Stadtmagazin Lünen: In der Stadt

»Ich bin der bunte Typ, der gute Laune verbreiten will«

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Anja Klukas im Interview

Es gibt diese unheimlich kreativen Menschen, die immer da auftauchen, wo gerade irgendwas Künstlerisches ausgeheckt wird. Menschen wie Anja Klukas. Von Beruf ist die 43-Jährige Grafikdesignerin. ›Nebenbei‹ illustriert sie Geschichten, ist aktives Gründungsmitglied der Lüner Filmcrew und wirkt bei Hörspielen mit. Was es gar nicht so leicht macht, ein Interview mit ihr zu führen. Denn wo fängt man an? »Ich will nicht zu Hause sitzen und die Wand anstarren, ich liebe meine Hobbys, allerdings kommt es mir oft so vor, dass die Tage nicht mehr 24 Stunden haben«, scherzt sie.

»Beim Malen vergesse ich alles um mich herum«

Beginnen wir mit dem Malen und Zeichnen, denn das hat die gebürtige Dresdnerin schon als Kind begeistert. 2004 durfte die alte Leidenschaft im Zuge einer »schwierigen familiären Phase« wieder aufflammen. »Ich bin in den Baumarkt gefahren und habe Abtönfarben gekauft. Mann, diese ersten Werke kann man sich nicht mehr angucken. Aber ich habe gemerkt, dass ich beim Malen alles um mich herum vergesse. Das ist die perfekte Entspannung. Die Zeit verstreicht, ich denke nicht mal mehr daran, zum Klo zu gehen. Und die Resonanz auf meine Bilder war positiv. Also habe mich immer mehr reingehängt und mit anderen Materialien wie Acryl, Kreide, Kohle oder Buntstiften experimentiert.« Drei Ausstellungen in Lünen hat sie bereits gestaltet. Ein Ausschnitt der Arbeiten wird auch auf ihrer Homepage präsentiert: farbenfrohe Tiere und Naturlandschaften zum Wohlfühlen, freundliche Porträts, Blumen, ein gigeresques Alien mit aufgerissenem Maul …

Indianer, Wolken, Aliens

Moment mal: Was hat das Monster da zu suchen? »Das habe ich für einen Freund gezeichnet. Vom Schwanz angefangen entstand es Stück für Stück mit Kreide auf schwarzem Papier. In diesem Sinne ist Malen wie eine Geburt – selbst wenn das ›Baby‹ ein Alien ist. Aber es stimmt schon: Sonst bin ich eher der bunte Typ, der gute Laune verbreiten will.« Auch als Illustratorin hat sich Anja Klukas einen Namen gemacht, etwa für das Kinderbuch ›Die kleine Wolke Ananas‹, die Internetgeschichten der ›Schreibtante‹ oder ein Karl May-Hörspiel. »Solche Auftragsarbeiten sind eine besondere Herausforderung. Einerseits darf das Cover nicht zu viel verraten. Andererseits muss es den Vorstellungen des Auftraggebers entsprechen und das rüberbringen, was er zeigen will. Ich finde es immer wieder spannend, so etwas umzusetzen. Und freue mich, wenn der Autor des Buches hinterher sagt: Boah, genauso wollte ich es haben!«

Eigene Sprecherkabine in der Wohnung

Anders als viele Künstler, die am liebsten im stillen Kämmerlein vor sich hin werkeln, verfolgt Anja Klukas aber noch eine zweite große Passion, welche sie verstärkt ins Rampenlicht rückt: die Schauspielerei. Über ihre damals zwölfjährige Tochter kam sie zum Workshop für das Theaterstück ›Typisch Lünen‹, aus dem 2014 die Filmcrew hervorging. Die hier gesammelten Erfahrungen (gepaart mit dem Lob der Tochter, sie habe so eine schöne Märchenerzählerstimme) gaben schließlich den Anstoß zur Zweitkarriere als Sprecherin. Mittlerweile hat sie sich zu Hause eine eigene Sprecherkabine eingerichtet und engagiert sich auf der Plattform ›HoerTalk.de‹, wo Amateure und Profis gemeinsam Hörspiele zum kostenfreien Download produzieren.
»Es ist schon toll, wenn man mit Kollegen aus ganz Deutschland zusammenarbeitet, von denen jeder bei sich zu Hause aufnimmt, und später das Endprodukt hört: Mein ›Ehemann‹ aus ›der Dialog‹ wohnt beispielsweise irgendwo in der Schweiz, aber nach dem Zusammenschneiden klingt es, als ob wir gemeinsam in der Küche sitzen.« Außerdem wirkt die Lünerin bei sogenannten ›Fandubs‹ mit, Neusynchronisationen von Filmen und Computerspielen. »Beispielsweise habe ich Beverly Marsh in ›Es‹ verkörpert, ebenso wie das hochnäsige Mädchen Angela in ›Charlie und die Schokoladenfabrik‹.«

»Wenn ich ein Kotzbrocken sein soll, mach ich das auch!«

Hörbücher gehören ebenfalls zu ihrem Portfolio: Für den Autor Stephan Fölske liest sie nun schon das fünfte Werk ein. »Ich habe den Anspruch, jeder Figur eine eigene Stimme zu geben – so wie der großartige Rufus Beck in ›Harry Potter‹. Es erfordert jede Menge Konzentration, vor allem wenn man schnell von einem Charakter zum nächsten hüpft. Und auch die jeweiligen Stimmungen sollten mit einfließen. Man muss seine Rolle sein.« Sie grinst. »Meine Nachbarn wissen Bescheid, was los ist, wenn ich mal wieder in meiner Kabine herumschreie oder mich so in Euphorie spreche, dass ich aufpassen muss, damit meine ostdeutsche Herkunft nicht durchkommt.« Besonders mag sie Rollen, die ihrer Persönlichkeit komplett widersprechen, zum Beispiel besonders arrogant oder dominant sind. »Mir wurde mal gesagt, ich habe eine ›niedliche Stimme‹, aber wenn ich ein Kotzbrocken sein soll, mache ich das auch!«

Tage kürzer als 24 Stunden …

Wen überrascht es, dass Anja Klukas selbst begeisterte Hörspiel-Hörerin ist? Momentan widmet sie sich den alten TKKG-Folgen – die seien bei der Arbeit als Grafikdesignerin besonders konzentrationsfördernd. »Letztens habe ich dabei sogar einen Bekannten entdeckt: den Sprecher Werner Wilkening, den ich auf der Hörmich-Messe in Hannover getroffen habe und mit dem ich schon gemeinsame Projekte realisieren durfte.« Aktuell freut sie sich auf die Berliner Hörspielmärkte im Oktober, wo sie einer Freundin bei der Organisation von Veranstaltungen hilft. Als wäre das alles noch nicht genug, liest sie regelmäßig und ehrenamtlich im Caritas-Altenzentrum St. Norbert Geschichten vor und betreibt gemeinsam mit ihrem Freund Modellbau. Kein Wunder, dass die Tage in ihrer Welt kürzer als 24 Stunden erscheinen …

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