Stadtmagazin Lünen: Kunst und Kultur

Interview mit Len Mette

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»Mein Hang zum Sarkasmus hat mir den Arsch gerettet!«

»Alter, wie konntest du in so eine armselige Situation geraten? Jetzt hängste hier in der Klapse rum!« Wenn der Buchautor und Musiker Len Mette die Bühne betritt, kann einem das Lachen im Halse stecken bleiben. Übel nimmt man ihm seine teils unverblümte Art aber nicht, denn: Der Mann weiß, wovon er spricht. »Als jemand, der das selbst erlebt hat, bin ich wahrscheinlich etwas freier als andere. Natürlich ist es ein schmaler Grat. Aber: Mein eigener Hang zum Sarkasmus hat mir damals den Arsch gerettet, und die Erfahrung hat gezeigt: Gerade diejenigen unter den Zuschauern, die selbst betroffen sind, beömmeln sich bei meinem Programm am meisten!«

Wenn die Seele nicht mehr will, schaltet der Körper in den Notfallmodus

Mitte zwanzig und schon Projektleiter. Eigentlich lief es rund im Leben von Len Mette. Seine große Leidenschaft, das Gitarrespielen, musste der Wahllüner dafür zwar zurückstellen. Aber das konnte ja eigentlich nicht so schlimm sein. Oder etwa doch? »Die ersten Anzeichen habe ich noch als ›Wehwehchen‹ abgetan«, erinnert er sich, »Stimmungstiefs, Muskelverspannungen. Zeitweise lief ich mit zwei geschienten ­Armen durch die Gegend, weil die Ärzte dachten, ich hätte Sehnenscheidenentzündungen. Irgendwann im Jahr 2015 kam dann der Tag, an dem ich vor dem Rechner saß und nicht mal mehr in der Lage war, eine Email abzuschicken.« Diagnose: Burnout/Depression. Die Folge: ein zehnwöchiger Klinikaufenthalt. »Körper und Seele hängen zusammen, und wenn die Seele nicht mehr will, schaltet der Körper in den Notfallmodus und zwingt dich zu einer Pause. Ich habe es mit sehr viel Glück, aber auch durch hartes Training und Meditation geschafft, mich aus diesem Loch herauszuholen und die Perspektive auf die Dinge zu lenken, die mir wirklich wichtig sind: die Musik und das Schreiben.«

Ein Mix aus Lesung, Musik und Kabarett

Bin ich krank, oder einfach nur ›voll Banane‹? Wie gehen Psychos aufs Klo? Darf ich als Depressiver überhaupt fröhlich sein? In seiner Show ›langsambidde‹, einem heiter bis ernsten Mix aus Lesung, Musik und Kabarett, beantwortet der Vollblutkünstler Fragen, die der Zuschauer nie laut stellen würde. Ungeniert, spontan, selbstironisch, aber bisweilen auch sehr feinfühlig. »Mein Hauptanliegen ist die Aufklärung über ein Thema, das nach wie vor mit vielen Tabus behaftet ist. Für mich war das in der Klinik der schlimmste Moment meines Lebens. Ich wusste nicht: Wie geht es weiter? Werde ich jemals wieder für meinen Lebensunterhalt arbeiten können oder bleibe ich auf ewig in der Klapse? Und auch nach meiner Entlassung musste ich kämpfen, denn ich hatte ja erst mal den ›Burnoutstempel‹ auf der Stirn. Inzwischen weiß ich aber: Es kann dir richtig mies gehen, doch das muss keine Einbahnstraße sein. Dieses Wissen will ich anderen mit auf den Weg geben!«

Lockerer Zugang zu einem ernsten Thema

Solo oder mit kleiner Unplugged-Band ist der heute Fünfunddreißigjährige in ganz Deutschland unterwegs: auf Theater- und Lesebühnen, in kleinen Cafés und auf großen Buchmessen, aber auch im Rahmen von Informations- und Präventionsveranstaltungen in Unternehmen, Kliniken und Selbsthilfegruppen. »Ich selbst hätte mich damals über Infos gefreut, die über reine Powerpointvorträge hinausgehen«, sagt Len Mette. Die Kunstform eröffnet einen neuen, lockeren Zugang zu einem ernsten Thema. »Je nach Publikum muss man sich natürlich langsam herantasten und kann nicht gleich die derben Witze bringen. Es geht mir aber auch gar nicht darum, irgendwas zu verharmlosen. Ich stand selbst nah an der Kante, das werde ich nicht vergessen. Und das Feedback, das ich sowohl direkt nach der Show von den Zuschauern als auch später in den Sozialen Medien bekomme, zeigt: Auch wenn sonst im Alltag keiner drüber spricht, es sind doch viele betroffen!«

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