Stadtmagazin Castrop-Rauxel: Soziales

Lenis Garten

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Zwischen Wildblumen und Schmetterlingen

Die Wiesen blühen in den schönsten Farben. Bienen summen, Vögel zwitschern. Schmetterlinge flattern von Blüte zu Blüte. Friedhöfe sind nicht nur Orte des Abschieds und der Trauer. Sie sind auch ein Quell des Lebens, wo zwischen Hecken und Wildblumen neue Hoffnung wächst.

»Natur ist Therapie«

»Nach dem Verlust unserer jüngsten Tochter Leni haben wir viel Zeit hier verbracht und ihr Grab von Anfang an als Garten bezeichnet«, erzählt Nicole Predehl. »Dabei ist uns die Natur nähergekommen: Wir hatten plötzlich offene Augen für die Tiere und Pflanzen, die man im Alltagstrott schnell übersieht.« Am 16. Februar 2025 gründete sie mit ihrem Mann Marcel, einem gelernten Garten- und Landschaftsbauer, den gemeinnützigen Umwelt- und Tierschutzverein ›Lenis Garten e. V.‹. Der Name hält die Erinnerung an die kleine Leni wach. »Natur ist Therapie! Wenn ein Kind stirbt, würde man am liebsten aufgeben. Aber wir haben noch zwei andere Töchter, die uns brauchen. Wir wollten unseren Schmerz für etwas Gutes einsetzen: mehr Lebensraum für Wildtiere schaffen und junge Menschen für das Thema begeistern.«

Von Artenschutz bis Charity

Es ist schon beachtlich, was das Paar in nur einem Jahr ehrenamtlicher Arbeit auf die Beine gestellt hat: Bereits im Mai 2025 wurde der gesamte Emscherlauf zwischen Rückhaltebecken und Emscherauen bei einer groß angelegten Gruppenaktion von Müll befreit. In Kooperation mit Castrop-Rauxeler Kitas fanden verschiedene Pflanz- und Artenschutzprojekte statt. Tiere in Not erhielten eine schnelle Erstversorgung. Und am 1. März 2026 öffnete ›Lenis Charity Kinderkleidermarkt‹ in der Europahalle seine Pforten – das Benefizevent wurde in Zusammenarbeit mit CRIDS e. V. zugunsten der Dattelner Elterninitiative krebskranker Kinder und deren ›Villa Sonnenschein‹ veranstaltet. Aktuelles Projekt: die Schaffung eines Gemeinschaftsgartens in der Kleingartenanlage Deininghausen.

»Ohne Brennnesseln keine Schmetterlinge«

»Viele Menschen haben den Blick für die Natur um uns herum verloren«, so die Vereinsgründerin. »Mit einem Rotkehlchen kann jeder etwas anfangen – aber wer erkennt schon einen Zaunkönig?« Egal ob es darum geht, Vogelarten zu bestimmen, Eichhörnchenhäuser zu bauen oder Wiesen mit heimischen Wildblumen zu bepflanzen: Es ist ihr wichtig, schon die Kleinsten einzubinden und für das Thema zu interessieren. »Viele Menschen greifen im Baumarkt zu Blumen, die zwar schön aussehen, aber kaum Nektar produzieren und für Insekten keine Nahrung bieten. Besser wäre es, einfach mal das sogenannte ›Unkraut‹ stehen zu lassen. Brennnesseln beispielsweise sind lebenswichtig für über 380 Tierarten, insbesondere für Falter, da sie als Raupenfutter dienen. Das heißt: Ohne Brennnesseln keine Schmetterlinge!«

Begegnungsort für Jung und Alt

Schmetterlingsfreundliche Pflanzen könnten bald auch den Gemeinschaftsgarten in Deininghausen schmücken. Das Grundstück soll zu einem Begegnungsort für Kinder und Senioren werden. Nicole Predehl träumt von Angeboten wie Basteln mit Naturmaterialien, Gemüseanbau oder Obsteinkochen. Bis es so weit ist, werden jedoch noch einige Spenden und helfende Hände benötigt. Parallel laufen die Kooperationen mit Kitas wie dem Katholischen Familienzentrum St. Franziskus, wo die Umweltschützerin regelmäßig gärtnerische Projekte durchführt. Auch wird ihr Rat immer mal wieder angefragt, wenn jemand über eine verletzte Taube oder einen Igel stolpert. »Ich bin keine Pflegestation«, stellt sie klar. »Aber ich kann Tipps geben und helfen, das Fundtier an eine Fachstelle zu vermitteln.« Ihr Wunsch für die Zukunft: ein Lebenshof für Tiere, die nicht mehr ausgewildert werden können.

»Leni würde total aufgehen«

Übrigens: Demnächst wird ›Lenis Garten‹ im Podcast ›Mach mal richtig‹ von Sebastian Pöttinger vorgestellt. Die Benefiz-Folge ist ab dem 19. März online abrufbar. Eine gute Gelegenheit für alle, die mehr erfahren und den Verein unterstützen wollen. Was die kleine Leni wohl dazu sagen würde, wenn sie ihre Mutter heute zwischen Wildblumen und Schmetterlingen sehen könnte? »Leni würde total aufgehen«, lächelt Nicole Predehl. »Sie hat die Natur geliebt und war immer gerne draußen – wie jedes Kind.«

Spendenkonto
Lenis Garten e.V.
IBAN DE42 4265 0150 1001 5955 92
BIC WELADED1REK
Verwendungszweck: Spende

Weitere Infos:
Instagram @lenis_garten_e.v
Facebook: Lenis Garten e.V.

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