Stadtmagazin Lünen: Kunst und Kultur

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»Das ist kranker Scheiß!«

Eine tropische Insel am Ende der Welt. Fünf Abenteurer auf der Suche nach einem vermissten Arzt. Nächtliche Trommeln. Skelette im Regen. Bleiche Gestalten mit toten Augen und einem ungesunden Appetit … Willkommen im Universum von Ralf Möllenhoff. Seit 30 Jahren erhebt der Lüner Filmemacher das Grauen zur Kunstform. Am 27. Mai flackert sein neuestes Werk ›Kito. Zombies und Kannibalen‹ über die Kinoleinwand.

»Hier geht es nicht vegetarisch ab«

Spoilerwarnung: Die Geschichte wird kein gutes Ende nehmen. Fans des gepflegten Oldschool-Horrors werden jedoch ihre helle Freude haben, wenn sich die düstere Story rund um eine gefährliche Inselexpedition mit jeder Menge Kunstblut, handgemachten Effekten und analoger Ästhetik zu einem bitterbösen Splatter-Trip abseits des Mainstreams verwebt. »Es gibt Kopfschüsse, Menschen werden abgeschlachtet und aufgefressen«, nennt Ralf Möllenhoff nur einige der Todesarten, die dem geneigten Publikum aus früheren Produktionen bekannt vorkommen dürften. Nichts für schwache Nerven? »Einer meiner Bekannten meinte bei der Testvorstellung: ›Das ist kranker Scheiß!‹ Aber durch den Retro-Stil in Verbindung mit einer ordentlichen Portion Pulp wirken die Gewaltdarstellungen eher unterhaltsam. Und die Leute wissen ja, was sie erwartet. Bei einem derart reißerischen Titel sollte allen klar sein: Hier geht es nicht vegetarisch ab.«

Genre-Klassiker als Vorbild

Die Begeisterung für das Fantastische und Abgründige begleitet Ralf Möllenhoff seit seiner frühesten Kindheit. »Ich mochte alles mit Monstern, egal ob Arthouse oder Geisterbahn, schwarz-weiß oder in Farbe, trashig oder mit Tiefgang.« Irgendwann griff er wie sein Idol George A. Romero zur Schmalfilm-Kamera, versuchte sich am Schreiben von Drehbüchern. Der erste eigene Film ›R.I.P. – Bis zum Morgengrauen‹ wurde Anfang der Neunziger an Schauplätzen in Lünen und Werne gedreht – ein Mix aus Gothic-Grusel und Zombie-Schocker, der sich die Genre-Klassiker aus den Siebziger- und Achtzigerjahren zum Vorbild nimmt: Als die Toten aus ihren Gräbern steigen, verschanzt sich eine Gruppe von Menschen in einer kleinen Kapelle. Es wird eine lange Nacht … Im Herbst 1996 – vor mittlerweile drei Jahrzehnten – feierte der Streifen Premiere beim Lüner Kinofest. Zeitgleich erblickte Ralf Möllenhoffs Produktionsfirma ›RIP independent‹ das Licht der Welt.

Mit Gerippe auf der Lippe

Bis heute hat der Horrorspezialist sieben Spielfilme auf die Leinwand gebracht. Die Dreharbeiten zu ›Kito‹ fanden ab 2022 in Lünen und Umgebung statt. Wer gut aufpasst, könnte die eine oder andere Location wiedererkennen. »An der Lippe gibt es einige Stellen, die dem ähneln, was man auf einer exotischen Insel erwarten würde«, verrät der Regisseur, der ein 35-köpfiges Team aus Laien und Profis um sich scharte und auch selbst eine kleine Gastrolle übernahm. »Wir sind durch Tunnel aus Wildbambus marschiert und durch trübes Wasser gewatet.« Bei Kanuaufnahmen in Dorsten kam es zu einer heiklen Situation, als plötzlich eine Familie vorbeiruderte. »Wir hatten ein Gerippe an Bord. Da war die Neugier groß. Die Leute haben zum Glück ganz entspannt reagiert: Oh, der sieht aber nicht mehr so gut aus!« Für eine Krankenhausszene mussten die Personalgänge der Lüner Cineworld herhalten. Und auch das Naturmuseum in Dortmund diente als Kulisse.

»Als ob man eine Schallplatte auflegt«

Kenner des Genres wissen, dass der schlimmste Horror in Zombiefilmen oft gar nicht von den Monstern ausgeht. Altmeister wie George A. Romero transportierten in ihren Werken häufig auch eine Message und nahmen menschliche Abgründe in den Blick. Ralf Möllenhoff tritt in ebenso große wie blutige Fußstapfen, wenn er seinen Charakteren über die Insel Kito folgt. »Der Film ist mehr als ein reines Schlachtfest«, verspricht er. »Es gibt eine Gangster-Geschichte, die ich hier jedoch nicht spoilern möchte.« Hinzu kommt die analoge Machart, die dem Low-Budget-Streifen eine körnige, surreale Note fernab heutiger Sehgewohnheiten verleiht. »Das ist kein Hochglanz-Kino. Es ist vielmehr, als ob man sich eine Schallplatte auflegt, die einen in den Feelgood-Modus vergangener Zeiten zurückversetzt – sofern man auf die Atmosphäre alter B-Movies steht.«

Kinopremiere: 27. Mai

Nach der Uraufführung soll der abendfüllende Film für Underground-Festivals und private Veranstaltungen zum Verleih stehen. Mittelfristig könnte er wie seine Vorgänger als DVD über den RIP-Shop erhältlich sein und irgendwann im Streaming landen. »Nach Abschluss eines solchen Projektes steht man jedes Mal vor der Frage, wie man die Produktionskosten wieder eingespielt kriegt«, so Ralf Möllenhoff. »15.000 Euro sind nichts für einen Film. Aber meine Werke richten sich auch an Leute mit einem absoluten Nischeninteresse.« Jetzt freut er sich erst einmal auf die Premiere am 27. Mai in der Lüner Cineworld. »Da kann ich mich zurücklehnen und das Ergebnis genießen.« Tickets für die Vorstellung kosten sechs Euro. Der Eintritt ist erst ab 18 Jahren erlaubt. Denn eins ist todsicher: Es wird blutig.   

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