Stadtmagazin Lünen: Kunst und Kultur

Zwischen Eisbergen und Vulkanen

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Jürgen Kurschinski: »Ein Leben ohne Kreativität wäre für mich nicht denkbar!«

Blauweiße Gebilde wie Eiszapfen, feuerrote Lava oder ein Frühlingshauch in leuchtendem Grün: Die Bilder von Jürgen Kurschinski schicken den Betrachter auf einen psychodelischen Trip durch die Welt der Farben und Formen. »Ich arbeite experimentell, aber keineswegs wahllos«, betont der Maler. »Die Kombination der verschiedenen Farbtöne und Spektren ist wohlüberlegt!«

Kreatives Multitalent

Schon während seiner Schulzeit spielte er Gitarre, in seiner Studentenzeit schrieb er Kurzgeschichten, zudem begeisterte er sich für die Fotografie, arbeitete gar mit befreundeten Studenten deren Seminaraufgaben nach. Später sorgte er in der privaten Musikgruppe ›Klangspektrum‹ an der Lead-Gitarre für sphärische Klänge. Ja, Jürgen Kurschinski war schon immer ein kreatives Multitalent. Hauptberuflich orientierte sich der Lehrer für Deutsch, Geschichte, Kunst und praktische Philosophie aufgrund der Stellenknappheit in den 80er-Jahren zwischenzeitlich zum Infografiker um, lernte in seiner grafischen Ausbildung viel über Farblehre, Formgebung und Raumaufteilung. Alle diese Einflüsse spiegelten sich in seinen ersten künstlerischen Gehversuchen wider. Doch ein wesentliches Element fehlte noch.

»Bedeutungsräume sind nicht komplett steuerbar«

»Am Computer konnte ich die tollsten Bilder gestalten, aber ich hatte noch nie Farbe auf Leinwand gebracht. So kam ich zu Uwe Gegenmantel, um auch dieses Handwerk zu lernen.« Heute teilen sich die beiden Künstlerkollegen einen Raum im Lüner Atelierhaus und die Vorliebe für sogenannte ›Gedächtnisspuren‹. »Als Mensch wird man täglich von beiläufigen Sinneswahrnehmungen überschwemmt, die man in der Regel schnell wieder vergisst – außer sie werden durch einen besonderen Reiz, eine Gedächtnisspur, verstärkt. In der Zeitung sind das Grafiken, die komplexe Informationen auf einen Blick bündeln. In der Malerei können Stereotypen in Form von Zeichen oder auch Farbakzenten die gleiche Aufgabe übernehmen.« Und tatsächlich, in jedem seiner zumeist ab­strakten Bilder lässt sich etwas entdecken: Da können uns gletscherartige blauweiße Muster zum Frösteln bringen, kräftige Rot- und Gelbtöne den Eindruck brodelnder Vulkanlandschaften evozieren, Motive in leuchtendem Grün an tropische Pflanzen erinnern. »Solche Bedeutungsräume sind natürlich nicht komplett steuerbar.« Und gerade das ist das Spannende!

Inspirierende Farbexplosionen

Doch wie entstehen die Werke eigentlich? Im Atelier dürfen wir dem Künstler beim Schaffensprozess über die Schulter blicken. »Ich habe immer mehrere Farbtöpfe vor mir«, erklärt er. »Die strahlenden Oberflächen beziehungsweise klaren Konturen der Farbverläufe erreiche ich durch die Verbindung von Acrylfarbe mit einem Farbzusatz, welcher es mir erlaubt, wasserbasierte Materialien ähnlich wie Öl zu verarbeiten.« Mithilfe von Pinsel, Spachtel und Schüttungen werden die Farben platziert auf den Grund aufgetragen. Und damit ist die Arbeit unter Umständen noch lange nicht getan: Eine wahre Farbexplosion bescheren uns die Mosaike, bei denen unterschiedliche Kleinformate (ab 7 x 7 cm) miteinander kombiniert werden. Auch hier bleibt nichts dem Zufall überlassen, wie Jürgen Kurschinski verrät. »Die passenden Bilder zusammenzustellen, das dauert!« Hinter dem ästhetischen Endergebnis kann übrigens durchaus eine tiefere Botschaft verborgen liegen, welche sich erst bei genauerer Betrachtung und manchmal auch erst durch den Titel erschließt: ›There is a coldness in this world‹, heißt es da, oder ›Sparkling under the volcano‹.

»Den kreativen Flow kann ich in jeder Form erleben«

Neben seinen Farbexperimenten beschäftigt sich Jürgen Kurschinski bis heute auch mit figurativer Malerei, Fotografien sowie Fotografiken und plastischer Kunst. Zum Tag der Gesundheit erfand er eine Rolle mit kunterbuntem Klopapier, »um zu signalisieren, wie gut es uns eigentlich geht.« Für den Neujahrsempfang mit Ausstellung am 12. Januar will er alten Schulwandkarten einen zeitgemäßen Anstrich verpassen: »Die Bilder der heimischen Singvögel könnten mit kleinen Skeletten zum Hochklappen beklebt werden: als Hinweis auf die Zukunft, die uns bevorsteht.« Auch die Musik liegt ihm nach wie vor am Herzen: So untermalte er mit ›Klangspektrum‹ bei einem Happening im Atelierhaus eine Live-Malaktion von Uwe Gegenmantel und Ulrich Roters mit sphärischen Klangeffekten. »Ob Musik, Malerei oder Fotografie: Den kreativen Flow kann ich in jeder Form erleben. Und es ist toll, dass ich hier im Atelierhaus die Möglichkeit habe, mich mit anderen Künstlern aus verschiedensten Bereichen auszutauschen. Ein Leben ohne Kreativität wäre für mich nicht denkbar!«

Termintipp:

12.01. · 14 Uhr · Atelierhaus
›Alte Schulwandkarten‹
Neujahrsempfang und Ausstellung

Weitere Infos: www.kurschinski.de

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