Stadtmagazin Lünen: In der Stadt

Geister auf geweihtem Grund

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Viele Gespenstergeschichten handeln von lasterhaften Seelen, dazu verdammt, die Orte ihrer Sünden nach dem Tode heimzusuchen. In diesen Geschichten scheint ein sittsames, gottesfürchtiges Leben im Schutz der Kirche die beste Abwehr gegen Geister und Dämonen zu sein. Doch es existieren auch andere Legenden. Legenden, in denen der Spuk an der Schwelle zu geweihtem Boden keineswegs haltmacht. Legenden, in denen Glaube und Aberglaube zu haarsträubenden Horrormärchen verschwimmen ...

So schilderte der Christ Hermann Möller, wie er als 13-Jähriger dem Küster der Herz-Jesu-Gemeinde bei den Messevorbereitungen zur Hand ging. Eines Tages sollte die Tumba für eine Totenmesse aufgestellt werden. Der Küster und sein junger Gehilfe begaben sich im Morgengrauen in die Kirche. Im Altarraum erschien den beiden plötzlich die Gestalt der Toten, die am nächsten Tag begraben werden sollte: Mit gefalteten Händen starrte sie auf die Tumba. Die erschrockenen Männer flohen aus dem Gotteshaus. Draußen erstatteten sie dem Pastor Bericht. Dieser meinte, sie hätten die Gestalt zum Nachsprechen eines bestimmten Gebetes auffordern müssen. An den genauen Wortlaut konnte sich Hermann Möller indes nicht mehr erinnern.
Eine unheimliche Begegnung widerfuhr demselben Erzähler in Höhe des Friedhofs: Nach dem Tod des alten Wigge wollte Hermann Möller dessen Sohn in Lünen-Süd besuchen. Es war bereits später Abend, als er sich mit dem Fahrrad aufmachte. Beim Gottesacker zeigte sich der dunkle Geist des Verstorbenen. Im gleichen Moment versagten alle Lichter am Fahrrad.
Gespukt hat es auch auf dem Kirchhof in der Altstadt: Unzählige Frauen und Mädchen aus Lünen schworen Stein und Bein, hier in mondhellen Nächten eine weiß gekleidete Dame gesichtet zu haben. Zunächst hielten sie sie für eine gewöhnliche Ordensschwester, die sich zu später Stunde die Füße vertreten wollte. Für Befremden sorgte, dass die weiße Dame die Marienstraße überquerte und durch die Hecke, die vor ihr zur Seite wich, schnurstracks auf den Friedhof marschierte.

Vor dem Krieg sorgten gruselige Vorgänge im Kurler Pfarrhaus für Gänsehaut und Spekulationen. Nachbarn munkelten, das Gebäude sei nachts hell erleuchtet gewesen und ein fremder Herr in schwarzer Kleidung sei mit einem Buche durch die Zimmer geschritten. Sehr mysteriös!

Auch auf dem sogenannten ›Mönchspfad‹, auf dem die Ordensbrüder einst von Kurl nach Dortmund wanderten, war man nicht sicher vor den Heimsuchungen durch böse Geister. Als der alte ›W.‹ aus Kurl dem Pfad in Höhe der Gemeinde Grevel folgte, tauchte neben ihm ein weißes Schäfchen auf, welches ihn kurz begleitete und ebenso plötzlich wieder verschwand. Später vertraute ›W.‹ das Erlebnis einem Pastor an. Der Geistliche hielt das Schäfchen für einen Todesboten. Tatsächlich segnete ›W.‹ einige Wochen darauf das Zeitliche.

Der Kirchweg von Altenderne nach Kirchderne führte durch eine kleine Senke, die Sichte. Hier erschien bei Nacht eine weiße Gestalt, die sich an die Fersen argloser Fußgänger heftete. Ging man zur Seite und blieb stehen, verschwand der Spuk für gewöhnlich. Trotzdem jagte er vielen Menschen Angst ein. Der alte Maurermeister ›K.‹ aus Kirchderne, dem die Erscheinung einmal begegnet war, ging unter keinen Umständen mehr am Abend hierher.

In manchen Fällen ließen sich Geister mithilfe christlicher Riten austreiben. So geschah es bei einem neugeborenen Kind in Nordlünen, das von einem bösen Dämon gequält wurde. Es schrie Tag und Nacht. Die arme Mutter wusste nicht mehr ein noch aus, denn äußerlich fehlte dem Schreihals nichts. Da rieten die Nachbarn der jungen Frau, eine heilige Messe lesen zu lassen. Sie befolgte den Rat und hatte fortan ein ruhiges Kind. Der Geist war gebannt.

Tausend sagenhafte Seiten

Hexen auf Cappenberg, der Teufel in Schwansbell, Geister im Haus Wilbring – der Boden rund um Lünen ist getränkt mit uralten Geschichten. Unheimlich und erbaulich, lehrreich und vergnüglich erzählen sie von unerschrockenen Rittern, pfiffigen Bürgern und standhaften Pfarrern. Auf der Suche nach dem wahren Kern sind drei Lüner Historiker – Fredy Niklowitz, Wilfried Heß und Dr. Widar Lehnemann – zehn Jahre lang hundertundeiner Erzählung auf den Grund gegangen. Zwischen überwucherten Ruinen, vergessenen Ortsnamen und alten Urkunden entdeckten sie eine Geschichte vom Leben an der Lippe, wie sie nie zuvor aufgeschrieben worden ist.

Das Buch ›Hundert und eine Erzählung – Sagen, Legenden und Geschichten aus dem Raum Lünen‹ ist ab dem 7. November erhältlich, unter anderem im Stadtarchiv Lünen, in der ›Lippe Buchhandlung‹ und bei Thalia in der Lange Straße.

Veranstaltungen

31.10. · 19 Uhr · St. Marien-Kirche
Stadtführungen zu sagenhaften Orten in Lünen*

05.11. ·  11 Uhr · Stadtkirche St. Georg
Buchvorstellung

06.11. ·  11 Uhr · Stadtkirche St. Georg
Juden – Gäste? Fremdlinge? oder mehr?

08.11. · 19 Uhr · St. Marien-Kirche
Stadtführungen zu sagenhaften Orten in Lünen*

13.11. ·  11 Uhr · Stadtkirche St. Georg
Krieg: Tod – Not – Rettung
Gottesdienst Stadtkirche St. Georg

15.11. ·  18.30 Uhr · Käthe-Kollwitz-Gesamtschule
Sagen erzählen Lüner Geschichte**    Lünen

16.11. ·  11 Uhr · Stadtkirche St. Georg
Stadtbrand – Eine Strafe Gottes?

21.11. ·  19.30 Uhr · Lippe Buchhandlung
Lesung

*Anmeldung Stadtmarketing, Tel. 0 23 06 / 1 04-17 78
** Anmeldung VHS, Tel. 0 23 06 / 1 04-27 23

Weitere Informationen unter: www.luenen.de/stadtarchiv

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