen. Als Arzt erinnert er ›seine‹ THW’ler zudem daran, regelmäßig ihren Impfschutz erneuern zu  lassen, damit sie aktiv an Einsätzen teilnehmen können.  

Gemeinschaft

Der elfjährige Tom hingegen ist auf der Suche nach einer interessanten Beschäftigung eher zufällig bei der Gruppe gelandet. Ein umherfahrendes THW-Fahrzeug hatte ihn neugierig gemacht. »Ist das ein Feuerwehrauto?«, fragte er sich. Bei seinen Recherchen stieß er auf das Technische Hilfswerk. Begeistert ist er nicht nur von der Ausbildung, sondern auch von der Gemeinschaft. »Einmal im Jahr gibt es eine Feier und alle drei Jahren ein Zeltlager irgendwo in Deutschland, wo die Bundesjugend zusammenkommt«, berichtet er. Rund 5.000 Jugendliche verbringen dann eine Woche miteinander, tagsüber gibt es Ausflüge, abends sitzt man zusammen, tauscht sich aus und hat Spaß. Lagerfeuerromantik pur! Eben raus aus dem Alltag – rein ins THW.

Bundesanstalt Technisches Hilfswerk Ortsverband Witten

www.thw-witten.de

Info

Ab 16 Jahren kann man die rund einjährige Grundausbildung beim THW beginnen und nach erfolgreich bestandener Prüfung ›aktiver Helfer‹ werden. Allerdings sind echte Einsätze erst ab 18 Jahren erlaubt. In Witten gehören 30 Kinder im Alter von zehn bis 18 Jahren zur THW-Jugend. An zwei bis drei Abenden im Monat erwerben sie theoretisches Wissen und praktische Fertigkeiten.

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