Stadtmagazin Witten: Sport und Freizeit

Von orientalischen Rhythmen bis zum verwegenen Säbeltanz

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Bauchtanzgruppe TuRa Rüdinghausen

Für die einen ist es Erotik pur, andere sehen in ihm eine der historisch ältesten tänzerischen Ausdrucksformen der Menschheit, viele üben ihn als locker-lässige Freizeitaktivität aus, wiederum andere als ambitionierte Sportart. Bauchtanz! Wir treffen uns zum Gespräch mit Mitgliedern der Bauchtanzabteilung des TuRa Rüdinghausen, und es wird in Nullkommanichts klar: Bauchtanz ist all dies und noch viel mehr. Hier geht es um Musik und Miteinander, um Hirn und Herz, um Kreativität und Charisma, um Konzentration und Kondition, um Freundschaft und Fitness – und vor allem geht es um Frauen!

Hier kann sich jede ausleben!

Rund 40 Tänzerinnen nehmen an den Kursen teil. Frauen zwischen 20 und 70, die auf unterschiedlichsten Wegen – oder Umwegen – zum orientalischen Tanz fanden, wie eben auch Sabine Domke, Leiterin von vier der insgesamt fünf Gruppen. Sie kam damals vor 27 Jahren mit ihrer Mutter eher per Zufall dazu und war auf Anhieb begeistert. Als irgendwann die damalige Kursleiterin aufhörte, übernahm sie zunächst provisorisch den Chefinnen-Posten, absolvierte dann ihren Übungsleiterschein sowie zahlreiche Fortbildungen und ist seit vielen Jahren für Trainingsabläufe, Übungen und Choreographien verantwortlich. O ja, es ist wirklich ein enormes Spektrum an Choreographien, das in der Turnhalle an der Brunebecker Straße eingeübt wird – Bauchtanz ist eben nicht einfach Bauchtanz. »Es gibt ganz unterschiedliche Facetten«, erzählt Susanne Donnerstag, die seit 2002 mit dabei ist. »Hier kann sich jede ausleben, ob zu Klängen aus dem Mittelalter oder zu modernen Hits, ob orientalisch, Rap, Pop oder sogenannte Tribaltänze wie Schleier-, Säbel- oder Schlangentanz. Übrigens greifen wir auch gern in die Filmkiste. Aber egal, welche Richtung welche Gruppe gerade macht, fest steht, dass Sabine da schon Ehrgeiz hat: Die will uns drillen!«, schmunzelt sie.

Sportlich, sportlich!

Nun mag der ein oder andere jetzt denken: Wieso drillen? Ein bisschen mit den Hüften zum Takt zu wippen, kann doch so schwierig gar nicht sein, oder? Von wegen! »Beim Bauchtanz geht es nicht nur um Hüfte und Bauch, es geht um Bewegung und Koordination von Kopf bis Fuß – kombiniert und isoliert zugleich«, erklärt Heike Limberg. »Man nimmt Muskeln wahr, die man vorher nie registriert hat«, ergänzt Sigrid Kasimiersch. Und wirklich, mittlerweile bestätigen zahlreiche medizinische Studien, dass diese Tanzart Muskelpartien in Beinen und Armen, Gesäß und Bauch, Rücken und Oberkörper kräftigt: sanft und effektiv zugleich. Daneben wirkt es sich äußerst positiv auf Herz und Kreislauf aus. Selbst als Schwangerschaftsgymnastik und Geburtsvorbereitung wird Bauchtanz mittlerweile von Ärzten und Krankenkassen empfohlen wie auch als Hilfestellung bei psychischen Problemen. »Was viele aber gar nicht wissen ist, dass vor allem die bewusste, rhythmisch durchaus gegensätzliche Aktivierung und Nutzung einzelner Körperpartien eine enorme Steigerung der Hirnleistung bewirkt«, berichtet Sabine Domke. »Na ja, ehrlich gesagt, ich schalte mein Hirn beim Tanzen total aus«, so der augenzwinkernde Kommentar von Susanne Donnerstag – und wieder wird herzhaft gelacht.

Gruppen und Trainingszeiten

Montag
18.45–20.15 Uhr  Anfängerinnen (Kursleitung Ingrid Koppmann)
18.45–20.15 Uhr  Anfängerinnen mit
Vorkenntnissen
20.15–21.45 Uhr  Auftrittsgruppe
(nach Absprache)
Dienstag
20.15–21.45 Uhr  Fortgeschrittene
Mittwoch    
20.15–21.45 Uhr  Mittelstufe    

Die Kurse stehen TuRa-Vereinsmitgliedern für ein sehr überschaubares Budget zur Verfügung.
Weitere Infos unter:
www.tura-ruedinghausen.de

Bewegte und bewegende Momente

Überhaupt gehört Lachen zu den Trainingseinheiten immer dazu, wie aber auch durchaus Augenblicke der Rührung, des sich in den Armnehmens. Susanne Donnerstag: »Was neben dem Spaß am Tanzen zählt, ist vor allem die Freundschaft. Ich habe durch die Bauchtanzgruppe darauf einen ganz neuen Blick erhalten.« »O ja«, stimmt Sigrid Kasimiersch ihr zu, »bei uns steht die Menschlichkeit im Vordergrund – auch beziehungsweise gerade in schwierigeren Momenten. Als ich beispielsweise vor einiger Zeit im Krankenhaus lag, hat mich meine Truppe besucht und mir auf dem Laptop den Tanz gezeigt, den sie extra für mich beim Training gefilmt haben – wo ich ja nun nicht bei sein konnte. Sie haben also ganz bewusst für mich getanzt. Da schossen mir sofort die Tränen in die Augen, und es hat mich gehalten in einer nicht einfachen Zeit. Gleichzeitig zeigte es mir, wie wichtig der Sport, der Tanz und eben diese Gemeinschaft für mich sind, und es stimmt mich fast etwas traurig, dass ich die Bauchtanzgruppe nicht eher für mich entdeckt habe.«

»Bei uns gibt es nur ganz normal (verrückte) Frauen«

Wobei ihr erster Besuch vor einigen Jahre durchaus mit ein wenig Irritation verbunden war. »Nun ja, es ist ja schon etwas Besonderes zu sehen, wie alle ganz locker ihren Bauch freimachen und anfangen zu tanzen, da war ich doch etwas perplex«, erinnert sie sich lachend. »Dann merkte ich aber, dass wir ja völlig sichtgeschützt trainieren. Also alles kein Problem!« »Im Gegenteil, das Tolle ist, dass wir uns ganz frei entfalten können – so wie wir sind!«, betont Susanne Donnerstag. »Wir haben viel Freude an der Sache und lassen auch andere gern daran teilhaben! Wir machen aber weder Männer an, noch wickeln wir uns um irgendwelche Stangen oder hüpfen aus Torten. Bei uns gibt es nur ganz normal (verrückte) Frauen. Dicke und dünne, alte und junge, große und kleine, faltige und glatte, die alle eines gemeinsam haben: Sie haben Spaß am Tanz!« Und wie reagieren besagte Frauen, wenn da doch mal wieder ein schräger Blick oder Kommentar von Unwissenden kommt? Ein weiteres Mal bricht die Truppe in herzhaftes Gelächter aus. »Ach wissen Sie, wir erleben schon ab und zu, dass leider manche da eine etwas oberflächliche Sichtweise haben und nicht registrieren, wie wertvoll Bauchtanz ist, gerade weil er Gesundheit und Spaßfaktor so hervorragend miteinander vereint. Und bei Kommentaren zu unseren Bäuchen reagieren wir so was von entspannt: Schönheit braucht nun mal Fläche!«

Termintipp

23. Bauchtanzfest für Frauen
30.03. · 19 Uhr
Ev. Gemeindesaal Brunebecker Str. 18
Wie jedes Jahr lädt die Abteilung des TuRa Rüdinghausen zum Bauchtanzfest für Frauen, ein Event, das mittlerweile echten Kultcharakter hat. Die Besucherinnen erwartet wie immer ein abwechslungsreiches Programm mit den unterschiedlichsten Vorführungen der fünf Gruppen. Sabine Domke: »Ein Fest auf einer heimischen Bühne in vertrauten Räumen – nicht fürs Rampenlicht, sondern für die Leidenschaft!« Erstmalig ist übrigens eine Gastgruppe aus Wittens polnischer Partnerstadt Tczew mit von der Partie.
Kostüme sind gern gesehen, aber kein Zwang, und wie üblich wird es für jeden die Gelegenheit geben, in den Pausen selbst die Hüften zu schwingen. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt.
Tipp: Wegen der geringen Bestuhlung empfiehlt es sich, Decken und Kissen mitzubringen.
Weitere Infos gibt es unter: www.bauchtanz-witten.jimdo.com

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