Stadtmagazin Lünen: Kunst und Kultur

Vorgestellt: die JSM Academy

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»Will man seinen Traum leben, erfordert das eine ganze Menge Idealismus!«

Wer hat als junger Mensch nicht davon geträumt, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen? Doch den tatsächlichen Schritt wagen nur wenige. Einer von ihnen ist Julian Schlage. Kurzer Rückblick: Vor rund vier Jahren besuchten wir den damals 17-jährigen Gymnasiasten zu Hause bei seinen Eltern in Altlünen, wo er seine Fertigkeiten an Schlagzeug, Gitarre und Bass in einem ziemlich professionell ausgestatteten ›Bandkeller‹ perfektionierte, an kleinen Youtube-Videos feilte und große Zukunftspläne schmiedete. Nach dem Abi wollte er als Profimusiker und Veranstaltungstechniker seine Brötchen verdienen. ›Mach lieber was Vernünftiges‹, wurde ihm damals von vielen Seiten geraten. Doch Pustekuchen! Statt sich die wallende Mähne abzuschneiden und eine ›ordentliche Ausbildung‹ anzufangen, entschied sich der junge Tonkünstler für ein Bachelorstudium zum ›Music Technology Specialist‹ an der University of West London und eröffnete die JSM Academy, eine Musikschule in der Lüner Innenstadt. Wir wollten mehr wissen.

Glückwunsch zur Gründung der eigenen Musikschule! Wie kam es dazu?

Ich hatte schon immer Anfragen für Musikunterricht und habe bereits zu früheren Zeiten gerne als Lehrer an einer Musikschule gearbeitet. Ende 2019 wurde klar: Wenn schon, dann richtig! Also wurden im Januar diesen Jahres Räumlichkeiten in der Nähe der Lüner City angemietet und losgelegt. Inzwischen sind die Unterrichtsräume so weit ausgestattet, dass dort auch Bandproben und Studioaufnahmen stattfinden können, was meine Schüler für ihre musikalischen Projekte sehr gerne nutzen. Zudem besteht die Möglichkeit, dass der Unterricht zu Hause auf dem eigenen Instrument erfolgt.

Ein mutiger Schritt, sich so jung im Kulturbereich selbstständig zu machen …

Die Selbstständigkeit war für mich nicht komplett neu, da ich schon seit 2018 neben dem Studium als Musiker und Tontechniker aktiv bin – sowohl im Studio als auch auf der Bühne. Das Ganze ist relativ schnell  gewachsen, ich war viel in Europa unterwegs. Die Musikschule war jetzt eine tolle Möglichkeit, der Firma ein ›Zuhause‹ zu geben. So können die Event- und Studioaufträge, der Technik-Verleih und auch der Musikunterricht von einem Ort aus gesteuert werden.

Kann man davon leben oder ist es eher ein Nebenjob?

Ziel war es ursprünglich, mir das Studium zu finanzieren, aber inzwischen sind die JSM Eventtechnik und auch die JSM Academy zu groß geworden, um nach dem Abschluss 2021 einfach wieder aufzuhören. Ich habe für mich erkannt, dass die Selbstständigkeit in diesem Bereich genau das Richtige für mich ist und ich darin, selbst Musik zu leben und andere Menschen groß zu machen, die Aufgabe in meinem Leben gefunden habe.

Hast du es schon mal bereut, diesen eher unkonventionellen Weg eingeschlagen zu haben? Die Corona-Pandemie hat ja gerade die Kulturbranche besonders hart getroffen …

Ich glaube, es gibt immer Situationen, in denen man beinahe verzweifelt, weil nichts klappen will, aber letztendlich sind es genau diese Herausforderungen, an denen man die Chance hat, persönlich und beruflich zu wachsen. Auf der Suche nach einer Lösung wird man auch immer 99 Wege finden, die nicht funktionieren. Die Corona-Krise hat mich relativ kurzfristig nach der Gründung der JSM Academy erwischt. Es war also schnelles, kreatives Handeln gefragt, damit der Unterricht weiterlaufen kann und das Überleben des Unternehmens gesichert ist.

Wir haben bei Facebook gesehen, dass du jetzt Online-Unterricht anbietest …

Genau. Die Online-Stunden sind eine großartige Möglichkeit, fast uneingeschränkt weitermachen zu können. Speziell für das Streamen wurde innerhalb kürzester Zeit ein Videostudio eingerichtet, aus dem Ton und Bild in professioneller Qualität gesendet werden kann. Das Angebot wurde sehr gut angenommen. Ich habe tollen Support von den Schülern bekommen, die mich nicht hängen lassen und es auch selbst schätzen, dass sie weiterhin ihren Unterricht bekommen. Für die Zukunft nach der Corona-Krise besteht sogar die Idee, das Online-Angebot bestehen zu lassen.

Was ist das Tolle an deiner Arbeit, das die wirtschaftliche Unsicherheit aufwiegt? Wie viel Idealismus spielt da mit rein?

Ein ganz wichtiger Punkt ist das großartige Feedback, das ich beinahe täglich erhalte. Wenn ein Kunde oder Schüler durch mich ein Ziel erreichen konnte oder einfach nur einen guten Tag hatte, motiviert mich das, immer weiter zu machen und zeigt mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Kurz gesagt: Will man seinen Traum leben, erfordert das eine ganze Menge Idealismus!

Laut deiner Homepage lehrt die JSM Academy viele Instrumente und auch Gesang. Übernimmst du alles selbst?

Aktuell mache ich den Instrumentalunterricht, eine angestellte Gesangslehrerin übernimmt den Gesangsunterricht. Für spezielle Coachings und Event-Aufträge kann ich auf einige freiberufliche Partner zählen, mit denen ich immer wieder gerne zusammenarbeite.

Habt ihr euch auf bestimmte Musikstile spezialisiert oder bietet ihr das volle Programm?

Grundsätzlich stehen die Wünsche der Schüler und Kunden im Vordergrund. Es gibt keinen vorgegebenen Lehrplan, da jeder Teilnehmer individuell gefördert werden soll. Stilistisch sind keine Grenzen gesetzt. Vom klassischen Klavierunterricht bis zum Heavy-Metal-Schlagzeug ist alles möglich. Das Spektrum an Kunden ist übrigens sehr breit. Manchmal bin ich am Wochenende auf einem großen Firmenball und am Montag schon wieder in der musikalischen Früherziehung.

Findest du bei alledem überhaupt noch die Zeit, selbst als Musiker aufzutreten?

Ich möchte es mir natürlich niemals nehmen lassen, selbst auf der Bühne zu stehen, und so bin ich auch nach wie vor Schlagzeuger einer Party-Rock-Cover-Band, die sicherlich nach der Corona-Krise wieder auf vielen Events zu sehen und zu hören sein wird. Das Zusammenstellen einer Schülerband wurde vorerst, gerade wegen Corona, aufgeschoben (aber nicht aufgehoben). Auch hier gibt es schon Ideen und Pläne, also wird da in Zukunft noch etwas kommen.

Was willst du noch erzählen, das hier nicht gefragt wurde? ︎wink

Ich würde mich gerne bei allen bedanken, die mich beim Aufbau der JSM Academy unterstützt haben. Es gibt einige Menschen, die sofort da sind und mit anpacken, wenn es Schwierigkeiten gibt. Gemeinsam ist man stark! Mein ganz besonderer Dank gilt allen Schülern, die während der Corona-Krise per Online-Meeting Unterricht nehmen und mit mir gemeinsam das Beste aus der Situation machen. Ich freue mich darauf, euch bald wieder persönlich in der JSM-Academy begrüßen zu dürfen!

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