Horst Engel schafft Kunst mit Humor in Lünen
Die Entstehung des Würfelzuckers
Drei Fässer. Darauf drapiert: Zucker, Zucker mit Spielwürfeln vermengt und Würfelzucker. Dazu eine Geschichte, die die Entstehung des Würfelzuckers nicht allzu ernst und nah an der Wahrheit, dafür jedoch mit einem Augenzwinkern erzählt. Oder: ein Schwein. Ein Schwein aus Kunststoff, das verschiedenste Orte des Ruhrgebietes besucht. Dazu selbstverfasste Geschichten und Aktionen, die Zuhörer*innen, Beobachter*innen und Leser*innen stets zu einem Schmunzeln animieren.
Heimat in Lünen
Dies sind nur zwei Beispiele der Kreativität des Lüner Objektkünstlers Horst Engel. Der 72-jährige gebürtige Duisburger hat bereits vor gut 30 Jahren eine neue Heimat an der Lippe gefunden. »Damals schaute ich mich aus beruflichen Gründen in Dortmund und Umgebung nach einer Wohnung um. Ich fand meine neue Heimat in Lünen, und seither hat es mich auch nicht wieder weggezogen«, konkretisiert Horst Engel seinen Weg. »Da hatte ich mit Kunst aber noch nicht viel zu tun. Zur Kunst kam ich eher durch Zufall.« Ein Zufall, der rückblickend wohl eher mit einem Glücksfall gleichzusetzen ist, trifft er doch einen wesentlichen Nerv der Menschen: »Ich habe damals einige Kunstausstellungen mit meiner Frau besucht, die sich sehr dafür interessierte«, führt Horst Engel weiter aus. »Was mir jedoch immer wieder auffiel, war, wie ernst das Publikum die Werke und deren Interpretation nahm. Das war mir alles viel zu trocken. Nichtsdestoweniger begann ich, mich für das Thema zu interessieren, und eines Tages beschloss ich, mich selbst an der Kunst zu versuchen, das Ganze aber weniger verbissen anzugehen. So entstanden bald darauf die ersten Werke.«
Kunst mit Humor & Kanzlerin
Horst Engel schaffte fortan und mit zunehmender Begeisterung Objektkunst und versah sie mit Texten zum Schmunzeln. »Satire war das nicht«, so Horst Engel, »ich wollte die Kunst an sich nicht aufs Korn nehmen. Aber ich wollte Kunst zeigen, in der die Lust am Widerspruch und der Sorglosigkeit bezüglich üblicher Bewertungen im Vordergrund steht.« So kam es 1998 zur ersten Ausstellung seiner Werke in der Künstlerzeche ›Unser Fritz 2/3‹ in Herne. »Diese Ausstellung hatte, für mich selbst überraschend, regen Zulauf, was mich natürlich in meinem Tun bestärkte!« Von der Kunst abgelassen hat Horst Engel seither nicht. So holte er, neben vielen weiteren Aktionen, u. a. die bekannte Ruhrgebiets-Kulturveranstaltung ›Extraschicht‹ 2013 und 2014 nach Lünen, schrieb Gastkolumnen in der Presse und ersann den Namen ›Lüdia‹ für den Filmpreis des Lüner Kinofestes. Unter dem Titel ›Post vom Souverän‹ veröffentlichte er gar ein Buch über seine Kommunikation mit einer gewissen Frau Merkel. »Nun ja, um es mit den Worten Paul Watzlawiks zu sagen: Man kann nicht nicht kommunizieren«, merkt Horst Engel, angesprochen auf das Buch, sichtlich amüsiert an. »Aber so ein richtiger Dialog ist mit Frau Merkel nun auch nicht zustandegekommen. Genau genommen hat sie bis heute nicht ein einziges Mal geantwortet. Nichts. Gar nichts! Das war dann Grund genug für mich, meine eher einseitige Kommunikation mit der damaligen Bundeskanzlerin in einem Buch festzuhalten. Schließlich spricht ja nicht jeder mit Frau Merkel. Antworten werden manchmal vielleicht auch überbewertet.«
Songs zum Aufheitern
Die Heiterkeit ist Horst Engel also anzumerken. So ließ er sich auch nicht von der Corona-Pandemie beirren und versah kurzerhand den Song ›Marmor, Stein und Eisen bricht‹ mit einem dem Corona-Zeitgeist entsprechenden Text. »Auch hier hätte ich nicht gedacht, dass es für eine solche Aktion derart viele Rückmeldungen geben würde. Eigentlich sollte der ›Corona-Song‹ nur ein wenig aufheitern. Und dieser Plan ist vollends aufgegangen. Das hat mich dazu bewogen, ein Jahr später ein weiteres Lied umzudichten. Diesmal diente die Melodie von ›Bolle reiste jüngst zu Pfingsten‹ als Grundlage für den Corona-Text. Wir haben das in ›Ein Virus kam von Wuhan‹ umgetextet.«
Fein seziert und kross serviert: der Statt-Block und Pläne für die Zukunft
Verfolgen kann man Horst Engel inzwischen auch im Netz: Mit seinem Blog-Partner Andreas Becker veröffentlichte er unter dem Titel ›Na und? Der Statt-Block‹ bis heute mehr als 220 Beiträge mit handgefertigten Zeichnungen. Mit spitzer Feder wird das weite Feld der Politik beackert. Als Blog der unbegrenzten Meldungen hat man aber auch ein Herz für Lünen, dem Stammsitz von ›Na und?‹. »Wir beschäftigen uns auch mit den ganz alltäglichen und selbstverständlichen Fragen. Ziel ist es, zu hinterfragen und zu unterhalten – mit ungewöhnlichen Themen und überraschenden Texten.« Horst Engel ergänzt: »Aktuell denken wir darüber nach, den Blog irgendwie zu verändern. Ein frischeres Aussehen, mehr Auflockern durch Fotos, das Einbinden von Videos, oder das Thema Podcast zu vertiefen.«
Seinen künstlerischen Arbeiten, Installationen, Aktionen und Kunstobjekten will Horst Engel in naher Zukunft wieder mehr Raum geben. Was er genau plant und ob gar das bekannte Kunstschwein dabei sein wird, wird natürlich noch nicht verraten. Nur eines ist sicher: Horst Engel ist auch in Zukunft als Handlungsreisender der Missverständnisse unterwegs. Sein Tatort ist der Supermarkt, die Straße. So sieht er sich als ›Objekt-iver‹ Zeitzeuge des alltäglichen Wahnsinns. Bis es so weit ist, freut sich die Crew des Blogs ganz sicher über viele Besuche im ›Statt-Block‹!
Horst Engel · Blog ›Na und? Der Statt-Block‹
www.na-und.info · E-Mail: info [at] horstengel.net
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