Stadtmagazin Lünen: Menschen

Von Hyänen und anderen Gefahren

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Len Mette auf Reisen

Lang schon ist es still um Len Mette. Hatte der Musiker und Kabarettist in der Vergangenheit noch durch verschiedenste Formate auf sich aufmerksam gemacht, versiegte der Strom der Neuigkeiten vor gut zwei Jahren mit der letzten Ausgabe von ›Lens Wohnzimmer‹, das im Lükaz in Lünen stattfand. Das Stadtmagazin fragt nach, wie es um die Aktivitäten von Len Mette bestellt ist.

Aus dem Saal in die Serengeti

»Die Gründe für meine Pause sind vielschichtig«, so Len Mette. »Seit der Corona-Pandemie und gestiegenen Preisen rechnen sich Veranstaltungen anders, Budgets sind schmaler. Deutschlandtouren sind für Kleinkünstler einfach nicht mehr so attraktiv, wie sie es vor der Pandemie waren. Lästiger sind aber die Hyänenrudel.« Hyänen? Rudel? Kurz fragt man sich, ob Len noch der Alte ist oder in irgendeiner Form den Boden unter den Füßen verloren hat, bevor er konkretisiert: »Der Vergleich liegt momentan für mich nahe, da ich gerade erst von einer Reise in die Serengeti zurückgekehrt bin. Ich vergleiche daher gern unseren heutigen Umgang mit Satire, die Stimmen der gängig gewordenen ›Cancel Culture‹, in vielen Bereichen mit Hyänenrudeln. Und hier liegt neben einer privaten Neuausrichtung ein weiterer Auslöser für meinen Rückzug: Ich wollte mir klar darüber werden, ob ich noch Lust habe, mich mit jenen Stimmen auseinanderzusetzen, die sich nicht die Mühe machen, die eigentliche Botschaft aus Texten herauszufiltern, sondern sich stets ein, zwei Schlagworte heraussuchen, auf denen sie dann versuchen, eine hanebüchene Kritik aufzubauen. Ganz so, wie man es von populistischen Stimmen aus der Politik kennt. Wer am lautesten bellt, wird unabhängig vom Inhalt zunächst am besten wahrgenommen. Das gehört in gewisser Weise zum Geschäft von Satirikern. Dennoch: Ich möchte Geschichten erzählen, die Menschen und ihre Eigenheiten mit einem Augenzwinkern feiern, aber ich möchte mich nicht mit albernen Vorwürfen dummer ZeitgenossInnen befassen müssen, die diese Nachricht ins Gegenteil verkehren wollen.«

»Menschen haben weltweit Humor«

Wirtschaftliche Veränderungen, persönliche Neuausrichtung, Cancel Culture. So viel also zu den Gründen für die stille Phase von Len Mette. Doch wie hat er seine Pause gefüllt, und wird da noch etwas in der Zukunft kommen? »Ich habe diese Auszeit wahrlich für mich gebraucht und habe bewusst einen Tapetenwechsel vorgenommen«, so Len Mette. »Ich bin deshalb gereist und habe Ziele in Europa, Asien und auf dem afrikanischen Kontinent besucht, um völlig andere Perspektiven auf Lebenswirklichkeiten zu entdecken, auf neue Gedanken zu kommen und möglicherweise auch neue Kreativität zu entfalten. Rückblickend habe ich dabei definitiv drei Dinge festgestellt. Erstens: Selbst Delfine sind nicht immer gesellig und nehmen gern einmal Reißaus, wenn ein ›Touri‹ mit ihnen schwimmen möchte. Man sollte sie dann einfach ziehen lassen. Zweitens: Menschen haben weltweit Humor und sind herzlich, auch wenn ihnen weitaus weniger Mittel zur Verfügung stehen als den meisten Europäern. Und drittens und sehr wichtig für mich: Hyänenrudel in der Serengeti sind sympathischer als jene in deutschen Theatern. In der Wildnis gibt es so etwas wie Spielregeln. Alles hat dort seine Ordnung.«

»Rennen und Baum suchen«

Das macht uns neugierig auf diese Spielregeln. »Nun ja, die kenne ich so genau natürlich auch nicht«, gibt Len Mette zu. »Ich war ja nur ein Besucher in dieser Welt und hatte erfahrene Guides bei mir, die schon dafür gesorgt haben, dass man nicht in größere Gefahr gerät. Jedoch faszinierte mich, dass in der Nacht Elefanten, Hyänen, Zebras, Gnus und sogar Löwen nur Zentimeter entfernt an meinem Zelt vorüberliefen und ich mich selten in meinem Leben derart sicher gefühlt habe. Ich habe gelernt, dass man einem solchen Tier gelassen und selbstbewusst gegenübertritt, sollte es zu einer direkten Begegnung kommen. Es wird sich abwenden. Jedenfalls solange es genug andere, ›leichtere‹ Beutetiere in der Nähe gibt. Ich habe das natürlich nicht ausprobiert, das kleine Sicherheitstraining für den Fall der Fälle ist mir aber in Erinnerung geblieben. Andererseits gibt es Situationen, in denen ›Rennen und Baum suchen‹ wohl der beste Rat ist.«

Kein Abschied von der Bühne

All das klingt nach einer wirklichen Auszeit. Es stellt sich die Frage, ob es wieder Kreatives von Len Mette geben wird, und auch darauf findet er eine Antwort: »So ganz habe ich mich von der Bühne nicht verabschiedet, wenngleich ich mich hier eher auf die zweite oder dritte Reihe unter den Musikern konzentriere. Dennoch kann ich mir vorstellen, künftig wieder als Musiker und Kabarettist in einer der vorderen Reihen aktiv zu sein. Ich nehme mir die Zeit, die es für diese Reise braucht.« Und die Hyänen? Len Mette lächelt plötzlich verschmitzt, so wie man es von ihm gewohnt ist: »Ich sagte ja: In manchen Momenten ist die rasche Suche nach einem Baum die beste Idee. Die Kunst ist es, jene Momente als solche zu erkennen, weil ihnen eine echte Bedrohung innewohnt. Bisher sehe ich dies wegen einiger, nur laut bellender Theater-Hyänen aber bei Weitem nicht und nutze die heutige Gelegenheit lieber, sie freundlich zu grüßen!«

Len Mette

Instagram: @len_mette · Facebook: @derMette
Website: www.mette.tv

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