Stadtmagazin Lünen: In der Stadt

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Zehn Jahre Südparkfreunde

Wenn dieser Park ein Gedächtnis hätte, er könnte uns so einiges berichten: von schüchternen Blicken und Liebesgeständnissen, die im Schutz der blühenden Rhododendren ausgetauscht wurden. Von kleinen Rabauken, großen Umweltschützern und unerschrockenen Bäumekletterern. Von Festivitäten unter freiem Himmel, Tanz und Akkordeonmusik.

Früher kostete der Eintritt einen Groschen

Ab 1923 waren es die Bergarbeiter der benachbarten Kolonie Oberbecker, die mit ihren Familien herkamen, um sich im Grünen von ihrer harten Arbeit unter Tage zu erholen. Der Eintritt kostete damals einen Groschen. Dass die 16 Hektar große Naturoase trotz städtischer Sparmaßnahmen bis heute überlebt hat, haben wir dem unermüdlichen Einsatz der Südparkfreunde zu verdanken. Seit nunmehr zehn Jahren macht sich der gemeinnützige Verein für den Erhalt des Areals stark. Für die über 200 Mitglieder eine echte Herzenssache: Viele von ihnen kennen den Südpark aus ihrer Kindheit.

»Es ist noch immer ein Park zum Anfassen«

»Mein Vater war Bergmann, ich selbst bin auf der Kolonie aufgewachsen, und der Park war unser Abenteuerspielplatz«, erzählt Jürgen Böhm, Maschinensteiger im Vorruhestand sowie Gründer und amtierender Vorsitzender der Südparkfreunde. »Anders als unsere Eltern und Großeltern sind wir zwar nicht mehr im Teich geschwommen – denn wir hatten in unserer Jugend schon Freibäder – aber wir sind hier oft spazieren gegangen. Und im Winter wurde natürlich Schlittschuh gelaufen. Letzteres ist heute aus Sicherheitsgründen nicht mehr erlaubt, aber es ist noch immer ein Park zum Anfassen.«

»Dieser Teich hat eine magische Anziehungskraft«

24 Müllsäcke wurden bei der ersten gemeinsamen Säuberungsaktion vor über zehn Jahren vollgemacht. Heute sucht man Plastikabfälle und leere Bierflaschen im Südpark vergeblich. Stattdessen: grüne Wiesen, rauschende Bäume und viele naturbelassene Ecken, die Vögeln, Insekten und anderen tierischen Bewohnern einen Unterschlupf bieten. Absolutes Highlight ist das idyllische Gewässer im Zentrum der Anlage. »Dieser Teich hat eine magische Anziehung auf die Besucher und ist mit seinen Enten insbesondere bei Kindern sehr beliebt«, weiß Jürgen Böhm. »Ab und zu haben wir auch Gänse oder sogar einen Eisvogel zu Gast.«

Moderne Technik reguliert Wasserqualität

Zur Feier des zehnjährigen Vereinsjubiläums wurde im Juni die neue Fontäne eingeweiht. Andere Neuerungen sind weniger augenfällig: Bereits Ende 2017 wurde eine Unter-Wasser-Schlauchanlage im Teich installiert. »Ein Kompressor pumpt Luft mit einem Druck von zwei Bar hindurch«, erläutert Jürgen Böhm. »Die Luft tritt an tausenden kleinen Bohrlöchern aus, wodurch der Schlamm aufgewirbelt wird und Bakterien zerstört werden. Innerhalb eines halben Jahres ist die Schlammbildung um 30 Prozent zurückgegangen.« Des Weiteren dienen ein künstlicher Bachlauf mit Sprudelstein und eine Grundwasserpumpe zur Regulierung von Wassermenge und -qualität.

Tatkräftige Unterstützung durch Projektarbeiter

»Bei vielen Tätigkeiten, wie Rasenmähen, Unkraut jäten, Landschaftspflege, Gräben ausheben und Pflasterungen, erhalten wir tatkräftige Unterstützung durch unsere Projektarbeiter – Langzeitarbeitslose, die bei uns praktische Erfahrungen sammeln, um ihre Chancen auf einen Wiedereinstieg ins Berufsleben zu verbessern«, erzählt Lisa Wischmann (ehemalige Vorsitzende). »Darüber hinaus arbeiten wir hervorragend mit der Abteilung Stadtgrün zusammen.«

Einblicke in die heimische Flora und Fauna

Einige Errungenschaften wie die Vogelnistkästen, ein Insektenhotel, die Streuobstwiese oder das offene Klassenzimmer stammen noch aus vergangenen Schulprojekten. »Das offene Klassenzimmer wird heute vom Action & Fun Club benutzt, der hier Kletteraktionen veranstaltet«, berichtet Jürgen Böhm. Die Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen wolle man in Zukunft noch weiter ausbauen: »Beispielsweise könnte es Führungen geben, damit die Kids die heimische Flora und Fauna besser kennenlernen. Außerdem sind ein kleiner Sportparcours für Jung und Alt sowie ein Rundwanderweg für Spaziergänger und Fahrradfahrer in Verbindung mit Lüner Sehenswürdigkeiten vorgesehen. Und auch unser Projekt ›Europabuche‹ ist noch lange nicht abgeschlossen: Zwölf gespendete Rotbuchen wurden bereits gepflanzt, 27 oder 28  sollen es werden – je nachdem, wie es mit Großbritannien weitergeht .«
Wohlfühlen und Wir-Gefühl

Es gibt also mehr als genug zu tun für

die nächsten zehn Jahre. Potenzielle Helfer sind beim wöchentlichen Vereinstreff (immer mittwochs ab 18 Uhr im BürgerBauHof am Teich) herzlich willkommen. Darüber hinaus veranstalten die Südparkfreunde zwei große öffentliche Aufräumaktionen im Jahr. Ein Spuk für die ganze Familie ist das Halloweenfest im Südpark am 31. Oktober. »Ich bin auf jeden Fall zufrieden mit dem, was aus dem Südpark geworden ist«, freut sich Jürgen Böhm. »Kein Wald ohne Wege, sondern ein ansehnlicher Park zum Wohlfühlen in einer sozial geprägten Gemeinschaft mit Wir-Gefühl!«

Termintipps:

Vereinstreff im BürgerBauHof am Teich
Jeden Mittwoch · ab 18 Uhr

Halloween im Südpark
31. Oktober

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