›Schräge Weihnacht in Ickern‹
Autor, Journalist und Theologe Gerd-Matthias Hoeffchen erzählt in seinem Buch ›Schräge Weihnacht‹ mit Witz und Herz vom Glauben, vom Leben – und von seiner Heimat Ickern. Uns verrät er witzige, herzige und sehr interessante Details aus seinem lebendigen Leben.
Leseratte von klein auf
Noch bevor er zur Schule ging, wollte Gerd-Matthias Hoeffchen unbedingt lesen und schreiben lernen. Seine Mutter zeigte ihm die ersten Buchstaben, in der Schule lernte er dann den Rest in Lichtgeschwindigkeit. Doch dann, zu Hause, die große Enttäuschung: Noch immer waren all die Jerry-Cotton-Hefte und Westernromane, die dort herumlagen, ein Buch mit sieben Siegeln. »Wir lernten ja Schreibschrift«, erinnert er sich. »Und Bücher und Hefte waren natürlich in Druckschrift.«
Inspiration durch Karl May
Das erste Buch, das er verschlang, war Robin Hood. »Ich konnte es einfach nicht mehr aus der Hand legen.« Es folgten Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt – und dann Karl May. Sämtliche Romane – 73 an der Zahl – hat Hoeffchen in seiner Jugend gelesen, viele davon vom Taschengeld oder durch kleine Jobs finanziert. »Karl May hat mich geprägt«, berichtet er. »Diese Mischung aus Abenteuer, Freundschaft und moralischer Klarheit – das war genau das, was man mit 14 brauchte.« Und vielleicht auch der erste leise Traum, selbst einmal Geschichten zu erzählen.
Kindheit geprägt von Gemeinschaft und Glauben
Seine Kindheit in Castrop-Rauxel-Ickern war aber insbesondere geprägt von der Jugendarbeit in der Kirchengemeinde, von Gemeinschaft und Glauben – und von einer Mutter, die als Geflüchtete aus Schlesien in der Kirche Halt fand. »Sie war eine einfache Frau«, erinnert er sich, »aber aus ihrem Glauben kam eine Kraft, die man spüren konnte.« Dieser Glaube war kein strenges Regelwerk, sondern etwas Warmes, Menschliches. »Mich hat immer gewundert, warum viele Menschen das alles so bierernst nehmen. Wenn Gott keinen Humor hätte, hätte er uns doch gar nicht erschaffen.«
Aus der Leidenschaft wurde ein Beruf
Diese Haltung zieht sich bis heute durch sein Leben. Gerd-Matthias Hoeffchen studierte Theologie, entschied sich dann aber gegen das Pfarramt – und für den Journalismus. »Pfarrer in der Gemeinde – das war dann doch irgendwie nicht für mich. Ich wollte die Dinge lieber aufschreiben als von der Kanzel sagen.« Nach einem Seminar zum journalistischen Schreiben, das er als »zweite Offenbarung« beschreibt, wurde aus der Leidenschaft ein Beruf. Heute ist er Chefredakteur der evangelischen Wochenzeitung ›Unsere Kirche‹ in Bielefeld und verantwortet zudem eine Verlagskooperation im Norden, Westen und Osten Deutschlands.
Geschichten vom Leben
Gemeinsam mit seinem Kollegen Bernd Becker veröffentlichte Gerd-Matthias Hoeffchen später das Buch ›Was weg ist, ist weg – Kuriose Beerdigungsgeschichten‹. Viele der skurrilen, anrührenden Episoden spielen im Ruhrgebiet. »Da steckt ganz viel Menschliches und Komisches drin«, erklärt er. »Es sind Geschichten vom Leben – nur eben auf dem Friedhof.«
Ickern ist und bleibt Zuhause
Sein Herz hängt noch immer am Ruhrgebiet – und besonders an Ickern. »Ich war nie wirklich weg!«, betont er. Bis heute besucht er regelmäßig seine Brüder und Freunde, geht sonntags in den Gottesdienst in die Christuskirche, frühstückt in Dirk’s Café oder im Café Auffenberg, und kehrt bei Luciano in der Pizzeria ein. »Und ich finde es großartig, was der Verein ›Mein Ickern e. V.‹ auf die Beine stellt – das unterstütze ich, wo ich kann.«
Mit Herz und Augenzwinkern
Mit seinem Buch ›Schräge Weihnacht – 30 Kurzgeschichten zum Auspacken‹ kehrt er nun auch als Autor nach Ickern zurück. Darin erzählt er humorvolle, nachdenkliche und manchmal rührende Episoden rund ums Fest. Eine davon heißt ›Matschige Weihnacht‹ – eine Erinnerung an Jugendtage, Schneematsch und einen schmutzigen Parka, der am Ende doch Glück brachte. Geschichten wie diese sind typisch für Hoeffchen: mit einem Augenzwinkern, immer mit Herz.

Tipp
Am 5. Dezember liest Gerd Hoeffchen in der munteren Veranstaltung des Vereins ›Mein Ickern e. V,‹ aus seinem Buch ›Schräge Weihnacht‹. Dazwischen unterhält sich Rainer Achterholt mit ihm über Ickern, Weihnachten und Humor. René Meyer begleitet beide in bewährter Weise auf dem Klavier. Im Anschluss gibt es Schnittchen, Adventsgebäck und Kaltgetränke.
Wichtig: Es wird um eine Anmeldung
gebeten unter info [at] mein-ickern.de.
Matschige Weihnacht
Ankedote aus dem Buch: ›Schräge Weihnacht. 30 Kurzgeschichten zum Auspacken‹
Heißa! Mein Bruder und ich düsen auf unseren Fahrrädern zum Gottesdienst. Wir pflügen durch den Schneematsch. Es ist Heiligabend. Wir sind junge fünfzehn Jahre alt, Mitglied im Jugendbibelkreis, und in der Kirche warten schon unsere Freundinnen und Freunde. Gemeinsam wollen wir die Christmette gestalten – mit Gitarre, Schlagzeug und viel Gesang. Die Welt ist schön, aufregend und voller Harmonie. Jesus liebt dich! Das haben wir so oft gesungen, gehört, sogar selbst schon im Jugendkreis gepredigt. Da kann uns ein bisschen Schmuddelwetter nicht die Laune verderben.
Zumal wir diesmal schon unsere Weihnachtsgeschenke bekommen haben: zwei warme Parkas, im Bundeswehr-Stil – damals schwer in Mode. Eigentlich hätten wir sie erst nach dem Gottesdienst erhalten. Aber weil das Wetter so grässlich ist, ordnet unsere Mutter ganz pragmatisch die vorgezogene Bescherung an: »Hier, euer Weihnachtsgeschenk.« Super! Wir ahnen, was unsere Mutter – verwitwet, Zeitungen austragen, Putzjobs im Kindergarten und bei Nachbarn – sich dafür vom Mund abgespart hat.
In der Kirche ist es kalt. Also behalten wir unsere neuen Parkas einfach an. So können die anderen auch gleich sehen, was für krasse Klamotten wir jetzt tragen. Die Kirche ist proppenvoll, wie immer an Heiligabend. Wir sind gehörig aufgeregt. Mein Bruder trommelt am Schlagzeug. Ich stehe davor mit der Gitarre. Alle, so scheint es mir, wirklich alle, schauen auf uns. Besonders auf mich. Oder bilde ich mir das nur ein?
Eine gute Stunde später – der Gottesdienst ist vorbei, die Menschen klatschen, bevor sie hinausgehen – spricht mich ein Mädchen an. Eines, das ich schon lange sehr, sehr klasse finde. Ich bin selig.
»Äh«, sagt sie, »hast du dir mal deinen Parka angeschaut?«
Ich, ganz cool: »Klar, der ist neu.«
Sie schaut mir tief in die Augen. »Sieht aber nicht so aus.« Und schwupp, ist sie weg.
Ich blicke an mir hinunter – und kapiere, warum mich die Menschen die ganze Zeit angestarrt haben: Das neue, gute, obercoole Kleidungsstück ist von oben bis unten mit Dreck- und Matschspritzern bedeckt. Im Eifer des Gefechts bin ich wohl ein bisschen zu dicht hinter dem Fahrrad meines Bruders hergefahren. Okay, jetzt heißt es: Würde bewahren! Betont lässig und gaaaanz souverän packe ich meine Gitarre ein und versuche, mein hochrotes Gesicht so tief wie möglich in Kapuze und Kragen zu vergraben.
Der Parka hat mich noch lange begleitet. Das Mädchen dann – trotz allem – übrigens auch. Und manchmal, wenn ich an Weihnachten denke, rieche ich noch immer ein bisschen Schneematsch von damals.
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