Sommersonne auf dem Sattel
Die Radstation der Wabe macht Lust aufs Fahrradfahren – aus Überzeugung
Auch wer das Fahrrad nicht regelmäßig als Verkehrsmittel nutzt, kommt dieser Tage vielleicht auf die Idee, sich mal wieder in den Sattel zu schwingen. Schließlich lädt die Sommer- und Ferienzeit zu sonnigen Ausflügen mit sportlicher Note ein. Doch so mancher Drahtesel steht vermutlich verstaubt in der Garage, mit platten Reifen oder aus anderen Gründen nicht mehr verkehrstüchtig. Und nun? Putz- und Flickzeug und den Schraubenschlüssel raus oder besser ein Ersatzgefährt auftreiben, leihen oder kaufen? Vielleicht ja sogar mal ein E-Bike ausprobieren?
Wir sprachen mit Thomas Strauch, dem Geschäftsführer der Wabe, die neben vielfältigen anderen Tätigkeitsfeldern auch die Radstation am Hauptbahnhof betreibt, sowie mit deren Leiter Frank Lojda. Die beiden sind nicht nur Fahrradexperten, sondern auch Überzeugungstäter, was die Förderung dieses Verkehrsmittels angeht. Und so reicht das Angebot der Radstation von der Bereitstellung bewachter Abstellplätze über die Reinigung in der Waschanlage, Inspektion und Reparaturarbeiten bis hin zur Fahrradvermietung und dem Verkauf von Gebrauchträdern.
Wir befinden uns vor dem Eingang der Station, auf der ZOB-Seite des Bahnhofs. Von hier aus geht’s nur ein paar Stufen hinunter ins Innere, wo wir Empfang, Werkstatt und Zweiradlager besichtigen. Zunächst einmal bleiben wir aber neugierig oben stehen und lassen uns von Frank Lojda die dort befindliche Waschstation vorführen. »Unsere Waschanlage ist nicht nur praktisch, sondern auch unter ökologischen Gesichtspunkten sinnvoll«, erklärt er. »Zum einen ist der Bio-Reiniger zu 100 Prozent biologisch abbaubar, zum anderen sorgt die Auffangwanne dafür, dass kein Öl und Schmutz in den Boden und damit ins Grundwasser gelangen können.« Nach wenigen Minuten übergibt er das Gefährt seiner Besitzerin, von der er es zuvor zum Zweck der Demonstration ›ausgeborgt‹ hat. Diese strahlt nun mit Fahrrad und Sonnenschein um die Wette, bedankt sich für die spontane Gratisreinigung und macht sich auf den Weg. Fünf Euro kostet die ›einfache Wäsche‹ normalerweise.
Jetzt geht es aber endlich nach unten in die ›Katakomben‹. Hier, in den Kellergewölben des Bahnhofs ist der eigentliche Ort des Geschehens, werden Räder gecheckt und repariert, werden Leih- und Gebrauchtmobile gelagert. »Die gebrauchten Räder bekommen wir in der Regel in nicht mehr fahrtüchtigem Zustand als Spende geschenkt, dann werden sie von unseren Mitarbeitern wieder auf Vordermann gebracht«, erklärt Thomas Strauch. »Zur Vermietung eignen sie sich aber nicht, denn da ist die Kundschaft anspruchsvoller«, ergänzt Frank Lojda. Aus diesem Grund hält die Station zusätzlich rund 25 neuwertige Fahrräder der Firmen Panther und Gudereit zur Vermietung bereit, doch auch spezielle Gefährte wie Tandems oder Liegeräder sind verfügbar.
Und dann ist da noch das große Thema E-Bike. Der Wabe-Geschäftsführer, der sich »bis zum 17. Lebensjahr praktisch nur mit dem Fahrrad fortbewegt« hat, ist heute ein Anhänger der seit Jahren im Trend liegenden Zweiräder mit »eingebautem Rückenwind«: »In der Praxis zeigt sich, dass das Pedelec einfach viel häufiger und auch für längere Strecken genutzt wird als die herkömmliche Variante, auch und gerade im Alltagsgebrauch. Und auch Menschen, die aufgrund körperlicher Einschränkungen nicht in der Lage zum Radfahren ohne Hilfsmotor sind, finden hier eine Lösung. In der Summe ist der E-Bike-Nutzer also nicht weniger sportlich aktiv, im Gegenteil.«
Zehn Pedelecs der Firma ›Raleigh‹ gehören zum Bestand der Radstation. Doch die Angebote zum Thema beschränken sich längst nicht nur auf die Vermietung. »Wir rüsten auch herkömmliche Räder auf Elektrobetrieb um«, berichtet Frank Lojda. »Das System der Firma Pendix ermöglicht es, fast alle handelsüblichen Fahrräder nachträglich mit Elektromotor auszustatten.«
Der neueste Service der Radstation ist der Akku-Check. Mit einem speziell für E-Bike-Batterien entwickelten Testgerät und der entsprechenden Computersoftware wird die Speicherzelle unter die Lupe genommen. »Der Akku ist ein erheblicher Kostenfaktor, aber sein Zustand eben nicht von außen erkennbar«, erklärt Thomas Strauch den Sinn des Tests, und Frank Lojda erläutert: »Bislang wurden Pedelecs meist neu gekauft, mit dem erst aufkommenden Markt für Gebrauchte wird auch die Frage des Akkuzustands noch relevanter.«
Mit dem Zeitalter des E-Bikes geht naturgemäß einher, dass Fahrräder heute in der Regel teurer sind als früher – und damit auch besser vor Diebstahl geschützt werden müssen. Hier kommen die bewachten Abstellplätze ins Spiel, die tage-, monats- oder auch jahresweise gemietet werden können. Auch dabei kommt der Standort am Hauptbahnhof, also unmittelbar im öffentlichen Nahverkehrsbereich gelegen, dem Anliegen der Radstation bzw. der Wabe entgegen, die Nutzung dieses Verkehrsmittels generell zu fördern. Denn neben Serviceleistungen für Ausflügler geht es auch um den Alltagsgebrauch, um Mobilität, etwa für Berufspendler. Und vielleicht kommt ja in dieser Hinsicht auch der eine oder die andere dieser Tage beim sommerlichen Ausflug ins Grüne auf den Geschmack, ob mit geliehenem oder in Schuss gebrachtem eigenen Drahtesel. Thomas Strauch jedenfalls ist überzeugt: »Das Rad ist ein Zukunftsthema.«
Als kommunales Beschäftigungsförderungs-Unternehmen entwickelt die Wittener Gesellschaft für Arbeit und Beschäftigungsförderung (Wabe) mbH seit 1996 in vielfältigen Bereichen neue Perspektiven für langzeitarbeitslose Menschen und ebnet ihnen den Weg (zurück) auf den Arbeitsmarkt.
Wissenwert
- die Radstation bietet auch den Transport von Fahrrädern und Gepäckstücken an.
- neben der Station am Hauptbahnhof betreibt die Wabe eine weitere Radstation im Herdecker Stadtkern, direkt am Ruhrtalweg.
- Mit den ›ruhrtalRangern‹ unterstützen auch noch andere Mitarbeiter der Wabe die Belange der Radwanderer: Sie sorgen für die Sicherheit und Qualität des Ruhrtalweges (etwa durch Beseitigung von Schäden oder Beschneidung von Pflanzen, die wichtige Hinweisschilder überragen), helfen bei kleinen Unfällen und Pannen und informieren über die Wegstrecke – aber auch über Regeln im Naturschutzgebiet.
Weitere Infos über die Radstation: www.wabembh.de
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