Stadtmagazin Lünen: Kunst und Kultur

»Retro ist absolut nice!«

Foto(s) zum Vergrößern anklicken

Quellenangabe in den Vergrößerungen

Live-Band ›Klabauter & Co‹ verbindet Generationen

Die jüngere Generation würde sie wohl für ein Instrument der extravaganten Art halten. Menschen, die bereits den einen oder anderen Lenz in der persönlichen ›Timeline‹ zu verbuchen wissen, fühlen sich durch sie hingegen an Sommerabende, Lagerfeuer und Beisammensein erinnert: Die Rede ist von der ›Mundorgel‹, die als Fahrten-Liederbuch vieler Generationen einen Anreiz zum gemeinsamen Singen darstellte. Wer zwischen den 50er- und 80er-Jahren Zeit in Jugendgruppen verbrachte, kennt die Evergreens aus dieser Institution unter den Liederbüchern wie ›Die Gedanken sind frei‹, ›Heute an Bord‹ oder ›Kein schöner Land‹ nur zu gut. Die Band ›Klabauter & Co‹ erweckt das Kulturgut zu neuem Leben.

Klassikern wird neues Leben eingehaucht

»Zugegeben: Wenn ich mir die heutigen Songs der jungen Generation so anhöre, ist da eine gewisse Evolution in der Entwicklung des Liedgutes nicht wegzudiskutieren«, kommentiert Gitarrist Burghard mit einem Augenzwinkern den im Hintergrund und im glasklaren Digitalsound musizierenden Livestream im Radio. Dabei sind er und seine Mitstreiter*innen Chrissy (Gesang), Armin (Gesang), Maggy (Gesang) und Wolle (Akkordeon/Keyboard) alles andere als von gestern! »Die Tatsache, dass wir uns für ältere Lieder begeistern, heißt nicht etwa, dass wir uns in der aktuellen Musiklandschaft nicht wohlfühlen«, fügt Chrissy hinzu. »Wir glauben eher, dass wir es hier mit Klassikern zu tun haben, die zu gut dazu sind, einfach in Vergessenheit zu geraten. Deshalb hauchen wir ihnen eben mit Schwung und durchdachten Arrangements neues Leben ein. Wir zeigen, was noch in ihnen steckt! Die Songs mögen alt sein, aber das macht sie keinen Deut schlecht!«

Eingängigkeit und das Zeug zum Mitsingen

›Klabauter & Co‹ sieht sich jedoch nicht als reine Band zur Reproduktion von Kulturgut aus der Mundorgel. Auch Shanties, Oldies und selbst modernere Stücke umfasst das mehrstündige Repertoire. »Wichtig ist nicht, dass es alt ist, sondern dass man damit Menschen bewegen kann. Eingängigkeit und das Zeug zum Mitsingen müssen Stücke mitbringen, die in unser Programm aufgenommen werden sollen«, erläutert Wolle. »Und uns selbst muss es natürlich auch gefallen. Erst dann entfaltet unser Tun das Potenzial, Generationen musikalisch zu verbinden!« Gefallen daran findet auch das Publikum – sondert sich die Gruppe doch auf Stadtfesten, Privatfeiern, in Cafés und Kneipen gekonnt von dem ab, was die breite Masse der Live-Musikszene bei solchen Gelegenheiten bietet. »Um ehrlich zu sein, waren wir am Anfang sogar sehr erstaunt«, berichtet Maggy von den ersten Live-Auftritten. »Wir gingen in dem Bewusstsein an das Vorhaben heran, durchaus ein Nischenprodukt anzubieten und vielleicht doch eher etwas für die älteren Generationen zu sein. Als dann aber selbst junge Menschen begannen mitzusingen, war das ein tolles Gefühl! Damit war für uns der Beweis erbracht, dass die Eingängigkeit dieser Stücke bis heute für Stimmung sorgt.«

»Ohne diese dumme Pandemie würde es das Projekt vielleicht gar nicht geben«

Die Andersartigkeit von ›Klabauter & Co‹ spiegelt sich nicht nur im Programm der Band, sondern auch in ihrer Entstehungsgeschichte, wie Burghard erklärt: »Ohne diese dumme Pandemie würde es das Projekt vielleicht gar nicht geben. Eigentlich veranlasste uns die Langeweile im ersten Lockdown dazu, der räumlichen Trennung zum Trotz etwas Gemeinsames zu starten und die Instrumente in die Hand zu nehmen. Da die ersten Proben nicht gemeinsam, sondern per Videokonferenz stattfinden mussten, bot es sich umso mehr an, Songs einzustudieren, die wir alle bestens kennen. Auf diese Weise fiel die musikalische Abstimmung untereinander umso leichter.«

Soziales Engagement

So wurden die ersten Auftritte während der Pandemiewellen an ungewöhnlichen Orten dargeboten. »Zunächst traten wir in Seniorenheimen auf«, erzählt Chrissy. »Und zwar in der Zeit, in der die Bewohnerinnen und Bewohner keinen Besuch empfangen durften. Wir hingegen konnten ihnen mit Abstand und als geschlossene Gruppe eine kleine Freude machen und mit bekannten Liedern Erinnerungen wecken. Das war uns wichtig, denn ganz plötzlich wurde uns klar, dass unser Programm dafür ja geradezu wie gemacht ist. Das hat uns großes Vergnügen bereitet – und den Senioren augenscheinlich auch! Eine schönere Bestätigung für unser Tun konnte es zu diesem Zeitpunkt kaum geben.«

Große und kleine Bühnen gesucht

Die durchdachte Instrumentierung unterstützt ›Klabauter & Co‹ bei ihrem Vorhaben: Mit Gitarre, Keyboard, Akkordeon und Tamburin ist die Gruppe in der Lage, sowohl in moderater Lautstärke als auch ›mit Wumms‹ bei großen Veranstaltungen zu spielen. »Das haben wir bereits auf der einen oder anderen größeren Bühne und mit laut mitsingendem Publikum unter Beweis stellen dürfen«, führt Armin an. »Selbst wenn wir uns momentan wieder in einer Pandemiephase befinden, die öffentliche Auftritte nahezu unmöglich macht, lassen wir uns nicht unterkriegen. Wir wissen, dass der nächste Sommer kommt. Wir wissen, dass unser Konzept angenommen wird. Mit dieser Gewissheit schauen wir deshalb bereits jetzt aktiv nach neuen Buchungen für die Sommersaison! Wir planen nach wie vor, auf Grillpartys, Stadtfesten, in Biergärten und Kneipen zu zeigen, was wir können, und freuen uns über Anfragen von Privatleuten, Veranstaltern und Gastronomen.«

Zusammenhalt und Zuversicht

»Dieses Projekt ist aber natürlich nicht nur aus einer Pandemie heraus geboren, um Menschen ein Stück durch die Krise zu tragen«, erklärt ein zunächst nachdenklicher Burghard. »Es ist auch für uns selbst ein Mittel, diese Zeit mit Zusammenhalt, Zuversicht und gemeinsamer Stärke zu durchleben. Wir haben hier eine gemeinsame Aufgabe und wollen aktiv zeigen, dass es eine Zeit nach der Pandemie geben wird, in der wir wieder alle gemeinsam feiern und singen werden. Ganz egal, ob jung oder alt, ob Oldie oder moderner Song.« Er lächelt verschmitzt: »Sowohl wir als auch unser Programm mögen auf den ersten Blick als das erscheinen, was man ›Retro‹ nennt. Aber hey, retro ist ja wohl absolut nice, nicht wahr?« Nice – das sind die Fünf und ihr Projekt ›Klabauter & Co‹ wahrlich, selbst wenn dieser Begriff der Jugendsprache im Beschreibungstext des Einbands der Mundorgel, dem Liederbuch ganzer Generationen, wohl noch keine Verwendung fand.

›Klabauter & Co.‹

Mundorgel, Shanties, Oldies, Dies und Das
Kontakt für Informationen und Buchungsanfragen:
Christel Gröhling · Tel.: 01 74 / 6 25 48 37
eMail: klabauterband [at] web.de

Facebook Logo  diese Seite auf Facebook teilen0