Stadtmagazin Lünen: In der Stadt

»Wenn du traurig bist, geh zur Caritas!«

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Beratungsstelle für Eltern, Jugendliche und Kinder unterstützt vertraulich und kostenfrei

Wo Menschen unter einem Dach zusammenleben, kann es auch schon mal heftig krachen. Das ist eigentlich ganz normal und kommt in den besten Familien vor. Gleichwohl können Streit oder schwelende Konflikte den Seelenfrieden der beteiligten Personen stark beeinträchtigen. Die Beratungsstelle für Eltern, Jugendliche und Kinder des Caritasverbandes Lünen-Selm-Werne unterstützt vertraulich und kostenfrei bei der Bewältigung des familiären Alltags.

»Sie sind damit nicht allein!«

»Viele warten zu lange, weil sie hoffen, dass sich die Situation von selbst löst, und kommen erst zu uns, wenn der Leidensdruck bereits sehr hoch ist«, berichtet die Sozialpädagogin und Mediatorin Banu Pinar Arslan. »Wir wollen jeden dazu ermutigen, sich lieber etwas früher zu melden.« »Man muss kein ausgewachsenes Problem mit sich herumschleppen, um unsere Hilfe in Anspruch zu nehmen«, bekräftigt ihr Kollege Dipl. Sozialpädagoge Rafael Holtwick. »Wir sind auch präventiv für Sie da: Wenn Sie einfach nur Gesprächsbedarf haben, eine Frage auf dem Herzen oder sich unwohl fühlen und gar nicht so genau wissen, wo es hapert. Sie sind damit nicht allein! Vor allem brauchen Sie sich für nichts zu genieren! Ich bin jetzt seit 20 Jahren in meinem Beruf tätig und habe noch nie Eltern getroffen, die einen Grund gehabt hätten, sich zu schämen. Davon abgesehen unterliegen wir selbstverständlich der Schweigepflicht!«

Auch Kinder finden Ansprechpartner

Die Anliegen, mit denen sich die Menschen an das multiprofessionelle Team wenden, sind so unterschiedlich wie die Familien selbst. Das kann mit den typischen Erziehungsfragen losgehen: Warum schreit mein Kind permanent? Was kann ich tun, damit es besser einschläft? Oder später: Wie gehe ich mit Verhaltensauffälligkeiten um? Ist es sinnvoll, Medienkonsum beziehungsweise Handynutzung zu regulieren? Wie motiviere ich den Nachwuchs für die Hausaufgaben? Nicht nur die Eltern, auch ihre Kinder finden in den Experten der Beratungsstelle verständnisvolle Ansprechpartner. Bei den Jüngeren helfen Spiele wie Memory oder Kicker, um herauszufinden, wo der Schuh drückt.

»Als unabhängige Partei können wir gut vermitteln«

Ab einem gewissen Alter verlagern sich viele Probleme aus dem Haushalt in die Schule. Und auch hier wissen die Sozialpädagogen Rat – egal, ob es um Förderbedarf, die gefährdete Versetzung, Konflikte mit Lehrern oder Mobbing geht. Zu ›Nicht-Corona-Zeiten‹ gehen die Caritas-Mitarbeiter regelmäßig in die Klassen, unterstützen bei Elternsprechtagen oder stellen sich und ihre Arbeit auf Pflegschaftssitzungen vor. »So wollen wir die Hemmschwelle senken: Den meisten Leuten fällt es leichter, unser Angebot wahrzunehmen, weil sie uns kennen.« Das gilt für Eltern wie Schüler. »Wenn ich in Lünen über einige Schulhöfe gehe, klatschen sich die Kids mit mir ab«, verrät Rafael Holtwick mit einem Schmunzeln. »Als unabhängige Partei sind wir im Konfliktfall außerdem nicht so nah dran am Geschehen und können von daher gut vermitteln«, ergänzt Banu Pinar Arslan. »Wenn etwa nach einer handgreiflichen Auseinandersetzung Konsequenzen gegenüber einem Schüler einleitet werden, fühlen sich Eltern oft unverstanden. Hier kann es schon helfen, zu erklären, warum die Schule als Institution so und nicht anders agieren muss. Dieser neutrale Blick von außen wird von allen Beteiligten geschätzt.«

Konfliktthema ›Homeschooling‹

Ein Thema mit großem Konfliktpotenzial ist das seit Corona verbreitete Homeschooling. »Das betrifft fast alle«, so Rafael Holtwick, der als Vater aus eigener Erfahrung spricht. »Aber manche Familien sind aufgrund ihrer Lebensumstände eben noch stärker benachteiligt als andere: Wenn zum Beispiel eine alleinerziehende Mutter parallel zum Homeoffice auch noch ihre drei Kinder unterrichten soll, ist es nicht verwunderlich, dass sich bestehende Spannungen weiter zuspitzen. Darüber hinaus haben nicht alle Schüler die gleichen technischen Voraussetzungen. Manche verfügen zu Hause nicht mal über einen Laptop oder die Möglichkeit, Arbeitsblätter auszudrucken. Wer früher Schwierigkeiten hatte, wird sich unter diesen erschwerten Bedingungen kaum verbessern. Bei manchen Jugendlichen geht die gesamte Tagesstruktur verloren. Solche Probleme wird man natürlich nicht auf Anhieb vom Tisch kriegen. Aber man kann darüber reden – und entlasten.«

»Wir sind nicht das Jugendamt!«

Weitere Themen, die in den Gesprächen mit den Beratern zu Tage treten, sind belastende Lebenssituationen wie Trennung und Scheidung der Eltern oder die Erkrankung eines Elternteils, Traumabewältigung, Straftaten oder Drogenkonsum. Jugendliche können das Angebot übrigens auch ohne Begleitung ihrer Eltern in Anspruch nehmen oder alternativ einen Freund mitbringen. »Wir sind nicht das Jugendamt – wir begleiten die Betreffenden aber gerne dorthin, falls es sinnvoll ist, dort Hilfe zu suchen und die Beteiligten das möchten.« Bei Bedarf kooperieren die Experten auch mit ortsansässigen Medizinern. »Natürlich können wir keine psychische Störung behandeln – doch wir können an die entsprechenden Stellen vermitteln und den Betroffenen während der Wartezeit stabilisierend zur Seite stehen.« Bis zum Arzttermin vergehen auch schon mal ein paar Monate. Dagegen wartet man auf das Erstgespräch bei der Caritas maximal vierzehn Tage.

»Positives Feedback ist das ›Sahnehäubchen‹ unserer Arbeit«

»In der Regel dient ein solches Erstgespräch dem Kennenlernen und dem Festlegen der Ziele«, verrät Banu Pinar Arslan. »Was muss sich verändern, damit ich zufriedener werde? Wir sehen, dass wir erfolgreich waren, wenn unsere Klienten nach einigen Terminen sagen: ›Ich habe mein Ziel erreicht.‹« »Positives Feedback ist das ›Sahnehäubchen‹ unserer Arbeit, davon leben wir«, so auch Rafael Holtwick. »Wenn man beispielsweise hört, dass der Junge mit den Schulschwierigkeiten doch noch sein Abi geschafft hat oder das Mädchen, dem wir während der Scheidung ihrer Eltern helfen konnten, uns ihrer besten Freundin weiterempfiehlt mit den Worten: ›Wenn du traurig bist, geh zur Caritas‹, dann ist das einfach toll. So was gibt Kraft für den Job!«

Einzelgespräche und offene Sprechstunden finden auch in den ›Haltestellen‹ in Süd, Brambauer und an der Münsterstraße sowie im Bürgerhaus Gahmen statt. Auf Wunsch kann die Beratung zudem telefonisch oder online erfolgen.

Beratungsstelle für Eltern, Jugendliche und Kinder
Caritasverband Lünen-Selm-Werne

Lange Straße 84 · 44532 Lünen
Tel. 0 23 06 / 70 04-11 10
eb [at] caritas-luenen.de
www.caritas-luenen.de

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