Stadtmagazin Witten: Kunst und Kultur

Jetzt schlägt’s 13!

Foto(s) zum Vergrößern anklicken

Quellenangabe in den Vergrößerungen

Kultur auffem Hügel

Im Januar 2005 startete die Veranstaltungsreihe ›Kultur auffem Hügel‹ im evangelischen Gemeindehaus in Heven. Mittlerweile ist das Konzept ein echter Selbstläufer geworden. Ausverkauft – so hört man immer wieder schon kurz nach Bekanntgabe einzelner Programmpunkte. Jürgen Becker, Kalle Pohl, Ursula Böhmer, der Obel, Matthias Reuter, Sia Korthaus ... Zahlreiche Kleinkunstgrößen haben die Bühne am Steinhügel zu einer ihrer Lieblingswirkungsstätten erkoren. Es ist viel geschehen seit der Premiere vor 13 Jahren: gemütliche Abende, aufregende Events, laute und leisere musikalische und wortakrobatische Höhepunkte – aber auch der sehr einschneidende Moment, als Ideengeber und ›Kultur auffem Hügel‹-Macher Micki Wohlfahrt vor knapp zwei Jahren plötzlich und viel zu früh verstarb. Wie geht es nun weiter, fragten sich zahlreiche Wittener. Geht es überhaupt weiter? O ja, es ging und es geht nach wie vor weiter. Wir sprachen mit Ursula Boyer und Bernd Schmitz – beide von der ersten Stunde an mit Hand und Herz dabei – sowie mit Leslie Sternenfeld, der vor anderthalb Jahren die ›künstlerische Leitung‹ und Moderation übernahm.

Back to the roots: Wie fing es damals eigentlich an?

Bernd Schmitz: Bei uns in der Gemeinde hier am Steinhügel ist seit jeher viel los. Über dreißig Jahre haben wir in der Kinder- und Jugendarbeit immer Spaß gehabt und so einiges auf die Bühne gestellt. Irgendwann kam halt der Gedanke auf, eine eigene Veranstaltungsreihe zu initiieren: Kultur über Gott und die Welt vor Ort zu einem akzeptablen Preis – dabei war auf jeden Fall Micki federführend bezüglich Idee und Konzept.

Ursula Boyer: Eines Tages meinte er in typischer Manier: »Ich hab’ da mal was!« Der Name ›Kultur auffem Hügel‹ war gefunden, Bernd entwarf kurzerhand das Logo und los ging’s.

Bernd Schmitz: Wir waren uns über viele Einzelheiten schnell einig. Auf keinen Fall sollte es eine starre Veranstaltung mit festen Stuhlreihen werden. Vielmehr dachten wir an eine gemütliche, kommunikative Atmosphäre mit Tischen, mit einem Gläschen Bier oder Wein und kleinen Leckereien. Schon stand wieder eine Frage im Raum: Darf man das überhaupt? Alkohol während einer Vorstellung? Bei Kirchens?

Ursula Boyer: Auf jeden Fall etablierte sich die Reihe sehr schnell. In einem Ausmaß, dass wir schnell merkten: Wir brauchen unbedingt eine Bühne! Wir benötigen eine professionelle Lichttechnik. Und wieder wurde überlegt und diskutiert, unter uns, aber auch mit anderen Gemeindemitgliedern und -gruppen. Tatsache ist: Der Bühnenbau war und ist eine gute Sache, die auch für Gemeindeveranstaltungen, insbesondere von den Kinder- und Jugendgruppen hervorragend geeignet ist.

Kirche und/oder Kabarett?

Bernd Schmitz: Wir haben hier in der Gemeinde grundsätzlich eine starke Affinität zur Kultur, dieser Bereich war immer existent. Und doch war bei uns auch der Wunsch präsent, kirchenferne Besucher anzulocken, über Kultur und Kabarett Begegnungen zu ermöglichen, eventuelle Hemmschwellen abzubauen und Menschen einen neuen Weg zu eröffnen, ihre Gemeinde vor Ort kennen zu lernen.

Ursula Boyer: Anfänglich lag der Schwerpunkt sehr auf dem Bereich Kirchenkabarett, ein damals wichtiges und viel genutztes Ventil für Pfarrer und Kirchenmitarbeiter, Aspekte, Probleme, aber auch witzige Momente ihrer Tätigkeit zu verarbeiten. Peu à peu jedoch tendierte es vom reinen Kirchenkabarett zur allgemeinen Kleinkunst. Micki kannte ja nicht zuletzt durch seine eigene nebenberufliche künstlerische Arbeit – unter anderem gemeinsam mit Thorsten Schröder im klerikalen Kabarett Kommando K3 – zahlreiche Kabarettisten, Comedians und Musiker. »Ich hab’ da jemanden«, so kam er immer wieder an – ich höre es noch wie heute –, und wir haben ihm voll und ganz vertraut. Zu Recht: Er hatte ein ungemein gutes Gespür dafür, wer mit welchem Programm zu uns hier in Heven passen würde.

Stand mit dem Verlust von Micki Wohlfahrt die Fortführung der Reihe infrage?

Ursula Boyer: Nach Mickis Tod waren wir, war alles wie gelähmt. Wir waren uns nicht sicher, ob wir weitermachen wollen, ob wir das schaffen und können, aber auch, ob überhaupt noch Besucher kommen würden.

Leslie Sternenfeld: Wir alle mussten das erst einmal sacken lassen. Die 150. Veranstaltung stand bevor, auch weitere Abende waren fest geplant und teils bereits ausverkauft.

Bernd Schmitz: Da war uns doch schnell klar: Nein, es ist nicht vorbei! Diese 150. Vorstellung geht auf jeden Fall über die Bühne. Wir baten dann Leslie Sternenfeld,  die Moderation zu übernehmen. Er war ja schon seit längerem ein fester Bestandteil von ›Kultur auffem Hügel‹, hat bei uns mehrere Auftritte gehabt, aber auch im Laufe der Zeit mit Micki selbst immer enger künstlerisch zusammengearbeitet.

Leslie Sternenfeld: Wobei die erste Vorstellung ohne ihn für mich schon eine enorme Herausforderung war. Nahezu jeder im Publikum, aber auch der Solist – Jens Heinrich Claassen – kannte Micki persönlich. Man kann sich vorstellen, wie angespannt und emotional die Atmosphäre war. Meine Aufgabe: Trau dich, das Thema anzusprechen, hab’ den Mut über Micki zu reden – aber so, dass es neben traurigen Momenten auch eine schöne, erinnernswerte Seite hat und in dieser Erinnerung an den unnachahmlichen Typus mit seiner ganz eigenen Sprache und seinem Humor der Abend positiv weitergeht.

Wie sieht es jetzt aus? Hat sich am Konzept zwischenzeitlich etwas verändert?

Bernd Schmitz: Die 150. Vorstellung war auf jeden Fall ein voller Erfolg, und wir entschieden uns spontan, erst einmal ein halbes Jahr am Ball zu bleiben und zu schauen, wie es angenommen wird. In Leslie haben wir glücklicherweise einen neuen Kopf und Chef gefunden – das passt hervorragend. Und so können wir mit Freude sagen, dass es nach wie vor richtig gut läuft. Unser Konzept ›Mischung aus gut und günstig‹ geht immer noch auf.

Leslie Sternenfeld: Unser Ziel war und ist es, Kultur mit guten, handverlesenen Comedians und Kabarettisten zu einem bezahlbaren Preis anzubieten, die auch von Besuchern angenommen werden kann, die es sich sonst nicht leisten können. Wichtig ist, dass die Künstler zu uns passen, auch menschlich, vor allem jedoch mit einem stimmigen Programm: Kabarett gern in Kombination mit Musik – die Mischung macht’s. Nur reiner Schlager zum Beispiel geht nicht, aber mit Schalk im Nacken und Idee im Hirn zündet selbst der schlageresque Rhythmus.

Was würde Micki da oben auf seiner Wolke zur heutigen ›Kultur auffem Hügel‹ sagen?

Bernd Schmitz (schmunzelt): Ich bin mir sicher, er macht da gerade ein eigenes Programm daraus und darüber.

Ursula Boyer: Ich vermute, er lacht und ist glücklich, dass es weitergeht.

Leslie Sternenfeld: Ja, und sein Kommentar wäre: Macht ihr mal!

Premiere

Leslie Sternenfeld feiert übrigens selbst bei ›Kultur auffem Hügel‹ demnächst eine eigene, weitere Premiere. Gemeinsam mit dem Schriftsteller und Erzähler Robert Pfeffer aus Bergisch-Gladbach kabbelt er munter über Rhein und Ruhr: Partnerlausch. Nomen ist Omen: zwei definitiv feingeistige Sprachfanatiker in einem lauschigen Partnertauschplausch. Wir sind gespannt! Es wird übrigens gemunkelt, das Publikum dürfe selbst auch aktiv werden ... Moment einmal, das dürfen wir vermutlich gar nicht verraten, dann wäre es ja nicht spontan. Von daher unser Tipp: Nichts wie hin am 14. April! Weitere Infos unter: www.partnerlausch.de

Die nächsten Termine

17.02., 20 Uhr
Lioba Albus: Von der Göttin zur Gattin
10.03., 20 Uhr
Kai Bettermann: Schlager, Stars und watt von Liebe
14.04., 20 Uhr
Partnerlausch: Furiose Fehltritte
12.05. 20 Uhr
›Sir‹ Oliver Mally: Live in Concert
02.06., 20 Uhr
Sia Korthaus: Lust auf Laster
Selbstverständlich dürfen sich die Besucher auch auf die äußerst beliebten Mett- und Lachsbrötchen freuen. Zu ›Kultur auffem Hügel‹ gehört nach wie vor das kleine handgemachte kulinarische Programm.
Weitere Details zu Programm und Tickets finden sich unter www.steinhuegel.de sowie bei Facebook www.facebook.com/steinhuegel.de