Stadtmagazin Witten: In der Stadt

»Komm mit« zu den Eulen!

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»Kuwitt! Kuwitt!« Wann immer die Menschen früher den ›unheilverkündenden‹ Ruf des Käuzchens hörten, lief ihnen ein kalter Schauer über den Rücken. Grund war ein schlichtes Missverständnis: Üblicherweise ließ man im Mittelalter bei Sterbenden zur Nachtwache ein Lichtlein brennen. Der helle Schein lockte die Insekten und auch ihre gefiederten Jäger herbei: die Eulen. Ihr typischer Schrei klang für unsere abergläubischen Vorfahren wie »Komm mit!«, was dem Kauz – völlig zu Unrecht – das zweifelhafte Image eines Totenvogels einbrachte und ihn selbst zum Gejagten machte.

Geschickte Jäger bei Nacht

Heute muss man schon sehr die Ohren spitzen, um den Ruf einer Eule in freier Wildbahn zu vernehmen. Aus den Großstädten haben sich die faszinierenden Tiere fast komplett zurückgezogen, da sie hier einfach keine ausreichenden Nahrungs- und Nistmöglichkeiten mehr finden. In ländlichen Gegenden können sie uns hingegen noch ab und an über den Weg flattern. Natürlich nur nachts. Dann gehen sie auf die Jagd. Dabei verlassen sie sich nicht nur auf ihr außerordentliches Sehvermögen, sondern auch auf ihr exzellentes Gehör.

Gut zu wissen
Im Alter von drei oder vier Wochen verlassen die noch nicht flugfähigen Käuzchen ihr Nest und sitzen – scheinbar hilflos – auf Zweigen im Gebüsch. Tatsächlich werden sie weiter von ihren Eltern versorgt. Für uns Menschen heißt das: Nur gucken, nicht anfassen!

Imposant: Waldkauz

Bei uns in Deutschland gehört der Waldkauz noch zu den häufigeren Vertretern seiner Art. Allerdings bekommt man den imposanten Vogel mit dem gebogenen Schnabel und den freundlichen Knopfaugen kaum je zu Gesicht. Dank seines rindenfarbenen Gefieders ist er meisterlich getarnt, zudem beherrscht er wie viele Eulen die Kunst der völlig lautlosen Fortbewegung: Ein samtiges Polster auf der Oberseite der Flügel und kammartige Zähnchen an den Kanten der äußersten Flügelfedern verwirbeln den Luftstrom beim Fliegen und unterdrücken so jedes Geräusch. Für kleine Beutetiere verläuft die Begegnung mit dem großen Vogel daher meist tödlich.

Komischer Kauz – verliebter Kauz
Bei der Brautwerbung führen männliche Käuze der auserwählten Dame ihre Jagdkünste vor. Stimmt die ›Chemie‹, kann daraus eine lebenslang andauernde, treue Partnerschaft entstehen.

›Kobold‹ der Streuobstwiese: Steinkauz

Der kleinere Steinkauz hat es da schon bedeutend schwerer. Er reicht seinem großen Bruder, dem Waldkauz, gerade bis zur Brust. Darüber hinaus stellt er sich auf der Jagd nach kleineren Säugetieren nicht ganz so geschickt an. Zum Leben bevorzugt er offene Landschaften und Streuobstwiesen. Da diese in unserer Region immer seltener werden, verschwindet auch der Steinkauz. Charakteristisch sind die gelben ›Koboldaugen‹ und die weißen Streifen darüber.

Weiser Kauz
Der Steinkauz galt im antiken Griechenland als Vogel der Weisheit und war Sinnbild der Göttin Athene.

Kleiner Kampfzwerg: Sperlingskauz

Klein aber oho: Der Sperlingskauz ist nicht viel größer als ein Spatz und nistet sich mit Vorliebe in Baumhöhlen von Spechten ein, die er zuvor im wilden Sturzflug erlegt hat. Ja, der kleinste aller Käuze ist ein echter Kampfzwerg. Aber das muss er auch sein, um zu überleben und nicht selbst zur Beute größerer Eulen zu werden. In unserer Region kommt der Sperlingskauz nur sehr selten vor.

So machen Sie Ihren Garten eulenfreundlich:

Bis auf den Waldkauz sind alle europäischen Vertreter der Gattung hierzulande vom Aussterben bedroht. Doch jeder Gartenbesitzer kann dazu beitragen, die Welt vor seiner Haustür ein bisschen eulenfreundlicher zu gestalten. Abgestorbene, höhlenreiche Bäume und Baumstümpfe stellen ideale Kauz-Verstecke dar und sollten daher keinesfalls abgeholzt werden. Sie werden auch von Fledermäusen und Hummeln gerne als Unterschlupf genutzt. Des Weiteren helfen spezielle, ausreichend große Nistkästen.

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