Stadtmagazin Lünen: Kunst und Kultur

Female Fronted Rock mit Herz und Whiskey-Röhre

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Aus dem Weg, hier kommen ›Why Amnesia‹! Echt jetzt, mit ihren schwarzen Lederjacken, den Jeanswesten und dunklen Retro-Sonnenbrillen haben die Fünf ein bisschen was von einer Biker-Gang. Was auch irgendwie passt, denn ihre Musik ist der perfekte Soundtrack für einen Motorradslalom über staubige Buckelpisten: temporeiche Schlagzeugrhythmen, kraftvolle, teils grungy E-Gitarrenriffs und eine Frauenstimme, die problemlos zwischen Whiskey-Röhre und balladesken Tönen wechselt, um gleich darauf wieder voll durchzuheizen …

Demnächst unplugged im Neuland

Im Oktober hat die Band ihr drittes Album ›Jacks ’n’ Hearts‹ beim Label ›Hotter than Hell-Records‹ veröffentlicht, Release war im Lüner Greif. Am 31. Mai steht eine Unplugged-Session im Rahmen von ›Strings & Stories‹ im Neuland auf dem Programm. Für die Festival erprobten Rockmusiker eine erfreuliche und spannende Abwechslung. »Je privater der Rahmen, desto größer die Herausforderung«, verrät Gitarrist Theus Caster. »Bei fetten Auftritten hat man seine kleine Familie auf der Bühne, man steht im Licht, sieht keine Gesichter im Publikum. In einer Location mit Wohnzimmerflair wie dem Neuland ist der Kontakt zu den Zuschauern viel enger. Zudem spielen wir nicht einfach die gleichen Songs wie bei unseren normalen Konzerten, sondern haben für jedes Lied eine eigene Akustikversion.«  

Vom Gospelchor zu Guns N’ Roses

»Da muss man noch mehr auf die Feinheiten achten, mehr Feeling reinlegen«, ergänzt Sängerin Shirley Golightly. »Das ist aufregend, aber es macht auch riesig viel Spaß, und wenn der erste Ton erklingt, vergisst man sowieso alles, vor allem wenn die Leute mitgehen.« Ob auf großer Bühne oder in der kleinen Kneipe ›umme Ecke‹ – mangelndes ›Feeling‹ kann man der 29-jährigen Frontfrau bestimmt nicht vorwerfen. Sie singt nebenbei im Gospelchor (wo man ihr einst das Mikro versagte, Zitat: ›du bist auch so laut genug!‹), ist für Hochzeiten buchbar, liebt Musicals und könnte – dank einer klassischen Stimmausbildung – Stücke aus dem ›Phantom der Oper‹ genauso überzeugend darbieten wie harten Rock im Stil von Uriah Heep oder Guns N’ Roses. Dabei hat sie keine Schwierigkeiten, sich gegen E-Gitarren, Bass und Drums zu behaupten. Unglaublich, dass aus so einem zarten Persönchen so eine krasse Stimme herauskommt. »Das Phantom würde ich aber nicht vor Publikum machen«, meint sie augenzwinkernd.

»Jeder von uns bringt andere Einflüsse mit«

»Melodische Rock-Alternative mit Anleihen aus Classic Rock, Hard Rock und Grunge«, so beschreibt Bandgründerin und Gitarristin Sanni Wea den Stil des Quintetts, das sich so recht in keine Schublade stecken lassen will. »Jeder von uns bringt eine andere Kreativität, andere Einflüsse und Vorbilder mit«, erzählen Schlagzeuger Rob Ster und Bassist Marv Kuschke. »Gerade das ist das Spannende!« Doch eines haben sie alle gemeinsam: die Spielfreude bei Auftritten, weshalb man Why Amnesia unbedingt einmal live gesehen haben sollte (die Redakteurin weiß, wovon sie spricht, sie hat es selbst erlebt). »Live-Shows haben einfach noch mal eine ganz andere Qualität als Musik vom Band«, finden die Bandmitglieder. »Wir empfehlen: Lasst das Streamen und geht wieder mehr zu Konzerten!«

Kein Album für die 30er-Zone

Wobei der Spaß am Rock ’n’ Roll auf der neuen CD ›Jacks ’n’ Hearts‹ gut eingefangen wurde. Inhaltlich spannt sich der Bogen von Zwischenmenschlichem über Appelle gegen Rassismus und Gewalt bis hin zu Jack Daniels. Richtig, es geht um Whiskey. »Ein Thema, das wir alle nachvollziehen können!« Nicht wenige der Songs haben Ohrwurmcharakter und eignen sich zum Mitsingen. »Aber nicht in der Dreißiger-Zone hören«, warnen Sanni und Shirley. Wie recht sie haben. Doch zum Glück findet sich auf dem Album ja auch die eine oder andere Ballade. Perfekt für Ampelphasen. Oder um nach rasanter Fahrt gemütlich in den Sonnenuntergang zu juckeln.

Weitere Infos:
www.why-amnesia.de

Konzert-Tipp
31.05. · 19 Uhr · Neuland

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