Von Steinkäuzen und Schleiereulen
Wie Lüner UmweltschützerInnen die Natur vor unserer Haustür bewahren
Ein Bauernhof am Rande von Lünen. In acht Metern Höhe machen sich die Ehrenamtlichen des Arbeitskreises für Umwelt und Heimat e. V. unter dem Scheunendach zu schaffen: Sie überprüfen die Nistkästen für Schleiereulen, die hier vor Jahren angebracht wurden. Eine wackelige, nicht ganz risikofreie Angelegenheit – und ein wertvoller Beitrag zum Erhalt des ökologischen Gleichgewichts.
Unter einem Dach
»Die nachtaktive Schleiereule war früher bei den Landwirten hoch angesehen, weil sie die Mäuse jagte, die sich zuhauf im eingelagerten Getreide tummelten«, erklärt der Vereinsvorsitzende Willi Dickhöfer. »Viele Scheunendächer verfügen bis heute über sogenannte Eulenlöcher – kleine Giebelöffnungen, die als Einflugschneise dienen. Doch die Zahl der Höfe mit Heuböden und Kornspeichern nimmt beständig ab. Damit schwindet auch der Lebensraum der Eulen, Nahrung ist nicht mehr im Überfluss vorhanden. Wir stellen in den wenigen verbliebenen Scheunen Brutkästen auf, checken diese in regelmäßigen Abständen, zählen die Jungtiere und geben unsere Daten an den Kreis weiter.«
Ortung mit moderner Technik
Insgesamt 60 Standorte mit Nisthilfen für Schleiereulen und Steinkäuze betreut der Arbeitskreis für Umwelt und Heimat e. V. in der ganzen Stadt Lünen plus angrenzender Gebiete sowie Herbern im Kreis Coesfeld. Dabei machen sich die UmweltschützerInnen moderne Technik zunutze: Brutplätze werden digital erfasst und bei den Kontrollgängen mit einer speziellen Handantenne geortet. »Unsere Technik ist genauer als GPS«, erklärt Klaus Neuhaus, stellvertretender Vorsitzender. »Es wäre sonst unmöglich, die betreffenden Bäume und Verstecke wiederzufinden, insbesondere für unsere Nachfolger.«
»Mehr Bio geht nicht«
Eulen sind nicht das einzige Thema des gemeinnützigen Vereins, der seit seiner Gründung 1978 für Landschaftsschutz und Artenvielfalt kämpft. Die mittlerweile rund 230 Mitglieder bewirtschaften außerdem 10 Streuobstwiesen mit insgesamt 240 Obstbäumen in Niederaden und Brambauer. Dabei handelt es sich zumeist um sogenannte Ausgleichsflächen, die von der Stadt zur Kompensation von Baumaßnahmen angelegt und vom Arbeitskreis gepachtet wurden. »Im letzten Jahr hatten wir eine echte Rekordernte«, freut sich Willi Dickhöfer. »Insgesamt haben wir sieben Tonnen Äpfel zu Saft und Apfelkuchen verarbeitet – mehr Bio geht nicht.«
Grüne Lunge in Brambauer
Was idyllisch klingt, ist für die Ehrenamtlichen mit reichlich Arbeit verbunden. Allein der Biogarten am Hasenweg in Brambauer misst über einen Hektar – eine grüne Lunge, die sich weit durch den Stadtteil zieht. Das Gras steht hoch, Himbeeren leuchten im Gebüsch. Alte Apfelbäume recken ihre knorrigen Äste in den Himmel. Einige Bereiche wurden zu Gemüsebeeten oder Weideflächen umfunktioniert. Wer die Ohren spitzt, kann aus der Ferne ein Gackern und Blöken vernehmen. Mehrere Hühner und eine Schafherde sind auf dem Grundstück zu Hause. Es gibt aber auch naturbelassene Ecken, die als Unterschlupf für Insekten und Wildtiere dienen.
Schlupflöcher für Eulen und Fledermäuse
»Streuobstwiesen beheimaten bis zu 5.000 Tier- und Pflanzenarten«, weiß Willi Dickhöfer, der Mitte der Achtziger als Jugendlicher zum Verein stieß. Aufgewachsen auf einem Bauernhof, lag ihm die Natur immer am Herzen. »Ich bin zuerst in den NABU eingetreten. Dann habe ich festgestellt: Es gibt auch hier vor Ort eine Truppe, die ökologische Aufgaben übernimmt.« Anfangs habe sich der Arbeitskreis zudem um alte Gebäude und Denkmalschutz gekümmert – daher der Begriff ›Heimat‹ im Namen. Inzwischen sei dieses Themenfeld in den Hintergrund gerückt. »Wenn es aber darum geht, für den Erhalt alter Bauwerke einzustehen, sind wie natürlich dabei. Schließlich bieten diese durch ihre Architektur Schlupflöcher für Eulen und Fledermäuse.«
»Unglaublich wertvoll für das Mikroklima«
Bei neuen Bauvorhaben sind die Umweltprofis ebenfalls mit im Boot. »Dann geben wir Stellungsnahmen ab und bringen unser Know-how in Tier- und Pflanzenkunde ein«, sagt Klaus Neuhaus. Er betont, dass es nicht darum gehe, Neubauten zu verhindern. »Wohnraum wird dringend benötigt. Aber wenn schon gebaut werden muss, warum dann nicht wenigstens umweltverträglich mit Gärten und Dachbegrünung? Davon profitieren auch die späteren Mieterinnen und Mieter – wie jeder weiß, der schon einmal im Hochsommer über asphaltierte Straßen gewandert ist. Unversiegelte Grünflächen sind unglaublich wertvoll für das Mikroklima.«
Kleine Nachtschwärmer auf großer Jagd
Englischer Rasen mit abgezählten Topfpflanzen reicht jedoch bei weitem nicht aus, um Lebensräume umweltfreundlich zu gestalten. Viele Säugetiere und Vögel sind zum Überleben auf den Erhalt wilder Wiesen und alter, schattenspendender Bäume angewiesen – allen voran der Steinkauz. Ein Großteil der gesamten bundesweiten Population ist in NRW ansässig. Meistens findet man den kleinen Nachtschwärmer auf Streuobstwiesen, wo er in Baumhöhlen nistet und bei Einbruch der Dunkelheit vom Boden aus nach Mäusen und Würmern jagt. Wie seine große Schwester, die Schleiereule, repräsentiert er eine Zeit, in der Mensch und Natur noch stärker im Einklang lebten.
Tipp: ›Pool‹ für Vögel
Zum Glück ist es gar nicht so schwer, Eulen und anderen Vögeln im eigenen Garten eine Freude zu machen. Wer über keinen alten Baumbestand verfügt, kann auf Nistkästen zurückgreifen. Der Arbeitskreis für Umwelt und Heimat e. V. berät dabei gern. »Jetzt im Sommer bieten sich auch Wasserbäder für Vögel an«, empfiehlt Klaus Neuhaus. »Ein flacher Untersetzer reicht aus. Sie sollten nur darauf achten, diesen nicht direkt vor einer Fensterscheibe aufzustellen, um Kollisionen zu vermeiden.« Am besten werde der ›Pool‹ auf einer offenen Wiese platziert. »So können sich Katzen nicht unbemerkt anschleichen.«
»Das vergisst man nie!«
Wer den Verein unterstützen möchte, ist herzlich willkommen, im Biogarten am Hasenweg vorbeizuschauen. »Wir suchen junge Leute, die Lust haben, mit anzupacken«, so Willi Dickhöfer. Er scherzt: »Das spart die Muckibude.« Tatsächlich sind viele Gartenarbeiten wie Rasenmähen oder Heu abräumen ähnlich schweißtreibend wie ein Training im Fitnessstudio – und man kommt dabei sogar günstiger weg. Atemberaubende Naturerfahrungen gibt es gratis dazu. »Wenn man einmal gesehen hat, wie eine Schleiereule ihre Schwingen ausbreitet und sich lautlos in die Lüfte erhebt – das vergisst man nie!«
Termintipps
08.08., 20 Uhr · Fledermausexkursion am Cappenberger See
26.09., 14–17 Uhr · Apfeltag im Biogarten
Weitere Infos und Termine: www.umweltundheimat.de
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