Stadtmagazin Lünen: In der Stadt

Lüner Legenden

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Von ›Goldpöttken‹ und lodernden Flammen

Vergrabenes Gold und verwunschene Edelsteine, sagenhafte Vermächtnisse verstorbener Könige und Kriegsherren: Schätze haben uns Menschen zu allen Zeiten fasziniert. Neben der Aussicht auf unfassbaren Reichtum ist es wohl der Reiz Verbotenen, der die Anziehungskraft entsprechender Mythen und Legenden ausmacht. Denn wo magisches Gold auftaucht, kann der Teufel nicht weit sein …

Lünens berühmtester Schatz ist natürlich der des Heidekönigs, welcher in einem dreifachen Sarg aus Gold, Silber und Eichenholz ruhen soll. Mit dem Leichnam seien viele kostbare Schätze der Erde anvertraut worden, heißt es in alten Überlieferungen. Bislang ist es zwar noch keiner Menschenseele geglückt, das Grab, welches sich irgendwo in der Alstedder Heide befinden soll, ausfindig zu machen. Dabei kann es eigentlich gar nicht so schwer sein: Wer sich traut, braucht bloß den Geistern der alten Hünen zu folgen, die bei Nacht unter schauerlichem Rauschen und Rufen zur Totenstätte ihres Helden ziehen …

Ein wiederkehrendes Motiv in vielen lokalen Legenden ist das Schatzfeuer, welches nur in der Dunkelheit, oft zur Mitternachtsstunde zu sehen ist. Kohlen, die von diesem Feuer entwendet werden, verwandeln sich üblicherweise in Goldmünzen. Entdeckt werden solche Schätze (›Goldpöttken‹) zumeist von frommen, rechtschaffenen Personen, die eine besondere Hellsichtigkeit besitzen und denen im Leben kein Reichtum beschert ist, etwa Knechte, Mägde oder Bauern.

Der Sage nach vergrub der Besitzer des Schulzenhofes Altcappenberg in einer stürmischen Nacht seine goldenen und silbernen Besitztümer in der Obstwiese, um sie vor den gierigen Landsknechten zu retten. Er wurde kurz darauf erstochen und nahm sein Geheimnis mit ins Grab. Jahrzehnte später residierte eine andere Familie auf dem Anwesen. Deren Magd erspähte früh morgens ein kleines Feuer im Gras, welches sie mit einer eisernen Schaufel aufnahm und auf den Herd schüttete. Da schlug die Hausuhr eins. Weil sie geglaubt hatte, es sei später, bettete sich die fleißige Frau noch einmal zur Ruhe. Als sie um fünf Uhr abermals die Küche betrat, lag auf dem Herd ein großer Haufen gemünztes Gold.

Weniger Glück hatte ein Knecht auf dem Hause Nierhofen, der mitten in der Nacht hinter der Scheune einen flackernden Schein erblickte. Er wusste sofort, dass es keine natürlichen Flammen waren, und fürchtete sich. Statt etwas zu unternehmen, merkte er sich die Stelle, um im Hellen zurückzukehren. Doch am nächsten Morgen hatte das Feuer keine Spuren hinterlassen. Hätte er die Flammen bei Nacht mit einem Stock umgerührt, hieß es, hätte er sicher einen Haufen Goldstücke vorgefunden.

Pech hatte auch der Knecht, der am späten Abend mit seinem Gespann vom Felde kam und ein Feuerchen am Wegesrand brennen sah. Weil sich die Pferde sträubten, stieg er ab und marschierte in Richtung der Feuerstelle. Da wurde er plötzlich von einem mit Korn beladenen Wagen überholt, welcher umzustürzen drohte. Der Mann schrie auf, worauf das Feuer und der Wagen verschwanden. Wäre er still geblieben, hätte der Schatz ihm gehört.

Ein anderer Landwirt aus Gahmen, der spät in der Nacht aus Münster heimkehrte, wo er seine Steuern bezahlt hatte, beobachtete auf einer Wiese ein Leuchten, welches er für ein Hirtenfeuer hielt. Er entwendete ein Stückchen Glut und steckte es auf seine Pfeife, doch diese wollte sich nicht entzünden. Als ihn am nächsten Morgen nochmals die Lust auf sein Pfeifchen packte, lag in dem Pfeifenkopf ein funkelndes Goldstück.

Ähnlich erging es dem Knecht aus Oberfelde, der am Samstag seine Braut besucht hatte und auf dem Acker helle Flammen lodern sah. Er nahm eine glühende Kohle heraus, legte sie auf seine Pfeife, doch sie brannte nicht. Zurück am Haus hockte auf dem Treppenstein ein großer Ziegenbock. Der Knecht glaubte, das Tier wäre aus dem Stall ausgebrochen und wollte es zurücktreiben, doch es widersetzte sich heftig. Am Sonntag versuchte er erneut, die Pfeife anzuzünden, und siehe da: es befand sich eine Münze darin. Nach weiterem Suchen entdeckte der Bursche auf dem Acker noch ein zweites Goldstück. Da wusste er, dass es sich bei dem Feuer um ein ›Goldpöttken‹ gehandelt hatte und dass der Ziegenbock der Teufel gewesen war.

Ein anderer Knecht aus Lanstrop stolperte auf dem späten Heimweg über ein Feuerchen, an dem ein schönes Mädchen saß, welches ihn einlud, sich zu ihm zu setzen. Der junge Mann war aber einer frommen Dienstmagd versprochen. Statt auf das Geschwätz der Fremden zu achten, ging er schnurstracks auf die Flammen zu, scharrte sie auseinander und füllte die Glut in seine Taschen. Als er die Taschen am nächsten Morgen leerte, fielen viele Gold- und Silbermünzen heraus. Von dem Geld erwarb er einen kleinen Hof, heiratete seine Verlobte und war sein Leben lang mildtätig gegenüber armen Leuten.

Quelle:
Fredy Niklowitz, Wilfried Heß, Dr. Widar Lehnemann (Hrsg.): ›Hundert und eine Erzählung. Sagen, Legenden und Geschichten aus dem Raum Lünen‹ (Lünen 2016)

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