Stadtmagazin Castrop-Rauxel: Gesundheit und Wellness

›Prinz Pommes‹

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Futtern und Fernsehen

Ein Kasten – was hat das klobige Sportgerät mitten im Klassenzimmer zu suchen? Während sich die Schüler noch wundern, hebt sich der Deckel und heraus klettert ein kleiner, dicker Junge. Es ist Bodo oder auch ›Prinz Pommes‹, verkörpert von Schauspieler Stefan Leonard. Und jeder, der sich schon mal beim Sportunterricht so richtig quälen musste, kann seine verzweifelten Gedanken nur allzu gut nachempfinden.

Seine Premiere feierte das von Michael Miensopust verfasste und von Regisseurin Katrin Aissen umgesetzte WLT-Stück bereits im Juni. Neben Darsteller Stefan Leonard ist auch Theaterpädagogin Franziska Rieckhoff immer dabei, wenn das mobile Kindertheater auf Reisen geht. Als ›Mädchen für alles‹ sorgt sie für Kostüme und Requisiten ein, organisiert die Technik und führt im Anschluss das Nachgespräch mit den Schülern. »Ich muss sogar mit anpacken, wenn es darum geht, das schwere Sportgerät in die Klasse zu schleppen«, erzählt sie mit einem Augenzwinkern.

Doch zurück zum Stück. Wer ist denn nun dieser Bodo? »Ein Junge, wie er in jeder Klasse sitzen könnte«, antwortet Franziska Rieckhoff. »Je nach Veranstaltungsort wird unser Schauspieler zu einem Schüler aus der 2b oder etwa der 5c.« In der Schule wäre Bodo am liebsten unsichtbar. Stattdessen muss er an der Tafel unter dem Gelächter seiner Mitschüler Rechenaufgaben lösen. Dann stehen auch noch die Bundesjugendspiele an! Zu Hause flüchtet sich Bodo vor die Flimmerkiste, wo er Unmengen Süßigkeiten und Fastfood verdrückt. Bei Chips, Cola, Schokolade, Kuchen, Popcorn und Pommes kann er die Sticheleien seiner Mitschüler vergessen und sich in eine andere Welt hineinträumen: Es ist die virtuelle Welt des Fernsehers, wo es Actionhelden, King  Size City und einen ›Burger-Meister‹ gibt!
Theater im Klassenzimmer eröffnet den Schülern einen individuellen, direkten Blick auf die sensible Problematik. Stefan Leonard, der auch in die Rollen von Bodos Mutter, der Mathelehrerin, und des Sportlehrers schlüpft, mischt sich mitten unter die Schüler, die ebenfalls zum Teil der Inszenierung werden. »Das ist etwas ganz anderes, als in einem großen Theatersaal zu sitzen und das Spiel auf der Bühne aus der zehnten Reihe zu verfolgen«, weiß Franziska Rieckhoff. »Man erlebt den Darsteller hautnah, sieht jede Regung, jedes Blinzeln, ist mittendrin im Geschehen!« Und das wichtigste: Es werden keine Moralpredigten gehalten! »Natürlich wollen wir die Nachteile von Fettleibigkeit beschreiben, aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger. Vielmehr geht es darum, die Kinder zum Mitfühlen zu bewegen und Denkanstöße zu liefern: Wie geht es dem Jungen, wovor hat er Angst und warum?«

›Prinz Pommes‹ ist also weniger eine Anleitung zur gesunden Ernährung als eher ein Stück über Träume (und Schäume), das jede Menge Diskussionsstoff bietet, auch zum Thema falsches Essverhalten und Bewegungsmangel bei Kindern- und Jugendlichen. Daran können die Lehrer bei Bedarf anknüpfen: Was macht gesunde Ernährung? Wie entsteht Bulimie? Und vielleicht kann Sport ja sogar Spaß machen ...

Franziska Rieckhoff
Theaterpädagogin
Tel. 0 23 05 / 97 80 27

›Prinz Pommes‹
Klassenzimmerstück
buchbar für Schulen bis maximal 50 Personen

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