Stadtmagazin Witten: In der Stadt

Kaffee, Kuchen, Kunst und Kultur

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Wie der Verein ›Bündnis für Buchholz‹ die Dorfkirche vor Ort am Leben erhält

Vier Jahre ist es bald her, dass der Kirchenkreis Hattingen-Witten die geplante Schließung der Dorfkirche in Buchholz bekanntgab. Mit dem Vorruhestand des damaligen Pfarrers sollte ab Mitte 2015 auch das Ende des Standortes besiegelt sein und das Gotteshaus aufgegeben werden, eine radikale, aber nicht ungewöhnliche Maßnahme, zu der sich die Kirche angesichts allgemeiner Sparzwänge und rückläufiger Mitgliederzahlen vor Ort genötigt sah. Heute ist das durchaus malerische Kirchengebäude, das im Jahre 1957 eingeweiht und fast 58 Jahre lang zu gottesdienstlichen Zwecken genutzt wurde, zwar entwidmet, wie es kirchenrechtlich heißt, aber weder abgerissen noch verkauft wie seinerzeit geplant. Stattdessen lebt es weiter und wird nach wie vor als kultureller Treffpunkt für die Menschen der Gemeinde Buchholz gepflegt und belebt. Denn das ›Bündnis für Buchholz‹, ein gemeinnütziger Förderverein zur Erhaltung des Kirchengebäudes, trägt nun die Verantwortung für seine Nutzung und Instandhaltung.

Die evangelische Kirche ist nach wie vor Eigentümerin und unterstützt das Projekt, indem sie rund ein Drittel der jährlichen Fixkosten beiträgt. Den Rest, ca. 10.000 Euro im Jahr, bringt der Förderverein auf, u. a. durch die zahlreichen Veranstaltungen, die hier stattfinden. Mit Peter Niemann und Helmut Gaul treffen wir den Vorsitzenden und den Geschäftsführer des rund 120 Mitglieder starken Vereins zum Gespräch. Schatzmeister Erich Wiggers kann nicht dabei sein; allerdings ist seine Frau Barbara vor Ort – wenn auch in anderer ›Mission‹. Sie bittet uns, vom Gemeinderaum in das kleinere Gruppenarbeitszimmer nebenan umzuziehen. Denn wie an jedem letzten Mittwoch im Monat bereitet sie nun zusammen mit Margit Gaul und Karin Tüttemann die größere Räumlichkeit für das Kaffeetrinken vor, das um 15 Uhr starten und zahlreiche meist alteingesessene Buchholzerinnen zum Klön- und Kuchengenuss versammeln wird.

»Die Gemeinschaft pflegen, die Gemeinde erhalten«, so bringt Helmut Gaul die Aufgabe des Vereins auf den Punkt. Wobei das Wort Gemeinde eben nicht mehr im rein kirchlichen Sinne zu verstehen ist, sondern in seiner noch ursprünglicheren Bedeutung, nämlich der lokalen Verbundenheit. Und so behalten die Menschen vor Ort auch nach der Schließung der Kirche als Gotteshaus eine Verbindung zu dem Gebäude, das gleichsam als verbindendes Element fungiert und das örtliche Miteinander erhält und fördert.
Auch den Buchholzer Vereinen und kirchlichen Gruppen, die die Räumlichkeiten schon lange regelmäßig genutzt hatten, blieb dieses Zuhause dank des Fördervereinengagements erhalten. So treffen sich z. B. jeden Freitag die Sänger des MGV Deutsche Eiche 1880 Hammertal e.V. zur Probe in jenem unter der eigentlichen Kirche gelegenen Gemeinderaum, der während unseres Gesprächs vom eingespielten Frauenteam nebenan zum Kirchencafé umdekoriert wird. Auch der Damenchor Hammertal-Buchholz und der Gospelchor ›SingHalleluja‹ sind hier beheimatet.

Einmal monatlich wird im Gemeinderaum zum beliebten ›Käse & Wein‹-Abend geladen. In gemütlichem Ambiente und – wie der Name schon sagt – begleitet von einem kleinen kulinarischen Angebot, wird informiert und vorgetragen, unterhalten oder auch diskutiert. Am 12. April zum Beispiel wird Hobbybiologe und -fotograf Fritz Müller das Thema ›Heimische Reptilien‹ behandeln. Der Remscheider ist ein guter Freund und tatkräftiger Unterstützer des Fördervereins. Vom ›Reisebericht über die alte Römerstraße Via Egnatia‹ über den ›Informationsabend über Pflegegeld, Patientenverfügung etc.‹ bis hin zu launigen Nikolaus- und Weihnachtsgeschichten, die Veranstaltungsreihe ist vielfältig, interessant, lehrreich und überdies äußerst kurzweilig. Übrigens wird kein fester Eintrittspreis genommen, stattdessen auf die freiwillige Spendenfreudigkeit der Gäste gesetzt.

Größere Veranstaltungen finden im eigentlichen Kirchraum statt wie beispielsweise eine politische Talkrunde mit der damaligen Landtagspräsidentin Carina Gödecke und der bekannten Moderatorin Carmen Thomas. Doch auch Kunst und Kultur werden geboten, Konzerte mit lokalen Chören etwa oder Musikschulgruppen aus Witten und Hattingen. Über mangelnden Publikumszuspruch kann das Bündnis für Buchholz dabei nicht klagen. »Zusätzlich zu den Mitgliedern haben wir noch einen Stamm von etwa 100 ›Sympathisanten‹, die regelmäßig Interesse an unserem öffentlichen Veranstaltungsangebot zeigen«, erläutert Helmut Gaul. Gern dürfen es natürlich noch mehr werden ...

Neben den selbst organisierten Veranstaltungen werden die Räumlichkeiten auch für passende Anlässe vermietet. »Das sind Tagungen und Seminare ebenso wie Familienfeste«, sagt Peter Niemann, und Helmut Gaul ergänzt: »Trauerfeiern finden hier statt, aber auch kirchliche Trauungen sind wieder möglich, gern mit anschließender Feier im Kirch- oder Gemeinderaum.« Wie lange das ehemalige Gotteshaus noch durch das Bündnis für Buchholz erhalten werden kann, ist indes unklar. Zum einen ist die Vereinbarung zwischen der evangelischen Kirche und dem gemeinnützigen Verein zunächst auf fünf Jahre begrenzt. Und sollten in diesem Zeitraum unvorhergesehene Zusatzkosten entstehen (etwa durch ein marodes Kirchendach), kann sich die Sachlage auch schnell ändern. Zum anderen hat der Förderverein – wie viele andere Vereine auch – ein Nachwuchsproblem: »Wenn die aktuelle Vereinbarung Ende 2020 ausläuft, werden wir über achtzig Jahre alt sein«, berichtet Peter Niemann über sich und die anderen Hauptverantwortlichen im Vorstand. Neue engagierte Mitstreiter und -macher sind also absolut erwünscht, doch gleichzeitig weiß der Vereinsvorsitzende: »Für Ehrenamtliche, die noch im Berufsleben stehen, ist es wohl etwas schwieriger, das Maß an Engagement aufzubringen, das nötig ist, um solch ein Projekt stetig am Laufen zu halten – aber es ist durchaus möglich!«

Helmut Gaul, jahrelang auch engagierter Presbyter sowie Baukirchmeister in Herbede, bezieht es durchaus auch auf das Gebäude selbst, wenn er meint: »Es ist lohnenswert, diese Kirche zu erhalten.« Dennoch stellt die Aussicht, dies nicht ewig leisten zu können, den Sinn der aufwendigen Arbeit auf keinen Fall in Frage. »Dass wir das jetzt seit Anfang 2016 geschafft haben, ist eine Erfolgsgeschichte«, stellt er fest, und so geht es einfach weiter darum, tagtäglich den Menschen und Gruppen in und um Buchholz eine Bleibe zu geben. Und dabei auch die positive Wirkung zu sehen, die die aktuelle Situation mit sich bringt: »Das Gemeindeleben ist jetzt intensiver als früher«, da sind sich Helmut Gaul und Peter Niemann einig.

Die nächsten Termine

12.04.18, Käse & Wein · Heimische Reptilien
22.04.18, Café-Konzert bei Kaffee und Kuchen mit mehreren Gruppen
28.04.18, Maibaum-Potten
09.05.18, Frühlingssingen · MGV Deutsche Eiche, Damenchor, Gospel-Chor SingHaleluja
10.05.18, MGV Deutsche Eiche · Vatertag
30.05.18, Kirchen-Café

Weitere Informationen unter www.buendnis-fuer-buchholz.de