Very British
Oldtimer auf Schloss Bladenhorst
Eine goldene Herbstsonne fällt durch die ausladende Krone der Blutbuche in den Innenhof von Schloss Bladenhorst. Lichtstrahlen schimmern auf polierten Motorhauben, Sektgläsern und silbernen Radfelgen: Es ist British-Picknick.
Mit Sekt und Kürbissuppe
Zwischen den edlen Karossen sitzen Menschen auf mitgebrachten Klappstühlen, essen Muffins, stoßen mit Schampus oder Orangensaft an und plaudern über dies und das. Hier kennt jeder jeden, so scheint es. Klassische Musik erschallt von einem tragbaren Schallplattenspieler. Eine Frau bietet ihren Nachbarn selbst gemachte Kürbissuppe an. Diese Leute wissen, wie man lebt, und sie nutzen den letzten schönen Tag des Jahres aus.
Von ›Zurück in die Zukunft‹ bis ›Jerry Cotton‹
»Ziel des Oldtimertreffens ist es, die riesige Vielfalt der einstigen großen Autonation Großbritannien zu zeigen«, sagt Schlossherr Bodo Möhrke. »Vom kleinen Mini über den in Irland produzierten, durch ›Zurück in die Zukunft‹ bekannt gewordenen DeLorean bis hin zur Luxusmarke Rolls-Royce.« Er ist selbst ein Liebhaber und Sammler klassischer Fahrzeuge. Sein größter Stolz: ein Jaguar E-Type, der aus gegebenem Anlass auf der Wiese parkt. Das Modell erzählt eine besondere Geschichte: In der 60er-Jahre-Kultserie ›Jerry Cotton‹ jagte der coole FBI-Agent damit den Gangstern nach.
»Eine schöne grüne Oase mitten im Ruhrgebiet«
Mehrmals jährlich verwandeln sich die Mauern des Wasserschlosses in eine stimmungsvolle Kulisse für ›Oldies‹ aus ganz NRW. Zu den Stammgästen zählen die Jaguar Association Germany, der Panther Car Club Deutschland, der Rolls-Royce & Bentley Enthusiasts Club und die Herner Oldies. Der DeLorean Club Deutschland richtete hier gar sein internationales Meet and Greet mit Gästen aus der Schweiz und Österreich aus. Und auch der Morgan Club Deutschland war schon zu Besuch. Das British Picknick findet seit 2022 immer Anfang Oktober statt. »Wir sind eine schöne grüne Oase mitten im Ruhrgebiet«, lächelt Bodo Möhrke. »Ich arbeite also immer auch am Image der Region.«
»Wir haben alle die gleiche Macke«
Wir wollen wissen: Was macht den besonderen Reiz der Events aus? »Wir haben alle die gleiche Macke«, verrät man uns mit einem Augenzwinkern. Dann geraten die Gäste ins Schwärmen: »Man kann unbekümmert reden, sich Tipps holen, Routen austauschen.« Viele der Freundschaften, die hier entstehen, sind so langlebig wie die Fahrzeuge, die das gemeinsame Interesse begründen. Und das will was heißen. Um ein H-Kennzeichen zu erhalten, muss ein Wagen mindestens 30 Jahre auf dem Buckel haben – sowie technisch und optisch einwandfrei sein und weitestgehend dem Originalzustand entsprechen.
›Spirit of Ecstasy‹
Das älteste Schmuckstück beim British Picknick: ein Rolls-Royce Phantom 2, Baujahr 1928. Vorne auf der Haube reckt sich die berühmte Kühlerfigur ›Spirit of Ecstasy‹ in den Fahrtwind. Der Bildhauer Charles Robert Sykes erschuf die Lady mit dem wehenden Tuch auf Wunsch eines britischen Barons für dessen private Limousine, wobei die Sekretärin und Geliebte des Adeligen Modell stand. Die Geschichte machte die Runde. Kurz darauf wurde der Künstler von Rolls Royce mit dem Design einer weiteren offiziellen Kühlerfigur beauftragt. Die Geliebte diente dabei ebenfalls als Modell.
Ein rollendes Gemälde
Ekstase ist auch beim nächsten Fahrzeug Programm. Der Rolls-Royce Silver Wraith II von 1977 gleitet zwar so leise dahin wie ein Gespenst. Die Karosse aus der Sammlung von Oldtimer-Koryphäe und Sachbuchautor Klaus-Josef Roßfeld fällt aber trotzdem auf: Sie wurde von dem französischen Künstler Christophe Emmanuel Bouchet mit üppigen Frauenkörpern in expliziten Posen bemalt. ›Visionen des Weibes – von der Heiligen zur Hure‹ lautet der Titel des rollenden Gemäldes, an dem Rubens seine wahre Freude gehabt hätte.
Auf den Spuren von Karajan
Ein anderer Veteran verströmt noch immer die zeitlose Eleganz seines prominenten Vorbesitzers: Einst ließ sich Herbert von Karajan in seinem Rolls-Royce Silver Cloud III zum Wiener Opernball kutschieren. Was nur wenige wissen: Oft saß der gefeierte österreichische Dirigent sogar selbst am Steuer. Er zauberte nämlich nicht nur mit dem Taktstock, sondern war zudem ein großer Autofan und erfolgreicher Rennfahrer. Ja, vermutlich hätte er sich in der illustren Runde auf Schloss Bladenhorst ausgesprochen wohl gefühlt.
»Paradebeispiel für Nachhaltigkeit«
Schlossherr Bodo Möhrke freut sich schon auf die kommende Saison. Ein Wiedersehen mit vielen alten Bekannten ist gewiss. »Englische Fahrzeuge aus den 60er- und 70er-Jahren sind zeitlos schön, komfortabel, technisch nicht sehr kompliziert, gut zu reparieren und damit ein Paradebeispiel für Nachhaltigkeit«, erklärt er. »Gut gepflegt, können sie Jahrzehnte überdauern. Hinzu kommt, dass Oldtimer echte Sympathieträger sind und im Straßenverkehr meist positive Reaktionen hervorrufen. Wer einmal auf den Geschmack kommt, wendet sich selten davon ab.«
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