Stadtmagazin Lünen: Kunst und Kultur

»Die tollsten Geschichten liefert die Realität«

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Len Mette erzählt von Ommmas, Ufos und Wasserbüffeln

Warum sind Wasserbüffel stressresistent? Wieso trägt Ommma Ilse immer diese ärmellosen Haushaltskittel? Und inwiefern haben Außerirdische die Entstehung der Zivilisation beeinflusst? Für sein neuestes Werk begab sich der Lüner Musiker und Buchautor Len Mette auf die Spur von intelligentem Leben und förderte allerhand Skurriles und Kurioses zutage.

Gemein, aber lustig

»Die tollsten Geschichten liefert die Realität«, sagt er. »Wenn der Zugschaffner den sehbehinderten Fahrgast ohne gültiges Ticket als blinden Passagier bezeichnet, und wenn er das mehrfach tut, ohne es selbst zu merken, dann lach’ ich mich innerlich tot. Das ist gemein – aber lustig. Oder der ganze Genderismus: Bei allem ernsten Hintergrund finde ich es echt witzig, welche Diskussionen und bizarre Wendungen daraus entstehen können.« Mit ›Spuren Intelligenten Lebens – Vermächtnisse einer Zivilisation‹ hat der Bühnenkünstler bereits sein viertes Buch vorgelegt. Deutschlandweit bekannt ist Len Mette vor allem für seine Show ›langsambidde‹, einer Mischung aus Lesung, Konzert und Stand-up-Comedy, die sich auf selbstironische Weise mit dem Thema Burnout/Depression befasst. »Ein augenzwinkernder Stil ist mir nicht fremd, aber meine Texte beinhalteten immer auch Sachinformationen. Das neue Werk bietet erstmals reine Unterhaltung. Da habe ich Spaß dran, nicht nur beim Schreiben, weil es mir leichter von der Hand geht, sondern auch auf der Bühne, wenn sich die Leute kringeln vor Lachen. Ich habe das im Vorfeld ausgetestet, indem ich einzelne Geschichten ins Live-Programm von ›langsambidde‹ einfließen ließ, einfach um zu sehen, wie es ankommt. Da hat sich gezeigt: Das war das Salz in der Suppe. Man erreicht Menschen am besten, indem man sie zum Lachen bringt.«

»Ich hatte echt so eine Ommma, die hieß Ilse und hat geraucht wie ein Hochofen in Duisburg-Hamborn«

Wer sich für bittersüße Satire mit Lokalkolorit begeistert, ist bei Len Mette genau richtig. Dabei ist er nach eigenen Angaben eigentlich gar kein Fan von übermäßiger Ruhrpottromantik. Zechen seien für ihn vor allem im Sinne der Industriekultur interessant, sagt der gebürtige Essener und Wahl-Lüner, als charmante Kulisse für Konzerte und Großraumdiskos. Dennoch, wenn er von früher erzählt, kommt der ›Ruhri‹ in ihm zum Vorschein. Und beim Leser/Zuhörer startet automatisch das Kopfkino … »Ich hatte echt so eine Ommma wie in meinen Geschichten, die hieß Ilse und hat geraucht wie ein Hochofen in Duisburg-Hamborn. Ich habe mir immer den Spaß erlaubt, die Bilderrahmen zur Seite zu schieben. Darunter war die vergilbte Raufasertapete unberührt weiß.« Die Ommma, betont er, werde tatsächlich mit drei ›m‹ geschrieben, das sei schon richtig so, jedenfalls hier im Ruhrgebiet. »Einmal pro Woche sind wir im komplett verrauchten Auto nach Venlo gefahren und haben Kaffee und Zigaretten eingekauft. Das war toll! Meine Ommma Ilse besaß übrigens auch einen dieser gefliesten Tische, Typ Eiche rustikal. Und sie trug ärmellose Haushaltskittel. Immer! Ich schwöre, sie ist damit auch ins Bett und zum Schwimmen, wo sie den Kittel dann als Rosettenbadehaube turbanartig um den Kopf gewickelt hatte.« Er schmunzelt. »Wenn ich mich an diese Zeiten erinnere, stelle ich doch immer wieder fest, wie sehr ich hier verwurzelt bin.«

Ein Nordseeurlaub mit Len Mette

2021 soll es mit dem neuen Buch ab auf die Bühne gehen. Unter anderem sind auch wieder Veranstaltungen für den guten Zweck in Lünen geplant. Die beliebte Show ›langsambidde‹ wird parallel weiterlaufen. Im Herbst erhalten Interessierte zudem die Möglichkeit, sich unter dem Motto ›(D)ein Buch erleben‹ ein einwöchiges Urlaubsseminar an der Nordsee mit Len Mette zu gönnen. »Ich stelle mir das so vor, dass wir morgens gemeinsam frühstücken«, erzählt er. »Dann werde ich für zwei bis drei Stunden aus meinen verschiedenen Büchern vorlesen. Meine Mitreisenden können mit mir diskutieren und mich mit Fragen löchern. Nachmittags gibt es vielleicht Achtsamkeitsübungen am Strand, und natürlich jede Menge Gelegenheit, die Insel Juist zu genießen.«

»Die müssten doch den Kopf schütteln, wenn die noch halbwegs normal sind«

Aber was, wollen wir abschließend wissen, haben die im Klappentext erwähnten Außerirdischen mit alledem zu tun? Da muss der Autor (der beim Interview ein T-Shirt mit dem Akte X-Schriftzug ›I want to believe‹ trägt) kurz ausholen. »Ich liebe diese hanebüchenen Sendungen über Ufo-Sichtungen und urzeitliche Astronauten: Immer, wenn was komisch ist und man es nicht erklären kann, müssen Aliens schuld sein. Das ist für mich super Popcorn-Unterhaltung. Ich habe mich allerdings schon oft gefragt: Wenn die Außerirdischen tatsächlich schon mal mit ihren Raumschiffen auf der Erde gelandet sind, wenn sie uns immer noch beobachten und eben jene Situationen erblicken, die ich in meinen Texten beschreibe, was würden sie denken? Die müssten doch den Kopf schütteln, wenn die noch halbwegs normal sind.«

Männer

Das Mysterium Mann. Eine Geschichte voller Missverständnisse.

Liebe Frauen, ich glaube, ihr macht es euch zu leicht. Auch wir Männer sind hochkomplexe, von Emotionen getriebene Individuen. Vielleicht unterscheidet sich die Art der Emotionen ein wenig von den euren, aber grundsätzlich sind wir nicht jene Neandertaler, für die ihr uns immer haltet. Vielleicht vergesst ihr auch einfach, dass ein Neandertaler ebenfalls emotional war. Vermutlich jedenfalls. Immerhin war er schon mehr Homo sapiens, als bloßer Homo erectus. Nein, liebe Damen, letzterer hat nichts mit eurem Bild vom erectus zu tun. Das ist hier jetzt außerdem nicht wichtig. Es geht um Emotionen!

Und um Evolution! Wenn wir aber doch mal ehrlich sind, liegen bei aller Political Correctness, Gleichberechtigung und Moderne noch immer viele Themenschwerpunkte in unser aller Gene verankert, oder? Nein, ich will damit nicht sagen, dass Frauen an den Herd gehören oder sowas. Von solcher Machodenke bin ich kein Fan. Dennoch glaube ich, dass es klassisch weibliche und eben klassisch männliche Denkweisen und Themen gibt. Wäre ja auch schlimm, wenn nicht. Wir Männer sind also nicht einfach nur diese männlichen Wesen, die Fleisch essen und Bier trinken wollen. Nein, wir wollen GUTES Fleisch und LECKERES Bier. Das ist für uns Luxus, so wie es für euch Luxus ist, den guten Eyeliner und die Handmaske mit Vitamin E zu kaufen. Ganz so, wie es auch Klopapier mit Vitamin E und eingeprägten Blumen und Kamillen-Duft gibt!

Seit Jahrzehnten stelle ich mir übrigens die Frage, ob ein weiblicher Arsch überhaupt in der Lage ist, gleichzeitig Vitamin E zu absorbieren und sich an geprägten Blumen zu erfreuen. Riecht er tatsächlich nach dem Gebrauch des Tuches nach Kamille? Ich stelle mir diese Frage und auch, ob Frauen Topfpflanzen kaufen und sie dann umbringen, nur um ihren Männern plakativ darzulegen, wozu sie in Wahrheit fähig sind. Diese und viele andere Themen werden wohl ewig ein Mysterium bleiben. Mein Arsch jedenfalls kann das nicht, mit dem Absorbieren irgendwelcher Vitamine. Glaube ich. Also, nicht, dass ich das wüsste. Bisher ist es mir jedenfalls nicht gelungen, meine Nase an meinen Allerwertesten zu führen. Kamillenduft macht Sinn. Aus Gründen. Ich weiß allerdings nicht, wie sich ein Vitamin E-Mangel an einem Arsch bemerkbar macht.

Wir stellen uns folgende familieninterne Konversation vor:

»Schatz! Mein Arsch ist so rau heut’ morgen. Auch nicht so rosig wie sonst isser. Da stimmt doch was nicht.« »Da hast du recht, Hase. Zeig mal her! ... Das sieht mir stark nach einem Mangel an Vitamin E aus. Hier, nimm dieses Papier! Das wird dir helfen! Es ist mit Kamille und Vitamin E!« »Danke Schatz! Übrigens, eine schöne neue Topfpflanze hast du da erstanden!«

Ich frage mich darüber hinaus, warum es bei Klopapier der Werbung oder eben neuer Funktionen, wie Vitaminen bedarf. Wer zum Geier würde das Zeug denn nicht trotzdem kaufen, wenn es keine solchen Maßnahmen gäbe? Was wäre die Menschheit ohne die Erfindung des Klopapiers mit Vitamin E und Kamillenduft, und warum haben Hersteller ein Werbebudget dafür? Was zum Henker denkt sich die Industrie bei solchen Produkten? Ich weiß es nicht. Es mag daran liegen, dass ich zu männlich bin, um es zu verstehen. (…)

Auszug aus
›Spuren Intelligenten Lebens – Vermächtnisse Einer Zivilisation‹
DerFuchs-Verlag · 12,99 Euro

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