Stadtmagazin Lünen: Kunst und Kultur

Eine Bromance mit Bühnenflair

Foto(s) zum Vergrößern anklicken

Quellenangabe in den Vergrößerungen

»Laut Udo bin ich sein Praktikant, der Zauberlehrling«

Was ist denn hier los? Haben wir zu viel Eierlikörchen intus oder warum sehen wir Udo Lindenberg in doppelter Ausführung? Keine Sorge, so weit ist es noch nicht: Das Bild zeigt den Panikrocker und sein wohl bekanntestes Double, Thomas ›Tommy‹ Richter aus Lünen-Brambauer. Die beiden verbindet eine jahrelange Bromance mit Bühnenflair, und dass sie sich zum Verwechseln ähnlichsehen, liegt nicht nur an ihrer gemeinsamen Vorliebe für Hut und Sonnenbrille. Am 17. Mai feierte der Kultmusiker seinen 80. Geburtstag, was immer ein guter Anlass für ein Interview ist. Wir dachten: Warum das Original anfragen, wenn wir doch seinen ›Zwilling‹ hier vor Ort haben? Voilà!

Name:

Thomas Richter

Geburtstag:

05.01.1969

Geburtsort:

Lünen-Brambauer

Beruf:

Kundendienstmonteur in Sachen Geldschränke

Familienstand:

Verlobt

Erinnerst du dich an deinen ersten Lindenberg-Song?

Ich war ca. 15 Jahre alt und habe das Lied ›Gesetz‹ gehört. Seitdem war ich Fan. Die Texte haben mich direkt fasziniert – dass er sich traute, als erster Künstler auf Deutsch über Tabu-Themen zu singen.

Wie wird man vom Fan zum Double?

Kennengelernt habe ich Udo bei einem Konzert in Recklinghausen im Jahr 2000. Ich stand mit Hut in der ersten Reihe, er holte mich auf die Bühne, wo wir mal eben die Handynummern austauschten. Ein paar Wochen später hat Udo sich tatsächlich bei mir gemeldet. Er wollte, dass ich bei einem Konzert in Münster dabei bin. So fing das Abenteuer Lindenberg an. Seitdem stehen wir in einem sehr guten freundschaftlichen Kontakt. Ich durfte bei vielen Konzerten, Ausstellungseröffnungen und Preisverleihungen dabei sein: 1 Live Krone, Comet, Bambi-Verleihung. Ich war auch beim Videodreh der Songs ›durch die schweren Zeiten‹ und ›Mittendrin‹ am Start, ebenso beim ›Tatort‹-Dreh ›Alles kommt zurück‹ mit Maria Furtwängler. Ein weiteres Highlight war die Premierenfeier des Lindenberg-Musicals ›Hinterm Horizont‹ in Berlin und Hamburg.

Was sind eigentlich deine Aufgaben als offizieller Doppelgänger?

Gut aussehen, Verwirrung stiften, nach dem Motto: Tommy geh schon mal vor, ich folge in ein paar Minuten. Laut Udo bin ich sein Praktikant, der Zauberlehrling.

Kam es schon mal zu echten Verwechslungen?

Nach dem Konzert vor dem Brandenburger Tor, zum 25. Jahrestag des Mauerfalls 2014, war ein Interview für New York mit Udo im Hotel Adlon geplant. Er war noch nicht da, kam später. Als ich das Hotel betrat, kamen die Herrschaften schon auf mich zu: ›Dann können wir das Interview ja direkt machen!‹ Gesagt, getan … Nachdem das Interview erledigt war und das Filmequipment mit Licht, Kameras etc. abgebaut wurde, traf ich Udo im Hotelgang. Er sagte mir, er müsste nun zum Interview für New York. ›Ähm, Udo, das ist erledigt, da brauchste nicht mehr hin, die haben schon alles abgebaut.‹ Er fand es witzig, genau sein Humor.

Klingt, als wäre Udo auch privat ein cooler Typ …

Und genau das schätze ich an ihm – diese Coolness und Lockerheit. Er ist eine Art ›Herbergsvater‹. Wenn irgendwo etwas klemmt, er hört zu, ist verlässlich – naja, nicht immer so ganz pünktlich. Man hat manchmal den Eindruck, dass er hinter seiner Sonnenbrille ein kleines Schläfchen macht, das ist aber ein großer Irrtum. Udo bekommt alles mit, er ist hellwach, interessiert und auch etwas neugierig. Sein Wort zählt. Wenn er was verspricht, wird es auch gehalten.

Wie schwer bzw. leicht fällt es dir, dich in Udo zu verwandeln? Oder anders gefragt: Wie viele Eierliköre brauchst du, um dich in den Panikmodus zu versetzen?

Sobald ich den Hut aufsetze, schlüpfe ich direkt in die Lindenberg-Rolle, das ist schon Automatik, dafür habe ich nichts geübt oder einstudiert – wobei ein paar Eierlikörchen die Sache noch geschmeidiger machen. Wieder aus der Rolle herauszufinden, ist eher die Kunst. Spätestens wenn ich den Müll rausbringe und keiner klatscht, keiner möchte ein Selfie … bin ich wieder im normalen Leben angekommen.

Was war dein tollster Bühnen-Moment?

Da gibt es so viele. Manchmal muss ich mich schon selber kneifen: Früher stand ich bei Shows in der ersten Reihe. Heute darf ich mit auf die Bühne. Das ist alles nicht selbstverständlich. Und es geht natürlich nur, wenn man eine Partnerin an seiner Seite hat, die den ganzen Show-Zirkus zu Land, zu Wasser und in der Luft mitmacht. Durch Udo habe ich auch meine Verlobte Silke kennengelernt. Udo meinte: ›Lindenberg ist nicht nur ein Rock 'n' roll-Sänger, sondern auch Partnervermittler.‹

Facebook Logo  diese Seite auf Facebook teilen0