Stadtmagazin Lünen: Dies und Das

Von Schwebeflocken und Himmelslichtern

Foto(s) zum Vergrößern anklicken

Quellenangabe in den Vergrößerungen

Sabine Ludwigs schreibt ein wunderbares Wintermärchen

›Der Eismond, so nennt Mias Mutter den Januar, macht seinem Namen alle Ehre. Denn an Neujahr ist der Tiefe See mit einer Eisschicht überzogen. Erhaben und schön wie im Wunderland, funkelt er hinter verschneiten Bäumen mit dem Raureif auf den Ästen um die Wette.‹

Hier kommt ›Bullerbü-Feeling‹ auf

Die ›Winterprinzessin‹ Mia und ihr kleiner Bruder Joshua verleben eine Kindheit wie im Märchen: angefüllt mit Bratapfelduft und Tausendblütenhonigmilch, mit Geigenspiel und Schlittschuhtänzen auf dem zugefrorenen Funkelsee, mit Sternenschimmer und Schneeflockengewirbel. Doch wie so oft im Märchen ziehen dunkle Wolken über dem idyllischen kleinen Dorf namens Winteraue und der ›Königsfamilie‹ auf … »Ich bin ein echtes Weihnachtskind«, erzählt uns die Lüner Autorin Sabine Ludwigs. In den letzten Jahren hat sie sich quer durch alle Genres geschrieben, vom Krimi über die Mystery-Romanze bis hin zum modernen Märchen, das deutliche Bezüge zur Bethlehem-Legende aufweist. »Mit vier Geschwistern habe ich viele tolle Weihnachtsferien verbracht. Noch heute stellt sich bei mir jedes Jahr dieses typische ›Bullerbü-Feeling‹ ein.«

»In meinen Büchern gibt es immer auch Tote!«

Das spiegelt sich auch im aktuellen Roman ›Winterlicht‹ wider. Eine christliche Heile-Welt-Geschichte dürfen wir aber trotzdem nicht erwarten. »In meinen Büchern gibt es immer auch Tote!« Und gerade das ist es, was diese poetische, bildhafte Erzählung so anrührend und spannend macht. Zuerst sind es nur kleine Vorzeichen, die dem Leser zwischen den Zeilen signalisieren, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht: das plötzliche Auftauchen einer schattenhaften Kapuzengestalt. Ein böser Traum. Die Hiobsbotschaften verbreitende Nachbarin. Tauschnee, der in Tränenform von den Bäumen tröpfelt. Dann geht es Schlag auf Schlag: Das Eis zerbirst, schwarze Fluten verschlingen die Eltern und ziehen sie auf den Grund des Funkelsees. Ein Halbriese verschleppt das Brüderchen an einen geheimen Ort, Mia landet mit gebrochenem Herzen im Waisenhaus.

»Wenn ich von einem Unglück höre, dann beginnen meine Gedanken zu kreisen«

»Was ich schreibe, ist manchmal grausam, dabei bin ich im echten Leben ein totales Weichei – was hier passiert, sprengt häufig jede Fantasie«, verrät Sabine Ludwigs. »Ich kann nicht mal die Todesanzeigen lesen, weil mir dann oft die Tränen in die Augen steigen. Wenn ich allerdings in den Nachrichten von einem Unglück höre, etwa, dass Menschen im Eis eingebrochen sind, dann beginnen meine Gedanken zu kreisen: Ich stelle mir vor, wie sie vergeblich ihre Hand ausstrecken, sich ihre Kleider mit Wasser vollsaugen, sie unter das Eis treiben, denn da ist keine andere Hand, die sie retten, sie hinaufziehen könnte … Dieses Eingeschlossensein, dieses nicht mehr nach dem Leben greifen können, obwohl man es noch vor Augen hat, ist ein wichtiges Motiv des Buches. In so etwas kann ich mich verlieren.«

Ein gefallener Stern namens Esther

Zum Glück für Mia und Joshua – und für den mitfiebernden Leser – ist das Märchen hier aber noch lange nicht zu Ende. Nein, es fängt gerade erst richtig an. ›Und so öffnete sich in einer Raunacht der Himmel, und es begann zu schneien. Es schneite die ganze Nacht, es schneite in dichten Schleiern, es schneite riesige, schimmernde Flocken. Ja, es schneite die Art von Schnee, dem wunderbare Mächte innewohnen.‹ Gemeinsam mit ihren Freunden – dem Sterngucker Jasper, der Großmutter Melchora im roten Mantel, dem alten Geigenspieler Balthazár und dem Kamel ›Tleiner‹ – begibt sich die Winterprinzessin auf die Suche nach ihrem verschwundenen Bruder. Sie folgen einem vom Himmel gefallenen Stern namens Esther durch die kalte Dezembernacht. Das Wunder nimmt seinen Lauf …

»Ich habe den Glauben an das Wirken höherer Mächte«

»Ich habe die Dreikönigslegende immer geliebt und schon lange davon geträumt, diese alte, religionsübergreifende Geschichte neu zu erzählen«, berichtet Sabine Ludwigs. »Außerdem finde ich Sterne toll – ich könnte nachts stundenlang in den Himmel gucken.« Ob sie selbst an Wunder glaubt? »Ich teile Bill Gates‘ Ansicht, dass man an ein höheres Wesen glauben sollte. Etwa drei Viertel der deutschen Bevölkerung hatten in ihrem Leben mindestens ein außergewöhnliches Erlebnis, das man als übernatürliche Erfahrung bezeichnen kann. Ich gehöre dazu! Also ja, ich habe den Glauben an das Wirken höherer Mächte, die ich in Ermangelung besserer Bezeichnungen Gott, Engel, Seelen und Wunder nenne. Aber ich glaube an keine Religion.«

Buchverlosung

Schicken Sie uns bis zum 20.12.2019 ein Mail mit dem Betreff ›Winterlicht‹ an info [at] stadtmag.de und beantworten Sie folgende Frage: Wie heißt das Dorf, in dem die Geschichte von Sabine Ludwigs spielt?

Blick in die Schreibstube

Schreibtechnisch zählt Sabine Ludwigs zu den ›Spätzündern‹: »Ich habe immer gerne gelesen, aber nie daran gedacht, selbst Texte zu verfassen«, berichtet die 54-Jährige. »Bis mich Bekannte auf die Idee brachten: Du kannst dich so toll ausdrücken, schreib doch mal einen Roman!« 2004 wurde ihr erster Kurzkrimi in einer Anthologie veröffentlicht. »Da habe ich Blut geleckt.« 2006 war sie Mitbegründerin der Autorinnengruppe ›Bloody Marys‹, mit renommierten Dortmunder Kolleginnen wie Gabriella Wollenhaupt und Sabine Deitmer, die Benefizlesungen an ungewöhnlichen Orten veranstaltete. ›Winterlicht‹ ist Sabine Ludwigs achtes Buch. Ach ja, ›nebenbei‹ führt sie mit ihrem Mann noch eine eigene Handelsfirma. »Ich habe also eigentlich zwei Jobs – und ich könnte mich nicht für einen entscheiden«, schmunzelt sie. Wie sie das schafft? »Ich schaue kein Fernsehen! Und habe eine enge Tagestaktung: 6 bis 7 Uhr Fahrrad fahren, 8 bis 18 Uhr Büro, 18 bis 21 Uhr Pause, danach fängt mein zweiter Arbeitstag an: Dann schreibe ich von 21 Uhr bis Mitternacht. Mein Ziel ist es, mich täglich mindestens zwei Stunden mit dem jeweiligen Manuskript zu beschäftigen. Das fällt nicht immer leicht, manchmal quäle ich mich da durch. Es ist leicht zu sagen, ich möchte ein Buch schreiben, aber schwer, dabeizubleiben!«

Sabine Ludwigs

›Winterlicht‹
Bookshouse
10,99 Euro
sabine-ludwigs.de

Facebook Logo  diese Seite auf Facebook teilen