Stadtmagazin Castrop-Rauxel: In der Stadt

Adalbert Stifter war kein Popstar!

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Geschichtsrallye durch die Stadt

Wer war Adalbert Stifter? Kein Popstar, so viel steht fest. Warum wurde die jüdische Synagoge in Castrop-Rauxel angezündet? Und wie sah das Leben eines Bergmanns aus? Zwanzig in Regenjacken vermummte Drittklässler recken die Hälse und spitzen die Ohren, während Werner Laukel von der Kulturgemeinde aus den Annalen der Stadtgeschichte erzählt. Da ist der Regen schnell vergessen!

»Der Schnellste ist nicht der Beste«, rät der Hobbyhistoriker, »lasst euch Zeit mit der Beantwortung des Fragebogens.« Am 9. und 10. Juli wird die Sparkassenstiftung Castrop-Rauxel in Kooperation mit der Kulturgemeinde und dem Arbeitskreis für Stadtgeschichte erneut eine Geschichtsrallye für dritte Jahrgangsstufen durchführen. Die 3 c der Elisabethschule ist eine von 18 teilnehmenden Castrop-Rauxeler Klassen, die im Wettkampf um tolle Geld- und Sachpreise gegeneinander antreten. Und damit am großen Tag auch alles glatt läuft, werden die sieben Stationen heute schon einmal probeweise abmarschiert.

Startpunkt des rund zweistündigen historischen Rundkurses ist die alte Feuerwache, bekannt als Bürgerhaus. »Hier im Herzen der Altstadt hat alles angefangen, nur dass Castrop zunächst viel kleiner war«, berichtet Werner Laukel. »Das Quartier mit seinen Häusern, der Hauptpost, der Schule und der Feuerwache entstand erst im Zuge des Bergbaus, als die Einwohnerzahl innerhalb von 40 Jahren von 1000 auf 10.000 anstieg.« Die Kinder erfahren, dass im Adalbert-Stifter-Gymnasium 1880 nur Jungen unterrichtet wurden und dass die 1906 eingeweihte Feuerwache auch als Polizeistation diente. »Die Burschen, die sich auf dem Markt danebenbenommen haben, steckte man zum Ausnüchtern in die Zelle!«
Weiter führt der Fußmarsch von der Zeche Erin über den Gedenkplatz der Jüdischen Synagoge, die  Lambertuskirche, den Jüdischen Friedhof und die Lutherkirche bis zum Marktplatz. Den riesigen Förderturm im Gewerbepark Erin haben die meisten zwar schon einmal gesehen, doch bei den Ausführungen des Stadtführers staunen sie trotzdem nicht schlecht: Früher hat es keine Elektroherde gegeben, stattdessen wurde mit  Kohle gekocht. »Auch Dampfloks wurden mit dem ›schwarzen Gold‹ betrieben«, erklärt Werner Laukel. »Der Mann, der die Kohle nachschaufelte, hieß ›Heizer‹. Die Kinder lachen – den Begriff kennen sie sonst nur vom Autofahren!
Durch das überdachte Einkaufszentrum Widumer Platz geht es zurück in die City. Nächste Anlaufstelle ist der Gedenkstein für die jüdische Synagoge, die in der Pogromnacht 1938 durch Brandstiftung zerstört wurde. Dass die Feuerwehr vor Ort war, aber nicht löschen durfte, können sich nur die wenigsten vorstellen.

Den Besuch der Kirchen finden einige Schüler besonders spannend. »Darf ich da überhaupt rein?«, fragt ein kleiner muslimischer Junge mit großen Augen. Er darf natürlich und kann so viel Wissenswertes über den heiligen Lambertus und die Reformation aufschnappen.

Am Ende des aufregenden Tages sind die kleinen Stadtforscher – trotz nasser Füße – glücklich und um einiges klüger. Jetzt gilt es nur noch, sich die Dinge bis zur Rallye im Juli zu merken. Denn dann werden sie in mit ihren Fragebögen in Kleingruppen möglichst  selbstständig losziehen.

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