Stadtmagazin Lünen: Kunst und Kultur

»Volle Fahrt voraus!«

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Festival ›Junges Theater Lünen‹ kehrt zurück

In Zeiten wie diesen ist es alles andere als leicht, Kultur aufrechtzuerhalten, geschweige denn, ein ganzes Theaterfestival in Präsenz auf die Beine zu stellen. Rund hundert Nachwuchstalente aus Lünen und Hamm haben sich aber nicht entmutigen lassen. Am 8. Juni hebt sich der Vorhang zum 14. Festival ›Junges Theater Lünen‹ im Heinz-Hilpert-Theater.

»Es ist so wichtig, dass das Festival wieder zu leben anfängt«

»Nachdem die Reihe 2020 ausfallen musste und 2021 nur digital stattfinden konnte, heißt es dieses Jahr wieder: Volle Fahrt voraus!«, freut sich Theaterpädagogin Susanne Hocke, die das siebentägige, vom Förderverein Theater Lünen e. V. veranstaltete Event zusammen mit ihrem Kollegen Jan N. Schmitt koordiniert. »Endlich kehren wir zurück auf die Bühne! Es ist so wichtig, dass das Festival wieder zu leben anfängt. Im ersten Lockdown 2020 waren viele kurz davor aufzugeben, weil sie dachten, dass ihre Arbeit für die Tonne gewesen wäre. Zum Glück ist diese Stimmung im letzten Jahr gekippt. Die Jugendlichen haben die Initiative ergriffen, sich draußen im Freien getroffen, mit Abstand und Maske geprobt. Durch das erfolgreiche Online-Festival 2021 haben sie gemerkt: Was wir machen, ist nicht umsonst. Das hat allen einen Schub verliehen, der uns in dieses Jahr 2022 hineingetragen hat.«

Märchen, Morde, Masken

Auf welche Vorstellungen dürfen wir uns freuen? Die Theaterzwerge I des Gymnasiums Altlünen übertragen die Corona-Pandemie in ihrem Stück ›Der Herr der Masken‹ ins Märchenhafte. Das Schauspiel ›Nalu und das Polymeer‹, vorgeführt durch die Theaterzwerge II, verbindet eine fantastische Geschichte mit aktuellen Umweltfragen. In ›Rosenmorde‹ gehen die ­älteren Schüler*innen des Gymnasiums Altlünen auf die Jagd nach einem Serienmörder. Der Literaturkurs des Freiherr-vom-Stein Gymnasiums beschäftigt sich unter dem Titel ›StGB 323c‹ mit dem Schulalltag einer Abschlussklasse. In ›Open Doors‹ begleiten die Theater Steinis zwei Schwestern beim Erwachsenwerden. Die Schule im Heithof Hamm erzählt mit ›Tierisch Glück gehabt‹ eine Parabel über das Leben von Tieren. Die Käthe-Kollwitz-Gesamtschule widmet sich den Fragen ›Ich? – wo? – woher? – wohin?‹ am Beispiel einer Flüchtlingsfamilie. Und der Theater-Jugendclub Lünen hinterfragt, inwiefern ›Schule – die beste Zeit des Lebens?!‹ ist.

Große Spielfreude

»Ohne dass es abgesprochen gewesen wäre, befassen sich fast alle Stücke in der einen oder anderen Form mit Zukunftsperspektiven«, sagt Susanne Hocke. »Man sieht, dass die Jugendlichen während der Pandemie viel Zeit hatten, ihr Leben, das System Schule und die Situation durch Corona zu reflektieren. Gleichzeitig ist allen Inszenierungen aber eine große Spielfreude, eine Lust am Ausprobieren gemein.« Hier und da wurde aus der Not gar eine Tugend gemacht: So verständigte sich die Gruppe der KKS auf ein relativ freies Spiel, bei dem der Text nicht wortgenau wiedergegeben werden muss. So kann jede für jeden einspringen, falls ein Darsteller wegen Quarantäne ausfällt. »Hätte man mir bei der Probe nicht gesagt, dass jemand fehlte – ich hätte es nicht gemerkt«, verrät Susanne Hocke.

»Die meisten gehen einen Kopf größer aus dem Theater, als sie reingegangen sind«

765 Zuschauer*innen passen ins Heinz-Hilpert-Theater. Auch wenn aktuell nur rund die Hälfte zugelassen sind, könnte manche Nachwuchsdarsteller angesichts der riesigen Bühne das Lampenfieber packen. »Wer das aber erfolgreich meistert, hat fürs Leben gelernt«, lächelt Susanne Hocke. »Die meisten gehen einen Kopf größer aus dem Theater, als sie reingegangen sind.« Um die Gruppen bestmöglich vorzubereiten, bietet sie im Vorfeld eine Theaterführung sowie Probenbesuche an. »Neu ist, dass bei jedem Besuch ein gezielter Fokus gesetzt wird. So wollen wir an typischen Problemen arbeiten, die sich aus Mangel an Erfahrung durch viele Vorführungen ziehen. Beispiel Umbaupause: Ein Drei-Minuten-Umbau für eine Zwei-Minuten-Szene ist nicht gerade optimal. Herrscht dazu auch noch völlige Dunkelheit, ist Hektik vorprogrammiert. Ich gebe Tipps und suche gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern nach besseren Lösungen.«

Rahmenprogramm aus Musik, Tanz und Poetry Slam

Um den Festivalcharakter zu stärken, werden die Theaterbeiträge wie in den Vor­jahren durch Musik, Literatur und Tanz eingerahmt: Zur Eröffnung spielt die Popband der Lüner Musikschule. Als Intermezzo präsentieren die Poetry Slammer der Geschwister-Scholl-Gesamtschule ihre besten Texte. Das Ganze findet im Oberen Foyer vor der Abendveranstaltung und kostet keinen Eintritt. Zum Abschluss lässt die mehrfache Hip-Hop-Europameisterin Amelie Weijers mit ihren Tanzschüler*innen das Theater brodeln. Um das Catering kümmert sich wie gewohnt die Geschwister-Scholl-Schule. Einzeltickets kosten 5 Euro, ab drei Besuchen lohnt sich das Festivalticket für 12 Euro. »Es lohnt sich wirklich!«, versichert Susanne Hocke. »Die Darsteller sind vielleicht keine Profis. Aber sie sind sehr motiviert und bringen Themen auf die Bühne, die ihnen auf der Seele brennen.«

Festival Junges Theater Lünen

8.–14.06. · Heinz-Hilpert-Theater
Weitere Infos + Termine:
www.foerderverein-theater-luenen.de

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