Stadtmagazin Lünen: Kunst und Kultur

Die 13 Tierkreiszeichen

Foto(s) zum Vergrößern anklicken

Quellenangabe in den Vergrößerungen

Was Sie schon immer über das Weltall wissen wollten …

Ein Beitrag von Dr. Tom Fliege

Seit vielen Jahrtausenden beobachteten die Menschen den Himmel über sich und erfanden zu ihrer Orientierung das Konzept der Zeit. Wenn das grell helle, wärmende Licht, das sie Sonne nannten, im Osten aufging und am Himmel stand, dann war Tag. War es im Westen untergegangen und es wurde sehr dunkel, dann war Nacht. Manchmal in der Nacht gab es auch noch ein nicht ganz so helles Licht, das sie Mond nannten. Der wechselte laufend seinen Ort, seine Gestalt und war manchmal sogar tagsüber zu sehen. Nach 29 bis 30 Tagen sah er wieder genau gleich aus, und man nannte diese Zeitspanne einen Monat.

Doch in der Nacht sah man auch noch eine Vielzahl kleinerer leuchtender Punkte. Sie bildeten Muster, die sich auch über lange Zeiten nicht veränderten. Daher nannte man sie Sterne bzw. Fixsterne. Mit viel Fantasie konnte man Menschen, Tiere oder Gegenstände in den über den gesamten Himmel verteilten Sternmustern sehen. Dabei halfen die eigene Erfahrungswelt, die Mythen und Geschichten über die übernatürlichen, ›göttlichen‹ Welten, um den Himmel mit Sternbildern vollzupflastern. Aber sowohl innerhalb einer Nacht als auch von Tag zu Tag und Monat zu Monat wandert dieser Fixsternhimmel immer ein Stück von Osten nach Westen weiter, bis er nach etwa zwölf Monaten wieder wie am Anfang der Beobachtungen aussieht. Diesen Zeitraum nannte man ein Jahr.
Merkte man sich zum Sonnenuntergang die Position der Sonne und den bald darauf an dieser Stelle sichtbaren Sternenhimmel, so stellte man fest, dass sich die Sonne scheinbar Monat für Monat von Westen nach Osten durch den Sternenhimmel bewegte. Den ganzen Lauf der Sonne durch den Fixsternhimmel hatte man schon in der Antike sehr genau notiert und nannte ihn Ekliptik (gelbe Linie in den Abbildungen).

Im warmen Sommer stand die Sonne sehr hoch am Himmel (in den Abbildungen liegt die gelbe Ekliptik oberhalb des blauen Himmelsäquators), im kalten Winter sehr niedrig (in den Abbildungen liegt die gelbe Ekliptik unterhalb des blauen Himmelsäquators), im Frühling und Herbst nur halb hoch (in den Abbildungen schneidet die gelbe Ekliptik jeweils den blauen Himmelsäquator). Die Sonne lief nun entlang der Ekliptik jedes Jahr aufs Neue zur selben Zeit durch dieselben zwölf Sternbilder. Da es überwiegend Tiergestalten waren, nannte man sie den Tierkreis oder Zodiakus. Das passte gut zu der Beobachtung, dass der Mond erstens auch ungefähr auf dieser Ekliptik entlanglief und zweitens zwölf Mond-Monate in ein Jahr hineinpassten, wenn auch nur ungefähr. Sogar eine Handvoll zusätzlicher, teilweise sehr heller, wandernder Lichter (die damals schon bekannten Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn) bewegten sich auch ungefähr entlang der Ekliptik und standen somit jeweils unterschiedlich in den zwölf Sternbildern des Tierkreises. Die Sternbilder hatten keine festen Grenzen und gingen auch teilweise ineinander über.

Die Sternenbeobachter (Astronomen) waren zu früheren Zeiten zugleich auch Sternendeuter (Astrologen). Sie sprachen neugeborenen Kindern zukünftige Eigenschaften zu, je nachdem in welchen Tierkreiszeichen die Sonne und die Planeten zum Zeitpunkt der Geburt standen und erstellten ihre Orakelsprüche in Form von Horoskopen. Dazu teilten sie die Ekliptik in zwölf genau gleich große Stücke, ordneten jedem 30°-Abschnitt ein Tierkreiszeichen zu und verfolgen diese Methodik unbeirrt bis heute.

Die Internationale Astronomische Union hatte jedoch 1930 den Himmel in 88 Sternbilder aufgeteilt und deren Grenzen festgelegt (rote Linie in den Abbildungen). So sind heute die zwölf Sternbilder des Tierkreises am Himmel weder 30° groß, noch überhaupt gleich groß. Außerdem haben sich in den letzten Jahrtausenden seit der ›Erfindung‹ des astrologischen Systems aufgrund der zusätzlichen Kreiselbewegung der Erdachse innerhalb von 26.000 Jahren (Präzession) die scheinbaren Sonnenpositionen um etwa ein Tierkreiszeichen verschoben.

Im Frühling tritt die Sonne am tatsächlichen, astronomischen Himmel in das Sternbild Fische (lateinischer Name Pisces, derzeit vom 13.03. bis 19.04., 38 Tage lang), danach in den Widder (Aries, 20.04. bis 14.05., 25 Tage) und in den Stier (Taurus, 15.05. bis 22.06., 39 Tage). Im Sommer durchläuft sie die Zwillinge (Gemini, 23.06. bis 21.07., 29 Tage), den Krebs (Cancer, 22.07. bis 11.08., 21 Tage) und den Löwen (Leo, 12.08. bis 17.09., 37 Tage), im Herbst dann Jungfrau (Virgo, 18.09. bis 31.10., 44 Tage), Waage (Libra, 01.11. bis 23.11., 23 Tage) und Skorpion (Scorpius, 24.11. bis 30.11., 7 Tage). Am tatsächlichen Himmel durchläuft die Sonne auch ein 13. Sternbild, den Schlangenträger (Ophiuchus, 01.12. bis 18.12., 18 Tage). Im Winter folgen Schütze (Sagittarius, 19.12. bis 20.1., 33 Tage), Steinbock (Capricornus, 21.1. bis 17.02., 28 Tage) und Wassermann (Aquarius, 18.02. bis 12.03., 23 Tage). Somit unterscheidet sich der Sternendeuterhimmel der Astrologen sehr stark vom Stand der Sonne und auch der Planeten am tatsächlichen, astronomischen Fixsternhimmel.

Vergleichen Sie doch mal, welches Tierkreiszeichen die Astrologen Ihrem Geburtstag zuordnen und an welcher Stelle des Himmels die Sonne dann wirklich steht! Man kann sein ›eigenes‹ Tierkreiszeichen gerade nicht im Monat seiner Geburt am Himmel sehen, weil dort die Sonne steht und es taghell ist.  Am besten sieht man es ein halbes Jahr früher oder später. Man ist aber nicht auf den gegenüberliegenden Monat gegen 0 Uhr beschränkt: In der gesamten Zeit von drei Monaten davor gegen 4 Uhr nachts, bis drei Monate danach gegen 20 Uhr (falls es dann schon dunkel ist) kann man sich auch auf die Suche machen. Dazu gibt es genügend Hilfsmittel: Jahrbücher, drehbare Sternkarten oder Software.

Termintipps

Die Grenzen von Raum und Zeit?!

Seit jeher hat der Mensch versucht, die Größe der ihm bekannten Welt zu vermessen. Trotz seiner bescheiden ausgestatteten fünf Sinne stieß er dabei sowohl in den Mikrokosmos der Atome als auch bis in den Makrokosmos des Weltalls vor. Der Mensch erfand das Konzept der Zeit, um sein Leben zu strukturieren. Er ging gedanklich weit in der Zeit zurück, um über ihren Anfang zu spekulieren, genauso wie in die ferne Zukunft, um über ihr Ende nachzudenken.
Doch was heißt eigentlich groß, klein, vor Urzeiten, in ferner Zukunft, schnell, langsam?
Der Vortrag von Dr. Tom Fliege erläutert und bebildert mit Atomkernen, Ameisen, Licht, Urknall, Galaxien, Weltende und vielem mehr die Skalen, mit denen wir heute die Grenzen von Raum, Zeit und Geschwindigkeit vermessen.

Termin 18.11., 19.30–21 Uhr
Käthe-Kollwitz-Gesamtschule
Dammwiese 8 • 44532 Lünen
Kursgebühr 12,00 Euro

Mars: von der Antike bis zu den Rovern

Seit Jahrtausenden beobachtet die Menschheit alle zwei Jahre einen gelborangenen Punkt am Himmel – den Mars. In der Antike wurde er als Kriegsgott gedeutet und erst mit der Erfindung des Fernrohrs begannen wir, mehr über ihn zu erfahren. Seine Oberfläche zeigt vielfältige Strukturen, die sich auch noch innerhalb von Wochen verändern können. Mittlerweile haben wir zahlreiche Sonden zu ihm geschickt und sind sogar mit Fahrzeugen wie Sojourner, Curiosity und Perseverance auf ihm gelandet. Was wissen wir bis heute mittels unbemannter Missionen über unseren rostroten Nachbarn? Dr. Tom Fliege wird es uns berichten.

Termin 09.12., 19.30–21 Uhr
Käthe-Kollwitz-Gesamtschule
Dammwiese 8 • 44532 Lünen
Kursgebühr 12,00 Euro

Weiterführende Literatur:

Planetariumssoftware für PC und Smartphone: Stellarium, Mobile Observatory
Drehbare Sternkarte: 30 cm Durchmesser, Kosmos Verlag
Jahrbuch mit Planetenpositionen etc.: Kosmos Himmelsjahr

Dr. Tom Fliege erklärt in loser Folge astronomische Zusammenhänge. Live können Sie ihn in seinen Vorträgen, Workshops und Exkursionen erleben, Termine und Orte unter www.Planet-Fliege.de

Facebook Logo  diese Seite auf Facebook teilen0