Stadtmagazin Witten: Kunst und Kultur

Romanik

Foto(s) zum Vergrößern anklicken

Quellenangabe in den Vergrößerungen

Architektonische Zeitreise durchs Ruhrgebiet

Das Ruhrgebiet ist keineswegs nur eine Region von Zechen und Schwerindustrie oder gar eine nur durch Kohlehalden geprägte Landschaft, sondern eine alte Kulturregion, von der unter anderem auch architektonische Impulse für die kulturelle Entwicklung Deutschlands ausgingen und immer noch ausgehen. In vielen Städten des Ruhrgebiets findet man Beispiele verschiedenster Epochen, von der Romanik und Gotik über Barock und Renaissance sowie Klassizismus und Historismus bis hin zum Brutalismus und der Moderne. Frei nach dem Goethe-Zitat ›Wozu denn in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah‹ soll in einer Artikelserie auf besonders interessante und sehenswürdige Objekte aus den verschiedenen Bauepochen in der näheren Umgebung von Witten und im Ruhrgebiet aufmerksam gemacht werden.

Die ältesten Baudenkmäler in unserer Region stammen aus der Zeit der Romanik (700 bis 1300 n.Ch.). Der Baustil der Romanik weist regionale Variationen und Besonderheiten auf, trotzdem findet man einheitliche Grundformen an allen Bauten wieder. Die Baukörper setzen sich aus klaren geometrischen Kuben zusammen. Sie wirken wuchtig und wehrhaft. Die mächtigen Mauerflächen, meist aus schweren, massiven Steinquadern errichtet, werden von kleinen Fenstern durchbrochen. Markant sind die Rundbogen an Portalen und Fenstern. So wie bei den Griechen im Altertum das Erbauen von Tempeln im Mittelpunkt der Architektur stand, waren es in der Romanik die Kirchen. Das Hauptthema der romanischen Architektur ist also der Sakralbau. Bekannte Beispiele in Deutschland sind u. a. die Dome von Speyer, Worms und Bamberg. Auftraggeber für Künstler und Architekten war demnach die Kirche. Und da zur damaligen Zeit nur Gott und Kirche zählten, wurden in der Regel weder Künstler noch Baumeister namentlich erwähnt.
Zwar liegen auch die Ursprünge der ältesten Kirche Wittens, die Johanneskirche, in der Zeit der Romanik, allerdings ist außer den Grundmauern des Turmes nichts mehr aus dieser Zeit erhalten.

Ein eindrucksvolles Beispiel dagegen ist die nur wenige Kilometer von Witten entfernte Stiepeler Dorfkirche in Bochum. Obwohl sie bereits auch einige gotische Elemente im Baukörper aufweist, ist sie in ihrem Kern romanisch (Abb. 1). Überregional bekannt und kunsthistorisch wichtig ist sie auf Grund ihrer bedeutenden Wandmalereien, Fresken aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Decke, Triumphbogen und Apsiden sind mit biblischen Szenen aus dem neuen Testament gestaltet. So etwa in der nördlichen Apsis die Darstellung des bethlehemischen Kindermordes (Abb. 2) und die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten. Die Darstellungen bestechen nicht nur durch ihre eigene Dramatik, sondern auch durch die Farbgestaltung in Terra Siena, ein gelbes bis rotbraunes Farbpigment.
Ihren romanischen Charakter behielt auch trotz der vielen Umbauten und Veränderungen über die Jahrhunderte die ›Alte Kirche‹ in Dortmund Wellinghofen (Abb. 3) – ein sakrales Kleinod der Region. Neben einem Freskofragment sind auch eine romanische Seitenapsis, ein romanisches Fenster und der Taufbrunnen (Abb. 4) aus den Anfängen des Kirchenbaus erhalten. Im Kirchturm läutet übrigens bis heute immer noch eine Glocke, die im 13. Jahrhundert gegossen wurde.

Einen Besuch wert ist die lange Zeit als älteste Pfarrkirche nördlich der Alpen geltende Luciuskirche in Essen-Werden (Abb. 5). Die Architektur der flachgedeckten Basilika imponiert als wehrhafter Bau mit kleinen Rundbogenfenstern, was insbesondere durch den wuchtigen, geradezu festungsartigen und quadratischen Westturm und die vorgelagerte Vorhalle betont wird. Im Inneren gliedern runde und eckige Säulen das dreischiffige Langhaus, eine Säulenanordnung, die für die rheinische Romanik typisch ist (Abb. 6).

Unweit von Essen in Duisburg Hamborn liegt die im 12. Jahrhundert gegründete Abtei Hamborn mit ihrer dreischiffigen Basilika, eine Gründung des Prämonstratenser-Ordens. Das hier besonders Sehenswerte und für das Ruhrgebiet Einzigartige sind Teile des zwischen 2006 und 2008 restaurierten romanischen Kreuzgangs (Abb. 7). Er zählt nämlich zu den frühesten und baugeschichtlich wichtigsten Kreuzganganlagen in der Rheinprovinz.

Facebook Logo  diese Seite auf Facebook teilen0