Stadtmagazin Lünen: Kunst und Kultur

Blindsoul Chapter III

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»Auf der Bühne können wir den kleinen Jungen rauslassen«

Mit überladenen Autos quer durch Deutschland touren. Kleine Kneipen und große Festivals rocken. Bei Hitze, Regen, Eis und Schnee mit den Fans feiern. Nach mehrstündiger Anreise vor Ort erfahren, dass der Veranstalter von nichts weiß … – und am Ende trotzdem noch ein cooles Konzert spielen. Es gibt fast nichts, was die Jungs von Blindsoul noch nicht erlebt haben. Seit 2016 wurde es still um die Lüner Metal-Band. Jetzt feiert die Combo ihr Revival: Im April 2024 wurde mit einem Gig im Jugendkulturcafé Kamen ein neues Kapitel eröffnet.

»Ein bisschen verwirrt waren wir ja alle«

»Krystian und ich machen zusammen Musik, seit wir Teenager sind«, erzählt uns der Bandmitbegründer und jetzige Bassist Robin Mussmann. »Zuerst waren wir gemeinsam bei Infected, dann ab 2010 bei Blindsoul.« Er erinnert sich: »Unser Frontmann bei Infected war ausgestiegen. Wir anderen wollten unbedingt weitermachen, mit neuem Sänger und neuem Namen.« Bei einer Kiste Bier wurden Ideen für die neue Band ausgetauscht. »Blindsoul hat nichts weiter zu bedeuten. Wir dachten einfach in dem Moment: Oh, das klingt besser als die bisherigen Vorschläge. Und es passte auch irgendwie zu uns. Ein bisschen verwirrt waren wir ja alle zu der Zeit.«

Hitsingle aus Lünen beim Super Bowl

So verwirrt können sie dann aber doch nicht gewesen sein: Die ersten zehn Blindsoul-Songs wurden innerhalb von zwei Wochen aus dem Hut gezaubert. Im selben Jahr erblickte die EP ›Release Me‹ das Licht der Welt. Bei Events wie dem Brunnenfest oder ›Rock im Loch‹ konnte man den rohen New-Metal-Sound der Newcomer live erleben. 2012 leitete die Neubesetzung am Mikro mit Sänger Denis Große das zweite ›Chapter‹ der Band ein. 2014 folgten das Album ›Cold Start‹ und die Hitsingle ›Burn out‹, die es bis ins Deutsche Fernsehen schaffte. »Der Titel wurde als Werbesong von EMP für den damaligen ›The Walking Dead‹-Merchclip genutzt und war somit in jeder Werbepause der Liveübertragung des NFL Super Bowl 2016 zu hören«, berichtet Robin. »Das war schon geil!«

»Direkt wieder im Kreativmodus«

Ende 2016 forderte das wahre Leben seinen Tribut. Die Bandmitglieder verstreuten sich beruflich über ganz NRW, wirkten teils in anderen Projekten mit. »Erst in der Coronazeit haben wir uns erneut zusammengerauft. Wir waren direkt wieder im Kreativmodus, tranken Bierchen und schrieben neue Songs.« Allerdings fehlte diesmal der Bassist. Robin, der bisher Schlagzeug gespielt hatte, tauschte seine Sticks kurzerhand gegen die dicken Saiten ein, Neuzugang Daniel Piotrowski übernahm die Drums. Krystian Krawczyk bildete wie früher mit Sänger Denis das Gitarrenduo. Studiotechnisch knüpften die Jungs schnell an ihre alte Form an: Neben dem Stoff für das nächste Album ›Trust your Eyes‹ entstanden bis Ende 2023 vier Videos – darunter auch der Clip für die Single ›Isolation‹ mit Gastsängerin Shirley Golightly, der Frontfrau von Why Amnesia.

»Wir haben Spaß daran, neue Welten zu entdecken«

»Das Charakteristische an uns ist, dass wir uns ständig neu erfinden und nicht pauschal zu kategorisieren sind«, sagen die beinen Bandgründer Robin und Krystian. »Nach dem eher rohen Livesound vom Anfang haben wir beim zweiten Album versucht, kommerziell und poppig zu sein, was aber nicht richtig gelang, weil wir zu kreativ waren. Dafür ist Album drei jetzt wieder durchdachter.« Doch finden sich auch hier immer wieder kleine musikalische Gimmicks, die den Sound von Blindsoul so abwechslungsreich machen: hier eine orientalische Tonleiter, dort ein Elektrosound oder eine verspielte 80s-Rock-Reminiszenz. »Wir wollen nicht immer nur das Gleiche machen und haben Spaß daran, neue Welten zu entdecken. Auf der Bühne und im Studio können wir den kleinen Jungen rauslassen.«

»Ich würde nie sagen: Nee, das sind wir nicht«

Wobei die Einflüsse und musikalischen Vorlieben der Vier unterschiedlicher nicht sein könnten. »Das reicht bei mir von James Hetfield über Gary Moore und Joe Bonamassa bis hin zu Chris Cornell oder Fred Durst«, erzählt Sänger Denis. »Krys ist mit Jimi Hendrix bis Led Zeppelin eher klassisch aufgestellt. Pio steht auf Punkrock, beispielsweise mag er Travis Barker, den Drummer von Blink-182, oder Tré Cool von Green Day. Und Rob hat überhaupt keinen Musikgeschmack.« »Ich sage immer: Ich bin kein Fan von bestimmten Bands – ich bin ein Fan von Musik«, grinst Robin. »So schaffe ich den Spagat von Grunge über die verschiedenen Spielarten des Metal bis hin zu Schlager und Reggae. Ich inhaliere das alles. Diese Vielseitigkeit spiegelt sich dann auch in unseren Songs wider. Ich würde nie sagen: Nee, das sind wir nicht. Sondern immer: Lass uns das mal probieren, das ist bestimmt auch witzig. Jeder kriegt hier die Möglichkeit, sich auszutoben.«

›Familientreffen‹ auf der Alternative Stage

Mitte Juli werden Blindsoul beim Lüner Brunnenfest auf der Alternative Stage zu sehen sein. Weitere Livekonzerte sind über das Jahr hinweg in Gescher, Moers, Unna und Lippstadt geplant. Auf den Gig in Lünen freuen sich die Jungs ganz besonders. Denn das jährliche Festival auf der Alternativ Stage hat immer auch ein bisschen was von einem Familientreffen. »Die Rockmusikszene rund um Lünen ist wie ein großer Freundeskreis, wo jeder jeden kennt. Und einmal im Jahr feiern wir alle zusammen.«

Termintipp

Brunnenfest · 12./13.07.
Weitere Infos zur Band: www.blindsoul.de

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